Ausflug zur #rp13 und in die Pädagogische Provinz

Ich war nur einen guten Tag auf der re:publica—vor allem, um mit Dörte und Monika einen Vortrag über MOOCs zu halten. Ich habe von der Veranstaltung selbst, von den Inhalten, nicht allzuviel mitbekommen. Gereicht hat es, um die Atmosphäre zu erleben, viele Leute zu treffen und wenigstens kurz mit ihnen zu sprechen—vor allem um sich vorzunehmen, sich ausführlicher zu treffen.

Inhaltlich wird mir von den wenigen Vorträgen, die ich ganz angehört habe, vor allem Lothar Müllers Präsentation über das Papier im Gedächtnis bleiben. Müller hat das Medium Papier für Leute erklärt, die es nicht kennen. So hat er langsam eine Zeitung entfaltet, auf die Ränder des Blattes gezeigt und gesagt, dass es hier, oben und unten, links und rechts, nicht mehr weitergehe. Das war nicht nur als Gag gemeint, und es hat sehr gut demonstriert, wie sehr Inhalte und die materiellen Qualitäten eines Mediums zusammenhängen.

Lothar Müllers Erklärung des Papiers für Digital Natives ist mir dann wieder eingefallen, als ich in Borgsdorf Freunde besucht habe, die schreiben und in der Papierkultur leben, die mir selbst inzwischen exotisch vorkommt. Lange Gespräche, unter anderem über die Endgültigkeit und die Revidier- und Redigierbarkeit des Geschriebenen auf Papier und im Netz.

Im Gedächtnis werden mir auch die beiden Abende auf dem Platz der Station Berlin bleiben. Eine lockere, sehr berlinerische Stimmung, eine Mischung von demonstrativer, also gestylter Stillosigkeit und bedeutungsvoller Nichtgeschäftigkeit. Nicht so anders als die Stimmung am folgenden Feiertag am Prenzlauer Berg, wo ich meinen Sohn Samuel besucht habe und dann mit Lorenz Lorenz-Meyer noch ein langes Gespräch über China, die Welt und ein paar sehr konkrete Ideen geführt habe—ein Highlight der re:publica jenseits ihrer Grenzen, passend zum Motto IN/SIDE/OUT.

Die Tage in Berlin waren für mich nicht nur ein Ausflug zu einer lässigen Konferenz, zu Verwandten und Freunden. Sie war auch ein Ausflug in die Welt des E-Learning und der MOOCs, in die pädagogische Provinz der Online-Welt. Meine wichtigsten Bezugspersonen im deutschen Teil dieser Welt sind Dörte und Monika. Wir haben in unserem eigenen Vortrag noch einmal den #mmc13 Revue passieren lassen und versucht, Folgen aus ihm zu ziehen, anderen und uns selbst unseren Ansatz zu erklären (Manuskript und Diskussion hier). Ich bin Monika und Dörte sehr dankbar, dass ich einen MOOC aus der MOOC-Macher-Perspektive kennenlernen konnte.

Auf der re:publica habe ich einige Teilnehmer des mmc13 zum ersten Mal away from the keyboard getroffen. Die Stimmung dieses Kurses, die intensive Interaktion in vielen kleinen Gruppen, lebte kurz wieder auf. Sie ist sicher nicht nur ein Ergebnis des Kursformats, sondern vor allem der Erfahrung und des Engagements, mit dem Monika und Dörte als Fernlehrerinnen und Community-Moderatorinnen agieren. Am ersten Abend in Berlin habe ich einige Teilnehmerinnen des von Dörte betreuten SOMM-Kurses kennengelernt und gesehen, wie dankbar sie für diesen Kurs sind. Der #mmc13 hat von einem menschlichen Stil der Kommunikation mit Kursteilnehmerinnen profitiert, der sich zum Teil in einem ganz klassischen Fernunterricht, zum Teil sicher auch in der EduCamp-Bewegung entwickelt hat. Diese Weiterentwicklungen einer ganz konkreten Praxis sollten wir bei aller theoretischen Begründung von MOOCs nicht vergessen.

Ich habe auf der re:publica sehr viel verpasst, leider auch die Präsentationen meiner WLL-Kollegen Brigitte und Julian. Einiges werde ich mir im Nachhinein ansehen, vor allem die Vorträge zur Netzforschung und zum Journalismus. Ich habe zu wenig mitbekommen, um eine Resume ziehen zu können. Gut gefallen hat mir die Veranstaltung auch dieses Mal als Gelegenheit, um Leute zu treffen. Insgesamt ist die re:publica sicher eher eine Präsentationsfläche als ein Raum für Diskussion, ein Broadcast-, kein Dialogformat. Das mag man bedauern, wenn man die Kultur der BarCamps gewohnt ist. Aber gerade hier in Österreich könnten wir froh sein, wenn wir Onliner-Events mit dem Echo veranstalten könnten, das die re:publica inzwischen in Deutschland hat.