Warum bloggen Sie?

Am 10. Juni habe ich Martin Langeder einige Fragen zu Lost and Found beantwortet. Martin Langeder stellt mein Blog heute im Österreichischen Journalist vor. Hier meine Antworten; Martin Langeder hat mir erlaubt, sie zeitgleich zum Artikel online zu publizieren.

1) Warum bloggen Sie? Und seit wann?

Ich versuche, Dinge festzuhalten, Gedanken zu klären, die mir wichtig
sind, und für andere erkennbar zu werden. Ich habe kein bestimmtes
Ziel. Mir gefällt diese Schreibform.

Ich weiß nicht genau, wann ich angefangen habe. Ich hatte ziemlich
früh einen Account bei Pyra Labs, und etwa ab 2002 habe ich mit Chris Langreiters vanilla gebloggt. Damals habe ich das Blog aber eher als Werkzeug benutzt, um Links zu sammeln. Intensiver blogge ich seit
2005.

2) Wie lautet die Selbstcharakterisierung Ihres Blogs?

Sie ist für mich ein dauerndes Problem, und ich ändere sie
gelegentlich. Im Augenblick lautet die Tagline: Notizen aus Graz über
Soziale Medien und Journalismus im Web
.

3) Wie viel Zeit verwenden Sie täglich für das Schreiben der Beiträge,
das Lesen der Kommentare etc.? Ist es Teil des Jobs oder reines
Privatvergnügen?

Zwischen 0 und zwei Stunden, je nachdem, wieviel Zeit ich dafür habe
(in den letzten Monaten leider kaum). Das Bloggen ist für mich Teil
des Jobs und Privatvergnügen. In den vergangenen Monaten habe ich
versucht, in meinem Büro in der Fachhochschule zu bloggen – es ist mir
nicht gelungen. In einem Büro ist wohl für das Schreibvergnügen zu
wenig Platz.

4) Was ist Ihre Hauptinspirationsquelle?

Ich habe ein paar Vorbilder in der ersten Generation der Blogger. In
Amerika Dave Winer, Jeffrey Zeldman, Tim Bray, David Weinberger, Doc Searls; in Europa Jörg Kantel und Chris Langreiter. Inzwischen lese ich sehr viele andere Blogs. In Österreich sind Max Kossatz, Helge Fahrnberger und Luca Hammer für mich am wichtigsten, außerdem Georg Holzer, Jana Herwig und Christoph Chorherr, hier in Graz auch Christian Klepej. Es gibt auch ein paar fernere Quellen — ohne dass ich mich mit großen
Namen schmücken will. Montaigne und Erasmus von Rotterdam würde ich
gerne als Vorbilder nennen können.

5) Welches Feedback bekommen Sie auf Ihre Bloggerei – von Studenten,
Kollegen und Lesern?

Von Studenten: wenig, außer dass ich vielleicht einige zum Bloggen
gebracht habe. Ich schreibe wohl nicht unmittelbar genug. Mir ist aber
wichtig, dass die Studenten sehen können, was ich denke und wie ich
schreibe. Kollegen an der FH lesen mein Blog, können aber nur selten
etwas damit anfangen. Ein paar besonders Wohlmeinende haben mich schon
wegen frecher Bemerkungen in Blogs und auf Twitter bei unserer
Geschäftsleitung verpetzt. Am meisten Echo bekomme ich von anderen
Bloggern und Leuten aus der Social Media-Szene. Und — nicht zu
vergessen — von meinem inzwischen 87-jährigen Vater, der mein Blog
sehr genau liest.

Ich habe durch das Blog eine Reihe von sehr interessanten und sehr
netten Leuten kennengelernt. Obwohl ich wenig Leser habe, hat das Blog
meinem Ruf außerhalb der Blogosphäre genutzt.

6) Wie viele Besucher klicken im Schnitt täglich auf Ihren Blog?

Ich habe auf meinem Blog Links zu Sitemeter und einen FeedBurner-Button installiert, damit diese Zahlen transparent sind.
Auf die Website gehen zwischen 30 (wenn ich nichts schreibe) und über
100 Leuten (bei neuen Einträgen, die verlinkt werden) pro Tag; der
RSS-Feed hat ca. 300 Abonnenten.

7) Wie heißt Ihr aktueller Lieblingsblog? Warum ist er derzeit Ihr Favorit?

Mein Lieblingsblogger ist nach wie vor Dave Winer. Ich schätze seine
Schreibweise — ungekünstelt und sehr präzise — und seinen Blick auf
Medien und Technik.

8) Was können Blogger in Österreich von Bloggern z.B. in den USA noch lernen?

Vor allem: selbstbewusst Themen zu setzen. Wichtiger finde ich aber,
dass die Österreicher außerhalb der Blogspäre lernen, was man mit
Blogs machen kann.

9) Ein Blick in die Zukunft: Welche Pläne haben Sie für Ihren Blog?

Mehr und leichter schreiben. Ich möchte Lost and Found noch mehr
als meine persönliche öffentliche Plattform nutzen und dabei mit
unterschiedlichen Tonlagen experimentieren. Außerdem würde ich gerne
die älteren Inhalte besser erschließen. Eine offene Frage für mich
ist: In welchem Verhältnis zueinander stehen die verschiedenen Social
Media-Plattformen die ich nutze, außer meinem Blog z.B. auch Twitter,
Friendfeed, delicious und Facebook?

10) Was können denn österreichische Journalisten vom Bloggen lernen?

Bloggen ist eine onlinetypische Schreibweise – eine der ersten, die
sich herausgebildet haben und in der es sogar schon Traditionen gibt.
Plakativ gesagt: Journalisten können vom Bloggen lernen, wie man fürs
Web schreibt. Es gibt einen eigenen zeitlichen Rhythmus: Laufende
Aktualisierungen. Man schreibt immer verlinkt, mit Beziehung auf
andere Texte. Man steht im Dialog mit anderen Bloggern und mit den
Leuten, die kommentieren. Man ist als Person deutlicher erkennbar als
in herkömmlichen Medien und muss an seiner individiuellen „Marke“
arbeiten. Man schreibt improvisierter, mündlicher als für den Druck –
denn ein großer Teil des Redaktionsprozesses findet erst in der
Diskussion oder in anderen Posts statt.

11) Warum sollten – sowohl aus Ihrer persönlichen Sicht, als auch aus
Ihrer Sicht als Medienwissenschafter – mehr Journalisten bloggen?

Durch Blogs können Journalisten ihre Arbeit in Kontexte stellen, die zum Web passen. Sie dokumentieren wie sie arbeiten, klären über ihre
Motive auf, stellen Vermutungen, Interviewfragen und Quellenmaterial
zur Diskussion und können ihre Arbeiten laufend aktualisieren. Jeff
Jarvis hat in Replacing the article beschrieben wie Blogposts mit anderen Formen (Wiki, kommentierte
Links, Diskussionsforum) zusammen funktionieren können.

Persönlich sehe ich die Blogger noch immer als eine Community. Diese
Community wird interessanter, wenn mehr Journalisten, die etwas zu
sagen haben, an ihr teilnehmen.

12) Und eine Bitte habe ich noch: Können Sie mir bitte Ihr Alter verraten?

Ich bin 1956 geboren und gerade noch 52. Für dieses Genre also alt. Ich bin sehr früh mit Computern in Berührung gekommen und habe mich später auch für Software-Entwicklung interessiert — von dort ist der Weg zum Bloggen vielleicht kürzer als vom herkömmlichen
Journalismus.

die künstlerische Freiheit von Fehlschlägen genießen

Wer im Web Fehler vermeiden will, begeht wahrscheinlich den schwersten möglichen Fehler. Bei den Grazer Minoriten haben Christoph Chorherr und Dieter Rappold über das Scheitern gesprochen. Chorherr zitierte — wie in seinem Blog — Beckett:

Ever tried.
Ever failed.
No matter.

Try again.
Fail again.
Fail better.

Dieter Rappold verwies auf einen Satz von Jeff Jarvis:

The cost of failing is tumbling down dramatically.

Warum Scheitern im Web eine Bedingung des Erfolgs ist, habe ich gestern zum ersten Mal durch eine Passage in dem Buch Videojournalismus von Andre Zalbertus und Michael Rosenblum verstanden. Sie schreiben über die Erfindung der Kleinbildkamera:

Diese technischen Erfindungen waren die Grundlage der Vorstellung von Kodak, dass jeder ein Fotograf sein konnte. Dies war die Demokratisierung der Fotografie und in vielerlei Hinsicht auch die Geburt der visuellen Welt, in der wir heute leben.

Da es jetzt Rollfilme statt Planfilme gab, konnten mehr Fotos gemacht werden. Der Fotograf konnte so mehr Risiken eingehen und die künstlerische Freiheit von Fehlschlägen genießen.

Wenn es fast nichts mehr kostet zu scheitern, wird mehr probiert. Und je mehr probiert wird, desto größer sind die Chancen, dass Neues und Brauchbares entsteht. Man braucht heute nur noch Zeit, aber kein Kapital, um etwas zu publizieren. Massen können es sich leisten die Freiheit von Fehlschlägen zu genießen. Wer in dieser Umwelt Fehler vermeiden muss (z.B. weil er einen teuren Distributionsapparat unterhält), wird untergehen.

Twitter ist die Wikipedia der Nachrichten

Gestern: Telefongespräch mit @brodnig über die Frage: Wozu Twitter? Ich habe schon einmal versucht, diese Frage nicht zu beantworten, und ich glaube noch immer, dass es keinen Sinn hat, nach dem Sinn, der wahren Bedeutung oder dem höheren Zweck von Twitter zu fragen.
Spätestens die Ereignisse nach der angeblichen Wahl im Iran haben aber gezeigt, was man mit Twitter besser machen kann als mit allen Werkzeugen, die es vorher gab: Man kann Nachrichten an eine beliebige Zahl von Followern verschicken, die die Nachricht weitergeben, wenn sie sie interessant finden. Twitter ist die Open Source-Version der Nachrichtenagentur. Dass Michael Jackson gestorben ist, habe ich gestern Nacht via Twitter erfahren. So wie jeder Informationen, die er für wichtig hält, in der Wikipedia veröffentlichen kann, so kann jeder via Twitter auf Ereignisse hinweisen. In der Wikipedia kontrollieren freiwillige Redakteure, ob die Information stimmt und relevant ist. Bei Twitter entscheiden die User, welchen Quellen sie trauen.
Mit Twitter kann man nicht mehr tun, als auf ein Ereignis hinzuweisen. Alle weiteren Informationen kann man nur verlinken. Twitter ist also eine Art Headline-Service.
Nachrichten zu veröffentlichen, ist im Web auch ohne Twitter möglich. Aber Twitter vereinfacht es radikal und bietet eine Infrastruktur, die es extrem einfach macht, Nachrichten zu folgen. Twitter ist — viel mehr als Blogging-Umgebungen — ein Werkzeug zum Publizieren wie zum Verfolgen von Nachrichten.

Ohne Kick-backs

Gestern hatte ich einen spannenden und sehr netten Abend: Bei den Minoriten sprachen Christoph Chorherr und Dieter Rappold über das Web 2.0; Georg Holzer moderierte. Gespräche an der Bar und dann im Opatija folgten. Frische Luft für das Gehirn!

Christoph Chorherr berichtete von seinen Erfahrungen mit Web 2.0-Tools; mit anderen Beispielen schloss er an seine Präsentation auf dem Grazer PolitCamp an. Wer sich für Dieter Rappolds Thesen interessiert, findet einige der Folien, die er gestern gezeigt hat, bei SlideShare.

Mir war vieles von dem neu, was Dieter Rappold über Social Media Marketing als Alternative zu herkömmlichen Werbemodellen sagte. Er kann mit Zahlen von Kampagnen, bei denen knallgrau beteiligt war, belegen, dass man mit sozialen Medien Zielgruppen kostengünstiger und nachhaltiger erreicht als mit herkömmlichen Kampagen. Das funktioniert bei so unterschiedlichen Themen wie dem BMW Concept X1 oder dem Europawahlkampf der SPÖ. Die BMW-Kampagne erzielte nach zwei Wochen Social Media-Marketing dasselbe Suchvolumen wie ein klassisch beworbener BMW nach einem Jahr. Auf das SPÖ-Angebot im Web stießen weit mehr User über Facebook und Twitter als über Zeitungen, und sie blieben auch deutlich länger auf den Seiten.

Facebook und Twitter können wie klassische Medien — oder besser als sie — Aufmerksamkeit generieren und Benutzer auf Webangebote lenken; dabei wirken aber nicht Anzeigen, sondern Inhalte und Konversationen, für die sich die Benutzer interessieren. Es geht also eher um PR als um Werbung — wenn man die alte Unterscheidung benutzen will.

Warum werden soziale Medien noch so wenig für das Marketing und die Kommunikation genutzt? Eines der Haupthindernisse sieht Dieter in einer unheiligen Interessenallianz von Medien, Media-Agenturen und Werbeagenturen. Sie alle verdienen am alten Modell gut, dabei profitieren sie nicht zuletzt von seiner Undurchsichtigkeit. Nichts widerspreche dem Geschäftsbaren in dieser Branche so wie das völlig offene, transparente Geschäftsmodell der Google Ads, in dem Kick-backs ausgeschlossen sind.

Meist muss lange argumentiert werden, damit Firmen und Organisationen diese Instrumente nutzen — und es sind kulturelle und organisatorische Veränderungen nötig, damit sie ihre Zielgruppen authentisch und natürlich (Dieter Rappold) ansprechen können. Rappold sieht es als eines der wichtigsten Ziele seiner Agentur, diese Veränderungsprozesse zu unterstützen. Ich bin mir sicher, dass viele unserer Absolventen, egal ob in der PR oder im Journalismus, ihr Geld mit Culture and Change Management verdienen werden.

Ist Gmail ein Werkzeug des Teufels?

Einige wenige meiner Kollegen lehnen Gmail ab. Ich muss das hässliche und unpraktische Outlook benutzen, wenn ich ihnen Mails schicke. Und sie verlangen sogar, dass ich Mails von ihnen oder an sie nicht in meinem Gmail-Account speichere. Sie befürchten, dass Google Profile von ihnen anlegt und diese Profile missbraucht.

Für mich ist Gmail — ich verwende es mit der GTDInbox — eines der wichtigsten Arbeitsinstrumente. Ich kann praktisch unbegrenzt viel speichern (die interne Mailbox bei meinem Arbeitgeber ist immer wieder überfüllt), finde die Informationen wieder und und kann sie leicht organisieren. Der Komfort ist so gross, dass ich darüber hinwegsehen kann, dass Anzeigen für Liebe ab 30 oder mit der Aufforderung Folgen Sie Ihrer Berufung….Werden Sie Schamane! eingeblendet werden. Außerdem unterrichte ich Web Publishing und muss brauchbare webbasierte Tools kennenlernen — das geht nicht, ohne sie selbst intensiv zu benutzen. Wer Gmail nicht verwendet, wird Google Wave kaum benutzen können, und wer nicht versteht, was Google Wave bedeuten könnte, sollte nicht zu angehenden Journalisten über das Web sprechen.

Handle ich unverantwortlich, wenn ich Gmail benutze? Liefere ich vertrauliche Informationen einer Datenkrake aus? Ich glaube: Nein! Ich bin mir aber nicht ganz sicher, und ich bitte um Diskussion und Kritik — nicht zuletzt übrigens Kollegen, die das hausinterne Exchange-System (von dessen Sicherheit wiederum auch nicht alle überzeugt sind) für vertrauenswürdiger halten.

Ein paar Überlegungen dazu:

  1. Viele mögen diese erste Überlegung für naiv halten: Google hat Datenschutzbestimmungen. Wer Dienste von Google benutzt, erkennt diese Bestimmungen an, und Google verpflichtet sich dazu, sie einzuhalten. Diese Bestimmungen lassen, wenn ich sie richtig verstehe, nicht zu, dass Google Profile von erwähnten Personen, z.B. Adressaten, anlegt, und sie schließen definitiv aus, dass diese Profile zu kommerziellen Zwecken weitergegeben werden. Sollte ein Missbrauch vorkommen, kann man dagegen klagen. (Mir sind solche Klagen nicht bekannt.) Warum sollte sich Google dem Risiko solcher Klagen — und dem PR-GAU, den Verstöße gegen diese Regeln bedeuten würden — aussetzen? Gibt es Gründe, die Seriosität des Unternehmens Google anzuzweifeln?

  2. Email-Daten sind prinzipiell nicht sicher; sie lassen sich an vielen Stellen scannen und werden gescannt, z.B. um Spam zu bekämpfen. Will man ausschließen, dass Emails von Dritten gelesen werden, muss man Programme wie Pretty Good Privacy zur Verschlüsselung verwenden. Die Verwendung solcher Verschlüsselungen ist zusammen mit Gmail möglich (ich habe sie noch nicht probiert). Anders gesagt: Wer vor Gmail Angst hat, sollte keine unverschlüsselten Emails versenden.

  3. Es besteht sicher ein nicht geringes Risiko, dass Google personenbezogenen Daten an Regierungsstellen und z.B. amerikanische Geheimdienste weitergibt. Googles Datenschutzbestimmungen schließen das nicht aus. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass andere Emails von Geheimdiensten verwendet werden. Ich würde über Gmail nicht unverschlüsselt Informationen austauschen, die für Geheimdienste (und ihre Klienten, z.B. möglicherweise US-Unternehmen, die Wirtschaftsspionage betreiben) interessant sein könnten — wobei fraglich ist, ob Gmail dabei angesichts einer Vielzahl anderer Überwachungstechniken das oder auch nur ein Hauptrisiko darstellen würde. In meinem beruflichen Umfeld an einer steirischen Fachhochschule habe ich mit Geheimdienst-relevanten Informationen noch nicht zu tun geabt.

  4. Wer Gmail nicht toleriert, darf prinzipiell keine Speicherung von Daten außerhalb eines geschlossenen Systems zulassen, also z.B. auch nicht andere Webmail-Anbieter oder Amazon EC2. Das wäre weltfremd und reaktionär, es würde wohl bedeuten, auf moderne Web- und Internettechnologie überhaupt zu verzichten. Gmail im Arbeitsleben verlangt wie viele andere Technologien — vom Firmenlaptop, den man mit nach Hause nimmt, bis zum privaten Telefon, über das man dienstliche Gespräche führt — dass man es verantwortungsvoll benutzt. Davon muss eine Firma bei ihren Mitarbeitern ausgehen — und ganz sicher eine Hochschule bei ihren Lehrern.

Mein persönliches — sicher nicht ganz begründbares — Gefühl ist: Die Furcht vor Gmail ist wie andere Formen der Anti-Google-Hysterie Teil der amorphen Angst vor weiterer Modernisierung, dem Internet überhaupt und obskuren Kräften wie dem Neoliberalismus. Sie trägt zur Sicherheit der Benutzer nicht nachweisbar bei und erschwert es, über die wirklichen Risiken von Internettechnologien zu diskutieren. Ich lasse mich aber gern korrigieren.

Wahl des Rektors der FH Joanneum: Kandidaten antworten dem Betriebsrat

Für morgen ist die Wahl des nächsten Rektors der FH Joanneum angesetzt. Gewählt wird vom Kollegium, das die Lehrenden, die Studierenden und die Studiengangsleiter vertritt. Ich habe bereits auf die Profile der Kandidaten im Web hingewiesen.

Der Betriebsrat unserer Hochschule hat den Kandidaten drei Fragen gestellt und ihre Antworten hier veröffentlicht. Der Rektor der FH Joanneum ist auch wissenschaftlicher Geschäftsführer und damit Partner und Antipode des Betriebsrats.

Die Antworten bestätigen mir, dass nur einer der Kandidaten wählbar ist. („Die Phrase ist das gestärkte Vorhemd vor einer Normalgesinnung, die nie gewechselt wird.„)

Sollen wir über die Wahl nicht öffentlich diskutieren? Ich sehe nichts, das dagegen spräche. Die Steuerzahler finanzieren uns, und wir arbeiten für die Allgemeinheit. Die Öffentlichkeit darf erfahren, wer uns als Rektor vorgeschlagen wird.

New-Media-Kompetenzen für Journalisten: kleine Linksammlung

Immer wieder stellen Blogger in Listen zusammen, welche Kompetenzen Online-Journalisten und Online-Kommunikatoren heute haben müssen. Interessant finde ich unter anderem:

Ich arbeite mich gerade durch diese und weitere Listen hindurch, um genauer beschreiben zu können, welche Kompetenzen wir unseren Absolventen vermitteln sollten. Vor allem für die Studenten selbst ist es wichtig, dass wir genau sagen können, was wir ihnen beibringen wollen. Ich möchte präzisieren, was ich hier begonnen habe.

Die meisten dieser Listen sind — oft sehr brauchbare — ad-hoc-Zusammenstellungen. Eine Sonderrolle spielen die Ergebnisse des Convergence Journalism Skills Survey der Skills Group, die mit einer Reihe britischer Institutionen zusammen unternommen wurde. Der Ansatz ist sicher konservativer als bei den oben zusammengestellten Links (Besonderheiten sozialer Medien geraten nicht in den Blick); dafür sind die Thesen aber empirisch belegt.

Eine Zusammenfassung hat Paul Bradford in einem Video dokumentiert. Was vermissen Arbeitgeber bei Bewerbern um journalistische Jobs? Am wichtigsten sind ihnen nach wie vor klassische journalistische Fähigkeiten; vor allem bei folgenden Kompetenzen stellen sie ein skills gap fest:

  • Finding own stories 64%
  • Use of language 51%
  • Writing 48%
  • Media law 46%
  • Shorthand 43%
  • News gathering 38%

Mehr Kowhow bei der Produktion digitaler Medien wünschen sie sich vor allem auf diesen Gebieten:

  • Video skills — recording and editing 59%
  • Writing for search engine optimization 57%
  • Writing for multi-platforms — 24hr rolling news 56%
  • Prioritising ways to tell a story 53%
  • Assembling news bulletins and audio/video packages 53%
  • Using Freedom of Information Act 53%

Die core skills würde ich den kommunikativen Kompetenzen zuordnen, die new skills dem Produktionswissen. Wahrscheinlich würde eine Untersuchung hier in Mitteleuropa zu ähnlichen Ergebnissen führen, abgesehen wohl von shorthand und Using Freedom of Information Act.

Wir sind übrigens an unserem Studiengang gar nicht so weit von den Anforderungen entfernt, die sich aus der britischen Studie ergeben — wenn wir uns auch sicher noch mehr auf die zentralen Kompetenzen konzentrieren müssen. Und: Wir müssen unser Angebot noch mehr auf einen Markt einzustellen, der durch seine Fähigkeit zur Veränderung mitdefiniert wird.

… wie auch der Professor von seinen Studenten etwas lernen kann

Leider auf der Website der Süddeutschen nicht zu finden: Franziska Augsteins Bericht von der Frankfurter Gebutstagsfeier für Jürgen Habermas Der Eremit vom Starnberger See (20./21. 6. 2009, p. 15). Zitat:

Und dann sagte Habermas ein paar Sätze, die das Publikum bewegten: In jedem Seminar kann ein neues Gesicht auftauchen, ein Student, der einen unerwarteten Stein ins Wasser wirft. Das ist das Außerordentliche des universitären Lebens und Lernens. Er glaubt, dass es im Seminar nur so lange mit rechten Dingen zugeht, wie auch der Professor von seinen Studenten etwas lernen kann.

Ich kenne Leute, die akademische Titel führen und Gedanken wie diesen als Provokation empfinden. Für mich haben sie an Hochschulen nichts verloren. Habermas formuliert, was universitäres Lernen von noch so guten anderen Ausbildungen unterscheidet. Seine Sätze gelten nicht nur für die Universiät Frankfurt, sie begründen auch, warum eine FH wie unsere sich Hochschule oder University of Applied Sciences nennen kann.

Ein steirischer CTO?

41qcNIjkSeL._SL500_AA240_ Gestern wurde Revoluzzer, der neueste Band der Serie Steiermark Innovation präsentiert. Als Piefke bin ich besonders stolz darauf, dass ich einen Beitrag für diesen Band schreiben durfte, der Erzherzog Johann und seine Nachwirkung kritisch beleuchtet. Ich habe eine Phantasie entwickelt: Was würde ein steirischer Chief Technology Officer unternehmen, um das Land heute so konsequent zu reformieren, wie es der Erzherzog seinerzeit versucht hat. Eine HTML-Version des Beitrags gibt es hier. Dank an Gabriele Russ, die mir für die Herausgeber erlaubt hat, den Beitrag auch im Web zu publizieren.

Ich veröffentliche den Text hier so, wie ich ihn im Februar geschrieben habe. Ich habe lediglich einige Apture-Links hinzugefügt, die ich noch ergänzen möchte. Barack Obama hat inzwischen einen Chief Information Officer berufen, während vorher lange von einem Chief Technology Officer die Rede war.

Einen Chief Technology Officer für die Steiermark

Erzherzog Johann hat sich der Nachwelt als entschlossener Erneuerer und Modernisierer eingeprägt, der in einer rückständigen Region Wege für Industriegesellschaft und bürgerliche Öffentlichkeit bahnte. Als Fürst und auch als Unternehmer trieb er die industrielle Revolution in der Steiermark voran: Der politische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Revoluzzer brach bis hin zu seiner Ehe mit einer Bürgerlichen mit den Voreingenommenheiten und Tabus seiner Zeit. Historiker untersuchen, warum dieses Bild entstanden ist, und welchen Anteil Johann selbst an den Innovationen hatte, die ihm zugeschrieben werden. Mich interessiert hier nicht der historische Erzherzog Johann, sondern die Frage, ob wir uns heute an der Ikone orientieren können, zu der ihn Zeitgenossen und Nachwelt verklärten.

Vorausgesetzt, Fortschritt ließe sich noch verordnen, durch entschlossenes Handeln einer Obrigkeit beschleunigen oder sogar herbeiführen: In welcher Rolle kann man sich einen Menschen vorstellen, der die Steiermark heute entschlossen in die Gegenwart der am meisten entwickelten Regionen oder sogar in die Zukunft katapultieren will? Zu welchen Projekten würde diese Rolle führen? Und in welcher Funktion könnte man die Steiermark am besten umbauen, um sie auf die Umbrüche der unmittelbaren Vergangenheit und der absehbaren Zukunft einzustellen?

Die Frage zu stellen: „Was würde Erzherzog Johann heute tun?“ , wäre dabei wohl zu naiv. Beim besten Willen kann man sich den Erzherzog nicht gut als unseren Zeitgenossen vorstellen. Als Figur des vorletzten Jahrhunderts strahlt er Behäbigkeit aus, auch wenn er im Zeitalter der Revolutionen lebte.

Ohne Naivität lässt sich allerdings wohl keine Zukunftsvision entwickeln. Um einerseits nicht so naiv zu sein, einen „guten Herrscher“ einfach in die Gegenwart zu transportieren, und andererseits genug Naivität zu bewahren, um radikale Alternativen zur steiermärkischen Gegenwart auszumalen, arbeite ich mit einer Fiktion und ersetze die Figur des Erzherzogs durch einen Chief Technology Officer (CTO) der Steiermark. Barack Obama führt diese Funktion, die es bei vielen Firmen gibt, gerade für die Vereinigten Staaten ein und schafft damit ein neuartiges politisches Amt: Nicht einen Minister, der einen Teil der vorhandenen Administration leitet, sondern einen Beauftragten für technischen Wandel.

Der kommende CTO der USA soll sein Land auf die Zukunft vorbereiten, indem er auf allen Ebenen der Politik und der öffentlichen Verwaltung dafür sorgt, dass die Möglichkeiten neuer Technologien ausgeschöpft werden. Auf die hiesigen Verhältnisse übertragen lautet die Frage also: „Was müsste ein CTO der Steiermark tun, damit das Land so gut und so schnell wie möglich in dem Jahrhundert ankommt, in dem es sich der Chronologie nach befindet?“

Ich skizziere hier eine Utopie. Ich beginne ein „längeres Gedankenspiel“. Ich beschäftige mich nicht damit, wie die Ideen, die ich hier formuliere, verwirklicht werden können. Ich gehe aber von der Erfahrung aus, dass gesellschaftliche und technische Entwicklungen oft zu viel radikaleren Veränderungen führen, als sie auch die kühnsten Utopisten antizipieren können. Zu viel Realismus macht blind für die Zukunft.

Fortschritt und Hyperfortschritt

Auch hinsichtlich des Fortschritts nehme ich mir die Freiheit, eine Utopie zu formulieren. Ich setzte voraus, dass die Idee des Fortschritts , die Johann von Österreich für seine Zeit verkörperte, noch aktuell ist. Jeder Fortschritt ist dialektisch; ich beschränke mich auf eine, die positive Seite dieser Dialektik. Mein Ziel ist es, Möglichkeiten zu erkennen und nicht Risiken abzuwägen. Ich frage nur, was ein fiktiver steirischer CTO tun könnte, und nicht, wie ein Regierungsprogramm aussehen müsste.

Allerdings möchte ich auch hier nicht zu naiv sein; der CTO, den ich mir vorstelle, glaubt nicht mehr an eine einsinnigen Fortschritt, also an die lineare Bewegung, die Erzherzog Johann selbst Fortschreiten nannte. Er versteht Fortschritt auch nicht mehr als „Schreiten“, als Vorwärtsgehen in einem überschaubaren, menschlichen Tempo. Für einen CTO, der heute die Steiermark verändern will, hat der Fortschritt andere Eigenschaften. Vielleicht würde er ihn, analog zu „Hypermedium“ und „Hypertext“, als „Hyperfortschritt“ bezeichnen:

  1. Der Fortschritt wird nicht nur schneller, er beschleunigt sich selbst: Der Fortschritt produziert Mittel um Fortschritt zu produzieren – so wie zur Software-Technik die Entwicklung von Techniken gehört, die das Schreiben von Software schneller und effizienter machen. Bei der drahtlosen und der terrestrischen Vernetzung wie bei der Miniaturisierung schafft eine technische Generation die Voraussetzung dafür, dass sie von der nächsten überboten wird: Das Internet via Modem hat die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich das Breitbandinternet durchsetzen konnte, das selbst wieder den Bedarf nach einem noch schnelleren Netz erzeugt.

  2. Die Ergebnisse des Fortschritts lassen sich immer schwerer voraussagen: Je mehr der Fortschritt von der wissenschaftlichen Entwicklung abhängt, desto weniger lässt sich seine Richtung erkennen – es liegt in der Natur wissenschaftlicher Ergebnisse, dass man vorher nicht ausmachen kann, was entdeckt werden wird. Niemand weiß, was in der Gentechnik, der Hirnforschung, dem Quanten-Computing oder der subatomaren Physik in den kommenden Jahrzehnten passieren wird; ziemlich sicher lässt sich aber behaupten, dass die Ergebnisse dieser Disziplinen sehr schnell eingreifende Folgen für Milliarden Menschen haben werden.

  3. Die wechselseitige Abhängigkeit von Entwicklungen auf verschiedenen geografischen, technischen und wirtschaftlichen Gebieten wird immer größer. Eine Region wie die Steiermark wandelt sich zu einer Ansammlung von Knoten in globalen Netzwerken – wobei sich Veränderungen in den globalen Netzen oft schneller und gravierender auswirken als in den lokalen. Diese Abhängigkeit hat als solche positive Folgen: Staaten, die – wie heute die USA und China – wirtschaftlich aneinander gebunden sind, werden kaum Krieg gegeneinander führen; Innovationen lassen sich aus einer wissenschaftlichen Disziplin leicht in andere übertragen. Die Komplexität der Netzwerke ermöglicht andererseits aber zusammen mit der Beschleunigung der Entwicklung auch nichtlineare Prozesse mit katastrophalen Folgen, so die Zerstörung des Klimagleichgewichts der Erde und den Zusammenbruch der globalen Finanzmärkte durch eine Hypothekenkrise in einem Land.

  4. Fortschritt ist mit einem exponentiellen Zuwachs an Daten und ihrer Verknüpfung verbunden. Das vielleicht spektakulärste Beispiel liefert die Humangenetik: In absehbarer Zeit könnte das Genom jedes Menschen in einem Land erschlossen vorliegen – Medizin und Krankheitsprävention werden sich dadurch radikal verändern. Parallel zu den Kapazitäten der Datenerhebung wachsen die Kapazitäten zur Datenentschlüsselung und -verarbeitung: Die Rechner auf der Welt werden vom Prozessor im Mobiltelefon bis zu Großrechnern zu einer Cloud zusammengeschlossen, deren Leistungen überall verfügbar sind.

Wenn diese Hypothesen über den Fortschritt zutreffen, dann braucht die Steiermark mehr als nur einen CTO, um sich auf das wachsende Innovationstempo und den Veränderungsdruck in den kommenden Jahren einzustellen – anders als in den Zeiten des Erzherzog Johann wird dieser Druck aber aus verschiedenen Richtungen erfolgen, und es steht nicht fest, dass sich diese Richtungen dauerhaft miteinander versöhnen lassen.

Das Web als Wissensmedium

Die Stichwörter für das Programm eines steirischen CTO sind „Wissen“ und „Web“. Wissen ist die wichtigste Voraussetzung dafür, mit unterschiedlichen, disruptiven und voneinander abhängigen Fortschritten umzugehen – Wissen verstanden nicht als Informiertheit (die ist nur noch partiell möglich), sondern als Voraussetzung dafür, abgestimmt mit anderen handeln zu können und sich durch weitere Informationen korrigieren zu lassen. Die zentrale Aufgabe des steirischen CTO wird deshalb darin bestehen, Wissenstechnologien für die Region so gut wie möglich nutzbar zu machen.

Als Medium für ein Wissen, dass dem „Hyperfortschritt“ adäquat ist, hat sich in den vergangenen 15 Jahren das World Wide Web entwickelt – zugleich technische Infrastruktur, Kommunikationsinstrument und Organisationsplattform. Das WWW ist ein in Echtzeit arbeitendes System, um Informationen auszutauschen, zu verknüpfen und zu speichern. Das Web revolutioniert sich selbst permanent, ist offen ist für neue oder alternative Strukturierungen des Wissens, lässt sich von jedem Punkt der Erde gleich erreichen, basiert auf Daten und erlaubt es, außerhalb und innerhalb des Web erzeugte Daten weiterzuverarbeiten.

Heute muss ein CTO als radikaler Innovator nicht vor allem die industrielle und landwirtschaftliche Produktion entwickeln wie seinerzeit der Erzherzog Johann. Er wird sich noch mehr als der Erzherzog um das Wissen kümmern, welches die eigentliche Ressource einer Region darstellt. Und wenn er so revolutionär agiert wie der Erzherzog Johann, wird er nicht die überkommenen Strukturen langsam modernisieren, um Schritt mit anderen Regionen zu halten, sondern er wird Strukturen schaffen, die den wichtigsten Forderungen der Gegenwart entsprechen. Er wird also nicht einfach fragen: „Wie können wir die Institutionen verändern, um sie zu erhalten?“, sondern: „Welche Einrichtungen müssen wir ins Leben rufen, um die aktuellen Möglichkeiten zu nutzen?

Das Web macht Information und Wissen von Orten unabhängig. Wissen ist überall und jederzeit verfügbar. Digitale Dokumente und Medien, die an die Stelle der Bücher, Zeitungen und Akten treten, können von jedem Ort aus abgerufen und verändert werden. Vielleicht noch wichtiger: Die Menschen, die Wissen erzeugen, austauschen und weitergeben, stehen im Web über mehrere Kanäle und potenziell permanent miteinander in Verbindung.

Das Ziel des CTOs einer Region besteht darin, den Bewohnern den Zugang zu Wissen und Kultur der Gegenwart und damit zum Web so leicht wie möglich zu machen. Technisch sind Inhalte im Web von jedem Ort auf der Erde aus in derselben Weise erreichbar. Aber die Voraussetzungen für diesen Zugang sind unterschiedlich. Und es gibt große Unterschiede dabei, wie man dieses Wissen fruchtbar macht, wie man es als Region ausnutzt.

Der CTO kann die Steiermark nur dann zu einer Region zu machen, in der alle Möglichkeiten zum Wissensausbau und -austausch genutzt werden, wenn das Land seine eigene Weiterentwicklung wissensbasiert organisiert. Seine Aufgabe lässt sich mit den Schlagwörtern „Information und Offenheit“, „Vernetzung“ und „Integration“ charakterisieren:

Information und Offenheit: Es gilt, dafür zu sorgen, dass alle Entscheidungen in Politik und Verwaltung auf der Basis der bestmöglichen Informationen getroffen werden, dass diese Informationen allen zur Verfügung stehen, und dass die Personen, die betroffen sind und sich am besten auskennen, Entscheidungen vorbereiten.

Vernetzung: Es gilt, dafür zu sorgen, dass das Wissen, das in der Steiermark vorhanden ist und entwickelt wird, miteinander verbunden wird, von den Universitäten bis hin zu den Grundschulen und Kindergärten.

Integration: Es gilt, dem digital divide entgegenzuarbeiten, dafür zu sorgen, dass alle Einwohnerinnen so guten Zugang wie möglich zum Web und den Möglichkeiten haben, die es bietet.

Online-Community Steiermark

Wie kann eine Region, ein österreichisches Bundesland, die Möglichkeiten des Web konsequent ausnutzen? Die zentrale Idee ist einfach: Das Wissen, das in der und über die Region verfügbar ist, auch allen in der Region (und darüber hinaus) zur Verfügung stellen und die Bewohner zugleich eng miteinander vernetzen. Das bedeutet, die Art und Weise, wie das Land regiert und verwaltet wird, zu verändern. Dazu gehört es, die Frage zu stellen, wie man die Verwaltung einer Region organisieren würde, wenn man damit heute beginnen könnte und nicht schon an die überkommene räumliche und hierarchische Struktur gebunden wäre. Wenn es die jetzigen Strukturen in der Landesregierung und der Verwaltung nicht gäbe – würde man sie im Zeitalter des Web so erfinden? Oder hält man nur an ihnen fest, weil man sie gewohnt ist, weil der Einfluss der mit Macht Ausgestatteten von diesen Strukturen abhängt? Auch wenn sich die Details noch nicht absehen lassen: Die Steiermark muss sich im Zeitalter des WWW politisch als Online-Community organisieren und sich an den Regeln orientieren, die sich in den Wissens-Communities des Web herausgebildet und bewährt haben.

Wissen (und Macht) sind in der Steiermark (natürlich nicht nur hier) bisher an den schwierigen und oft exklusiven Zugang zu Personen und Dokumenten gebunden, die physikalisch an einem Ort vorhanden sind – von den Akten der Verwaltung und den damit befassten Personen bis zu den wissenschaftlichen Werken in der Universitätsbibliothek und den Lehrenden an den Hochschulen. Diese alten Strukturen bewahren Elemente, die sich in der österreichischen Tradition in einer spezifischen Weise verfestigt haben: die Macht der Beamten, den Einfluss der Politik, die Scheu vor der Öffentlichkeit, die Verwechslung von Diskussionen mit persönlichen Konflikten und die Hoffnung, dass einem andere Stellungnahmen und Entscheidungen abnehmen.

Über drei Schlüsselgebiete lässt sich eine neue Wissenskultur einführen; vor allem über sie kann ein CTO die Innovationsfähigkeit bei allen anderen Themen beeinflussen: Verwaltung und Politik, Wissen und Bildung und Kommunikation zwischen den Bürgern. Drei Plattformen, drei Netzwerke sollte der CTO anregen und aufbauen – als Organe und Instrumente einer demokratischen und offenen Community im Zeitalter des Web1:

partizipation.steiermark.at : eine Plattform für die Information, Diskussion und Mitbestimmung der Bürger bei allen politischen und Verwaltungsentscheidungen.

wissen.steiermark.at: ein Netzwerk aller Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen, welches das Wissen, das in der Steiermark vorhanden ist, allen Menschen im Land und darüber hinaus im ganzen WWW zugänglich macht.

buergerinnen.steiermark.at: ein Netzwerk, in dem Steirerinnen und Steirer kommunizieren und Projekte entwickeln können.

Diese Netzwerke sind „Web 2.0“-Plattformen. Sie dienen dazu, kollektive Intelligenz zu entwickeln. Sie werden besser, je mehr Menschen sich an ihnen beteiligen.

partizipation.steiermark.at – Politik und Verwaltung

Merkwürdigerweise ist die Revolution, die das Internet bedeutet, an unseren politischen Institutionen – von der Verwaltung bis zu den Parteien – fast spurlos vorübergegangen. Das Internet wird genutzt, aber es wird genutzt, um Dinge zu tun, die man auch ohne Internet getan hat. Die politischen Prozesse haben sich nicht verändert, Entscheidungen werden so gefällt wie bisher. Auch die Schulen und die Universitäten arbeiten noch fast genauso wie in der Zeit vor dem Netz.

Die Steiermark ist formal ein demokratisches Land, das tatsächlich von einer sehr kleinen Gruppe einflussreicher Personen geführt wird. Die Mächtigen haben nicht selten mehrere Ämter, kennen sich oft schon Jahrzehnte aus Netzwerken und sind von Parteien abhängig. Von diesen Parteien ist zumindest eine noch stolz auf ihre bündische Struktur. Politik besteht zu einem nicht geringen Teil darin, seine Klientel mit Mitteln zu versorgen. Wie kurios es ist, dass ein schwarzer Landesrat die schwarzen Gemeinden und ein roter Landesrat die roten Gemeinden versorgt, wird nicht einmal wahrgenommen.

Die Mitglieder der Funktionseliten ertragen nur wenig Konkurrenz. Eine Proporzregelung, die nie ernsthaft in Frage gestellt wird, sorgt dafür, dass sich die Verhältnisse nicht grundlegend ändern.

Neben, hinter und gelegentlich auch über den Politikern regieren Beamte – und oft sind die Politiker selbst Beamte. Beamte und Abhängige mit Parteizugehörigkeit kontrollieren die Landesgesellschaften. Beschreibt man die Strukturen nüchtern und von außen, erkennt man die Geheimgesellschaften archaischer, vormoderner Kulturen wieder.

Charakteristisch sind nicht nur die persönlichen Verpflichtungen und Abhängigkeiten. Zu den bündischen Strukturen gehört auch, dass nur weniges offen diskutiert wird. Die Öffentlichkeit wird gefürchtet, auch wenn nur weniges tatsächlich geheim bleibt.

Die Partizipationsplattform ist nicht nur eine Ergänzung zu den bestehenden Institutionen. Sie ist eine eigene politische Institution zur Information, Diskussion und Entscheidung – was nicht bedeutet, dass auf ihr allein entschieden wird.

Inhalte der Plattform sind alle offenen politischen und administrativen Vorgänge und sämtliche dazu gehörenden Informationen, so weit sie nicht aus Daten- oder Personenschutzgründen vertraulich bleiben müssen. Es gehört zu den Aufgaben des CTO sicherzustellen, dass der Daten- und Personenschutz nicht als Vorwand benutzt wird, um Vorgänge undurchsichtig zu halten.

Auf der Plattform können die Bürgerinnen kommentieren und diskutieren. Sie können – wie in der Wikipedia – zusätzliche Informationen ergänzen und neue Seiten anlegen. Die Bürgerinnen und Bürger kontrollieren über diese Plattform politische Entscheidungen, sie definieren die politische Agenda und sie tauschen die relevanten Informationen aus.

Entscheidungsvorbereitung: Transparenz herzustellen ist hier eine der ersten Aufgaben des CTO, der Transparenz dient vor allem die Partizipationsplattform. Wer was kontrolliert, wer in welchem Gremium sitzt, muss für alle Bürger sofort erkennbar sein. Dazu gehört auch eine Datenbank, welche die Mitgliedschaften und Funktionen aller Personen in öffentlichen Positionen erfasst.

Viel wichtiger aber ist, dass Sachentscheidungen von den Machtspielen einer kleinen Gruppe politisch eingefärbter Funktionäre abgekoppelt werden. Die Bürger, die bezahlen, die Betroffenen, welche die Folgen tragen, und die Fachleute, die über die größte Sachkenntnis verfügen, müssen offen und für alle nachvollziehbar diskutieren können, ob z.B. ein Wasserkraftwerk in den Murauen gebaut wird oder welche Schwerpunkte die landeseigene Fachhochschule haben soll. Der CTO muss mit der Partizipationsplattform die Basis dafür schaffen, dass diese Teilnahme wirklich wird. Dazu gehören Wikis, in denen alle Argumente und Fakten publiziert und besprochen werden können – und die auch Aufschluss darüber geben, welche Interessen die diskutierenden und die entscheidenden Personen vertreten. Soll der CTO damit die repräsentative Demokratie aushebeln? Nein: Entscheidungen müssen nach Regeln getroffen werden, die sicherstellen, dass nicht Zufallsergebnisse zustande kommen. Aber es gibt Möglichkeiten genug, die Entscheidungen vorzubereiten, und es gibt auch Möglichkeiten, einen Konsens zu finden, an dem sich die politischen Entscheider orientieren können – z.B. das Prinzip, dass 90% der registrierten Benutzers eines Wikis eine Formulierung akzeptieren müssen.

Auch jetzt werden Fachleute und Berater beauftragt, Entscheidungen vorzubereiten. Die Öffentlichkeit erfährt aber nur selten bis nie, warum sie ausgewählt werden. Alte Verpflichtungen geben auch hier oft den Ausschlag, nicht selten wird das Ergebnis vereinbart, bevor die Beratung beginnt.

Vorschläge für die politische Agenda: Wikis unterstützen die Entscheidungsfindung bei Problemen, die schon auf der politischen Tagesordnung stehen. Aber welcher Probleme soll sich die Regierung überhaupt vorrangig annehmen? Crowdsourcing -Tools müssen den Bürgern die Stimme und die Macht geben, die Prioritäten der Regierung zu bestimmen. Der amerikanische Präsident erfährt schon heute in einem täglichen Briefing, welche Anliegen die US-Bürger vor allem haben.

Webbasierte Diskussionen und Entscheidungen ersetzen das Parlament nicht. Sie sind die Alternative zum Aktenvorgang und zum Büro bzw. dem Kaffeehaus-Hinterstüberl. In Unternehmen und Instituten haben sie sich längst etabliert.

Projekt- und Forschungsförderung: Forschungsförderung funktioniert im Augenblick zwangsläufig sehr bürokratisch und umständlich. Für die Personen, die entscheiden, ist es sehr schwer zu erkennen, was förderungswürdig ist und was nicht. Wie auf vielen Gebieten der Regierungstätigkeit wäre hier mehr Transparenz hilfreich. Dazu wäre es aber auch nötig, die Vergabe von Mitteln zu beschleunigen und etwa zu arbeiten wie die „Seedcamps“, die Venture-Kapital an innovative Firmen weitergeben. Man bewirbt sich in einem offenen Wettbewerb; Bewerber erhalten Feedback und können Fragen beantworten, Entscheidungen fallen sofort. Sicher ist so etwas nur ganz eingeschränkt auf regionaler Ebene allein möglich; aber schon ein oder zwei Förderprogramme, die so funktionieren, könnten eine wichtige Hilfe darstellen.

wissen.steiermark.at – eine regionale Bildungsplattform

Neben Bio-, Holz- und Autocluster braucht die Steiermark auch einen Hochschul- oder besser: einen Bildungscluster. So wie Erzherzog Johann im Joanneum eine Einrichtung für die Speicherung und den Austausch auf verschiedensten Feldern des Wissens schuf, so lassen sich die Bildungseinrichtungen heute virtuell vernetzen. Die Hochschulen, aber auch die Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und die anderen Bildungseinrichtungen müssen ihre Inhalte online anbieten und sie damit den Steirern – natürlich auch Menschen jenseits der Landesgrenzen – und vor allem den Schülern und Studierenden zur Verfügung stellen, unabhängig davon, welche Ausbildungseinrichtung sie besuchen. Unterschiede sollen nicht eingeebnet werden, sondern das Wissen soll vergrößert werden, indem man mehr miteinander kommuniziert. Öffentliche Vorlesungen – und es können heute alle Vorlesungen öffentlich sein – nutzen nicht nur denen, die ihnen live oder asynchron zuhören, von der Öffentlichkeit dürften auch die Studierenden profitieren, deren Lehrende sich mehr anstrengen werden, wenn ihre Arbeit im Internet publiziert wird.

Die steirischen Hochschulen haben eLearning-communities oder einen virtuellen Campus, aber sie arbeiten dabei bisher nicht zusammen.

wissen.steiermark.at erschließt für jeden, der sich bilden, weiterbilden oder ausbilden will, die Angebote, die es in der Steiermark gibt. Es soll dazu beitragen, dass möglichst viel Wissen, das im Auftrag der Öffentlichkeit erarbeitet wird, auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Auf dieser Plattform sollen alle Lehrinhalte – von Vorlesungen bis zu wissenschaftlichen Arbeiten – verfügbar sein. Integriert sind alle Inhalte von öffentlichen Museen, Sammlungen und Archiven. Wo immer möglich, erlauben Creative Commons-Lizenzen den Bürgern die Nutzung der Inhalte, die von ihnen finanziert werden oder ihnen gehören.

Über die Plattform ist es möglich, Kontakt zu den Lehrenden und Wissenschaftlern aufzunehmen. Es können Gruppen eingerichtet und virtuelle Seminare durchgeführt werden.

Natürlich ist diese Form der Vernetzung als solche ortsunabhängig. Im Internet ist die Karl-Franzens-Universität der FH Joanneum so nahe wie der University of California. Innerhalb der Steiermark können sich aber die virtuelle und die reale Vernetzung ergänzen – es ist leicht, die Menschen zu treffen, denen man im WWW von seinem Rechner aus folgt, und man wird vielen folgen, die man im realen Leben trifft. Die Steiermark hat eine derartige Größe und bei Hochschulen, Gymnasien, HWLs und HTLs eine derartige Stuktur, dass sich die Einrichtungen sehr gut ergänzen können; viele von ihnen sind die einzigen Anbieter ihrer Art.

Der CTO sollte aber nicht nur helfen, Inhalte online erreichbar zu machen, die ohnehin produziert werden – von Vorlesungen bis zu Dissertationen. Er sollte die Schule und Universitäten auch dabei unterstützen, neue, webtypische Formen der Wissensvermittlung zu verwenden, also Blogs, Podcasts, Wikis und soziale Netzwerke.

buergerinnen.steiermark.at – ein soziales Netzwerk für die Region

buergerinnen.steiermark.at vernetzt die Menschen die in der Steiermark wohnen, miteinander. Die Plattform erleichtert es ihnen, mit Menschen in der Region Kontakt aufzunehmen, zu kommunizieren und gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Social networks gehören schon zum Alltag der meisten Jugendlichen; über meinVZ, facebook oder Myspace halten sie mit ihren Freunden Verbindung. Sie tauschen Medien und Informationen aus und bilden Gruppen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen oder einfach nur Spaß zu haben.

Soziale Netze haben ein paar Grundfunktionen:

  1. Man kann Profile in ihnen anlegen.

  2. Man kann Beziehungen in ihnen pflegen Freunde definieren und neue Freunde finden; die Freunde können die Aktivitäten ihrer Freunde verfolgen.

  3. Man kann sich in ihnen organisieren und Gruppen bilden.

Diese Grundfunktionen werden von jedem der vorhandenen sozialen Netze angeboten. Die Zukunft auf diesem Gebiet wird nicht darin bestehen, dass neue oder mehr dieser geschlossenen sozialen Netze entstehen, sondern darin, dass sich diese Netzwerke untereinander verbinden, dass man z.B. auf ein Profil auch in einem anderen sozialen Netz verweisen kann. Eine Aufgabe des steirischen CTOs besteht darin herauszufinden, wie die Menschen in der Region die vorhandenen sozialen Netze verwenden können, um miteinander besser in Kontakt zu kommen, wenn sie es brauchen. Wer in Leoben wohnt und sich für digitale Fotografie interessiert, findet so z.B. Gleichgesinnte in der Obersteiermark.

Ein Bürgerinnennetz ist das digitale Gegenstück zu den Verkehrswegen, die in der Epoche Erzherzog Johanns angelegt worden sind. In diesem Fall geht es aber nicht darum. die Verbindungen selbst herzustellen, denn die sind durch das Internet bereits gegeben. Es geht nicht um die Eisenbahnlinien, sondern um die Züge, die auf ihnen verkehren. Sie müssen die Menschen möglichst einfach in Verbindung mit Menschen in der Region bringen, die ihnen helfen können: Junge Eltern mit potenziellen Babysittern, ältere Leute mit Kindern, die etwas vorgelesen bekommen wollen, Schüler mit Studenten, die ihnen Nachhilfe geben können, Bergwanderer mit Gleichgesinnten, die eine bestimmte Tour machen wollen.

Um eine öffentliche Aufgabe handelt es sich dabei, weil die Verbindung in solchen Netzen enorme Möglichkeiten für die Mitglieder mit sich bringt. Sie haben ähnliche Aufgaben wie die bürgerlichen Vereine des 19. Jahrhunderts, die Erzherzog Johann förderte und für die Modernisierung brauchte. Es geht darum, die Vernetzung attraktiv zu machen und lokal sinnvoll zu nutzen. Vielleicht genügt es dazu, dass entsprechende Gruppen z.B. auf facebook eingerichtet werden, ergänzt durch Applikationen. Vielleicht ist es aber auch nötig, ein eigenes soziales Netzwerk einzurichten, das für Menschen attraktiv ist, die ihre persönlichen Informationen nicht kommerziellen Netzen zur Verfügung stellen wollen. Dieses Netz könnte dann auch weitere Grundfunktionen übernehmen, z.B. die Bereitstellung einer digitalen Identität, mit der man sich überall im Netz anmelden kann.

In diesem steirischen sozialen Netz könnte sich auch das digitale Gegenstück zu Vereinen und Interessenvertretungen entwickeln. Man könnte dort die Informationen und Termine austauschen und virtuelle Treffen abhalten. Es würde sich um eine Kommunikationsplattform für alle Interessen handeln, die nicht unmittelbar politisch sind.

Hier wie auch bei anderen regionalen Netzen ist die Mobilität ein entscheidender Faktor. Ein solches Netzwerk würde wahrscheinlich mehr mit Mobiltelefonen als mit Desktop- und Laptop-Computern genutzt werden. Es würde deshalb auch auf lokale Daten zurückgreifen, also z.B. relevante Personen in der Nähe zeigen.

Kulturwandel

Letztlich wird nicht ein CTO die Steiermark in die Wissensgesellschaft führen. Sicher lässt sich die Steiermark nicht technokratisch ins Web-Zeitalter bringen. Zur Nutzung des Web gehört eine bestimmte Kultur. Sie hat sich im Internet langsam entwickelt. Die Kultur muss sich auch in der Region wandeln, wenn vorhandene Technik die Entwicklung des Landes beschleunigen soll. Der Geist des Web 2.0 muss ein Land erfassen, dessen Mächtige die Geheimnisse lieben – wenn sie sie auch selten wahren. Die wichtigste Aufgabe des CTO wäre gar keine technische. Seine wichtigste Aufgabe bestünde darin, eine Kultur anzuregen, welche die Möglichkeiten einer bereits vorhandenen Technik nutzt.

Der CTO ist also auf das angewiesen, was man „Change Management“ oder „Innovationsmanagement“ nennt. Change Management ist nicht mehr nur auf der Ebene einer Firma oder Organisation erforderlich, sondern auf der Ebene einer ganzen Region.

Integration: Eine der ersten Aufgaben des CTOs muss darin bestehen, so vielen Menschen wie möglich den bestmöglichen Zugang zum Web zu verschaffen. Dabei geht es nicht darum mit anderen Regionen mitzuziehen und nicht hinter anderen zurückzubleiben, sondern anderen voraus zu sein und alle Möglichkeiten des Web zu nutzen.

Media Literacy: Dass viele Menschen sich nur wenig bzw. sehr ungeschickt im Web bewegen, liegt nicht so sehr daran, dass ihnen das Geld für entsprechende Hardware fehlt. Den meisten fehlt das Wissen für den Umgang mit dem Web. Hier, aber nicht nur hier, ist eine Bildungsinitiative nötig. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass der größte Teil der Bevölkerung das Web, und damit überhaupt aktuelle Medien, kompetent nutzt.

Ich habe hier sehr unterschiedliche Gebiete berührt – von der Politik bis zu den Museen. Sie hängen alle miteinander zusammen, weil sie wissensintensiv sind und sich durch Vernetzung radikal verändern können. Überall geht es darum, Offenheit herzustellen und vorhandenes Wissen auszuschöpfen, bzw. das vorhandene Wissen so gut wie möglich zur Geltung kommen zu lassen. Das ist nur durch die Ortsungebundenheit und direkte Zugänglichkeit des Wissens möglich, zu der das Web geführt hat. Experten werden nicht überflüssig, aber die Expertise ist im Web nicht mehr nur die Sache von Fachleuten.

Letztes Update des Texts: 23.2.2009.