Buzz? Buzz!

Habe erst ein wenig mit Google Buzz herumgespielt. Informativ ist die Aufzeichnung des Google Buzz Launch Event, man erfährt einiges darüber, was Google mit Buzz vorhat. Mein erster Eindruck: Buzz ist nach Twitter die erste Microblogging-Plattform mit Aussicht auf einen Massenerfolg. Ich glaube nicht wie Steve Rubel, dass Buzz als Rohrkrepierer endet, dazu hat es sich zu schnell verbreitet, und dazu ist es zu gut mit anderen Google-Diensten integriert. Ich verstehe Buzz nicht vor allem als Alternative zu Twitter. Buzz hat viele ganz andere Features, dafür fehlen ihm wichtige Funktionen von Twitter.

Twitter Buzz
Umfangsbegrenzung ja nein
Threaded Conversations nein ja
Posten an Gruppen nein ja
@-Replies ja ja
Retweeten/Weitersenden ja nein
Hashtags ja nein
Geoinformation optional ja
Automatisiertes Erkennen relevanter Informationen nein ja
Gmail/Google Profile-Integration nein ja

Mein zweiter Eindruck: Buzz ist nicht als Konkurrenz zu Twitter, sondern als Konkurrenz zu Facebook angelegt.

Buzz ist nicht nur eng mit GMail verbunden, sondern auch mit den Google-Profilen. Gmail-Benutzer erhalten mit Buzz einen Activity-Stream, der eher mit Facebook als mit Twitter Ähnlichkeit hat. Anders als Facebook (und Twitter) ist Buzz aber an offenen Standards orientiert (siehe dazu How Google Buzz is Disruptive: Open Data Standards). Mit Buzz, Open Social, GMail, Greader und GTalk hat man via Google fast alle wichtigen Funktionen zur Verfügung, die Facebook anbietet, aber eher als einen Baukasten, dessen Teile man leicht durch andere Teile ersetzen kann.

Mein dritter Eindruck: Buzz macht es noch schwieriger, den eigene Lifestream zu organisieren. Schon vor Buzz musste man sich entscheiden, auf welchen Plattformen man Inhalte erzeugt, und welche man eher zum Sammeln und Abspielen verwendet. Ich benutze selbst Typepad und Twitter zum Schreiben; Diigo, GReader, Posterous und einige andere Tools zum Sammeln und Sharen; Friendfeed, Facebook und soup.io zum Verbreiten. Ich benutze die Tools ähnlich wie Louis Gray, der in The New 2010 Social Media Data Flow, With Buzz in einer Grafik zeigt, wie er seinen Activity- oder Lifestream organisiert:

Ich werde Buzz auch zum Sammeln und Verbreiten verwenden, hoffe aber, dass sich dort auch Unterhaltungen entwickeln, und die werden außerhalb von Buzz, also z.B. bei Facebook und Friendfeed, vorerst nicht zu verfolgen sein. Das Problem, wie man Kommentare jenseits von Daten-Silos verfügbar macht, ist nicht gelöst; Buzz soll in absehbarer Zeit das Salmon Protocol unterstützen.

Vierter Eindruck: Spätestens mit Buzz etabliert sich eine eigene, webtypische Art asynchronen dialogischen Schreibens. Es gibt verschiedene unscharfe Bezeichnungen für dieses “Genre”: Microblogging, Activity Streams, vielleicht auch einfach Twittern. Es handelt sich um Schreibweisen mit offenen Grenzen zu Blogs auf der einen Seite und zum Instant Messaging auf der anderen Seite. Im Gegensatz zum Email sind sie hypertextuell, tenedenziell öffentlich und an URLs gebunden. Bisher werden diese Schreibformen meist mit den Plattformen, z.B. Twitter oder Facebook, identifiziert, auf denen man sie ausüben kann. Je mehr solcher Plattformen aber existieren, desto mehr wird sichtbar, dass es sich hier um etwas wie eine eigene Textsorte handelt, die an die hypermediale Umgebung des Webs gebunden ist.