In den letzten Wochen habe ich öfter über Linkjournalismus geschrieben. Der Ausdruck meint eine Methode — berichte, wo du dich auskennst, und linke auf den Rest! — und eine Haltung: verwende die Informationen, die du und deine Leser brauchen, und verweise auf ihre Urheber, auch wenn es deine Konkurrenten sind. Über Apture schreibe ich zugleich begeistert und skeptisch: Apture bietet enorme neue Möglichkeiten für den Linkjournalismus, kann aber auch benutzt werden, um die walled gardens der überkommenen Verlage vor den Stürmen des Webs und des Markts zu schützen.

Mit Apture kann eine Autorin einen Text einfach und wirkungsvoll mit Rich Media (Text, Bild, Audio, Video) ausstatten. Die Medien erscheinen in Popup-Fenstern, wenn der Benutzer mit ihnen verlinkte Textstellen überfährt. Sie stammen aus einem Pool aus frei zugänglichem Material, proprietäre Medien können hinzukommen.

Apture bei der BBC und der Washington Post

Die BBC hat Apture im Sommer auf ihrer News-Site getestet. Im Augenblick wird diskutiert, wie man weiter vorgehen will, und wie überhaupt auf den BBC-Seiten mit Links umgegangen werden soll. Am 8. Dezember gab die Washington Post bekannt, dass sie mit Apture zusammenarbeitet; sie will damit

offer readers a highly engaging way to view political data, congressional records, video, news and abstracts within a single washingtonpost.com browser experience. In addition, washingtonpost.com will make this data and content available to any blog or Web site that uses the Apture publishing platform [MarketWatch; dazu Only open news is good news – CNET News].

Andere Seiten, die Apture verwenden, können über die Washington Post auf dieselben Inhalte zugreifen.

Lawrence Lessig übernimmt in seinem Blog das Video, das zeigt, wir die Washington-Post mit Apture über den US-Kongress informiert. Es ist eine gute Einführung in die Technologie und ihre Möglichkeiten:

Ein Layer für Medien

Apture kommt den Bedürfnissen der Benutzerinnen wie der Autoren so sehr entgegen, dass man öfter leise wow sagt, wenn man es kennen lernt. Der Benutzer kann die Fenster vergrößern und verkleinern, er kann Serien von Medien durchblättern, zu bestimmten Stellen in Audios und Videos springen oder sich das Inhaltsverzeichnis eines Wikipedia-Artikels anzeigen lassen. Die Autorin installiert lediglich ein kleines JavaScript-Fragment — etwa als unsichtbares Widget in einem Weblog. Dann muss sie nur ein Wort markieren, und es erscheint ein Auswahlmenü für Medien. Apture durchsucht und verwendet Medien, die unter Creative Commons lizensiert sind. Eigene PDF-Dokumente kann man über Scribd hinzufügen. Man kann einen Text mit einer ausführlichen Dokumentation ausstatten, indem man auf mehrere Inhalte zugleich verweist. Bemerkenswert und so wohl einmalig: Apture-Authoring findet am fertigen Text außerhalb eines Content Management Systems statt. Da Apture ein eigenes Layer bildet, kann man seine Texte zur wikiartigen Bearbeitung durch andere Apture-Benutzer freigeben.

Die für mich beste Beschreibung der Möglichkeiten Aptures stammt von Ben Metcalfe, der zu Aptures board of advisors gehört. Wie Apture funktioniert, erfährt man im Apture Wiki. Allerdings gibt es dort nur wenig technische Informationen. Robin Good führt gründlich in Apture ein

Man kann Apture an- und abschalten, die Texte selbst werden durch Apture nicht verändert, sie erhalten lediglich ein zusätzliches Layer. Das erlaubt es, sie so anzulegen, dass sie auch ohne die Ergänzung durch Apture funktionieren — ein Muss unter Usability- und Accessibility-Gesichtspunkten. (Unter dieser Perspektive beschäftige ich mich hier nicht mit Apture, sie spielt wohl bei der Diskussion in der BBC eine wichtige Rolle.) Die Apture-Links können dynamisch sein und auf Material verweisen, das jeweils aktuell gesucht wird.

Hoffnung für Verleger?

Apture lässt sich mit jedem gängigen Blogging-Tool zusammen verwenden. Entworfen wurde es sowohl für Bloggerinnen wie für Verlage. Blogger müssen für Apture nichts bezahlen; Apture will Geld verdienen, indem es an den Werbeerlösen von Publikationen beteiligt wird, die Apture verwenden. Für Verlage ist an Apture attraktiv — und das ist eine seiner problematischen Seiten — dass die User auf den mit Medien ausgestatteten Seiten bleiben und nicht durch Links zu anderen Angeboten geschickt werden. Das Apture-Marketing nährt den Pfeifentraum der Medienhäuser, alle Inhalte aus einer Hand anzubieten. Die Praxis wird zeigen, ob Apture die Vernetzung und damit den Linkjournalismus unterstützen wird oder das Abschotten von Inhalten.

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