Eszter Hargittai und Keith Hampton: Facebook ist nicht schuld an Trump

In meinem letzten Post habe ich den Artikel Stop blaming Facebook for Trump’s election win zitiert, über den ich eigentlich schon bloggen wollte, als er erschienen ist. In diesem Artikel beschreiben eine Medienwissenschaftlerin und ein Medienwissenschaftler Faktoren, die zur Wahl von Donald Trump geführt haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass man Facebook und Twitter auf gar keinen Fall die Schuld am Sieg Trumps geben kann. Der Artikel enthält sehr viele interessante Punkte und Links zu Forschungsarbeiten, die populäre Mythen über das Netz in Frage stellen. Über die Websites von Eszter Hargittai und Keith Hampton findet man mehr und neueres Material.

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Toxic? Social Media sind nicht die Schuldigen am rechten Hass

Ich habe gestern etwas über die Spaltung in den westlichen Gesellschaften notiert: Auf der einen Seite die, die schon mehr oder weniger in der postindustriellen Gesellschaft leben, und auf der anderen Seite die, die in den geschlossenen Nationalstaaten des 20. Jahrhunderts leben wollen. Wenn die Situation heute Ähnlichkeit mit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hat, dann vielleicht am ehesten deshalb: Auch damals sind große Teile der Bevölkerung nicht mitgekommen oder nicht mitgenommen worden und haben auf rückwärtsgewandte und scheinbar starke Führungsfiguren mit grotesken Ideologien vertraut. Ich will damit nicht sagen, dass ich die Veränderungen in der Gegenwart als linearen Fortschritt interpretiere. Ich benutze auch den Ausdruck Gesellschaft nur näherungsweise.

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Identitätspolitik als Constraint

The Problem with Facebook Is Facebook

Ich habe in der letzten Woche dieses lange Interview mit Siva Vaidhyanathan gelesen. Bei vielen Punkten möchte ich gerne eine skeptische Position beziehen und sagen: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob Facebook tatsächlich Filterblasen verstärkt. Ich bin nicht sicher, ob man Facebook regulieren sollte. Aber bei einem Punkt trifft Vaidhyanathan ins Schwarze: Wenn er feststellt, dass Facebook politische Diskussion und Identität eng aneinander knüpft.

Even if Facebook were more transparent, it’s the worst possible place to perform our politics, because it amplifies our tendency to see our political opinions as deeply tied to our identities.

Vielleicht müsste die Kritik der politischen Kommunikation auf Facebook hier ansetzen, bei der Identitätspolitik, die Facebook seinen Usern aufzwingt, die zu den constraints gehört, ohne die Facebook nicht funktionieren würde. Facebook ordnet jedes Thema den Personen unter, die kommunizieren—intern für sich selbst, weil es diese Information benutzt, um Profile zu konstruieren, und in der Kommunikation mit anderen, die jeden Beitrag bezogen auf ein Profil wahrnehmen. Es gibt eine natürliche Affinität der Identitätspolitik der Rechten zu dieser Bindung von Botschaften an Profile, eine Art eingebauten Tribalismus. Je wichtiger die Funktion meiner Botschaften dafür wird, meine Position in meinem sozialen Netzwerk, meine Identität zu bestimmen, desto bedeutungsloser wird ihr Inhalt, desto mehr werden sie zu bloßen Meinungsäußerungen.

Eine Entdeckung: Philippe Descolas Buch “La composition des mondes”

Seit gut zwei Wochen mache ich Urlaub in Frankreich. In der ersten Woche habe ich in Paris zum ersten Mal seit fast 40 Jahren bei Gibert Jeune wieder die Regale für Humanwissenschaften gescannt. Gekauft habe ich mir schließlich La composition des mondes von Philippe Descola.
Cover von Philippe Descolas 'La composition des mondes'
Cover von Philippe Descolas ‘La composition des mondes’
Das Buch führt in Gesprächsform in das Werk Descolas ein. Der Gesprächspartner Pierre Charbonnier greift dabei nur als Stichwortgeber in den Gesprächsverlauf ein. Der Text ist so genau redigiert, dass sich einige Passagen fast wõrtlich in einem Aufsatz Descolas über sein Verhältnis zu seinem Lehrer Claude Lévi-Strauss und zum Strukturalismus wiederfinden. Weiterlesen Eine Entdeckung: Philippe Descolas Buch “La composition des mondes”

“Change the Game”: zu einfache Diagnose, zu simple Therapie

Corinna Milborn und Markus Breitenecker stützen ihre Argumentationen in Change the Game auf Beschreibungen sozialer und medialer Krisensymptome. Die Autoren schildern, wie Menschen auf Facebook persönlich verunglimpft und bis in den Tod getrieben werden, sie stellen dar, wie Fake News verbreitet werden, sie diskutieren Filterblasen und gehen darauf ein, dass Medien wie Facebook und YouTube Suchtcharakter haben, weil sie daraufhin optimiert wurden, die Userinnen und User so lange wie möglich zu fesseln. Milborn und Breitenecker machen zugleich deutlich, wie schwierig es für Medien mit herkömmlichen Geschäftsmodellen ist, in der von Facebook und Google geprägten Werbewelt zu überleben.

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Tim Berners-Lee zu Re-Dezentralisierung des Web—und was das mit dem Studiengang Content-Strategie zu tun hat

Ich habe mir heute den Vortrag zur Re-Dezentralisierung des Web angesehen, den Tim Berners-Lee gestern gehalten hat. Ironischerweise ist er im Moment wohl nur bei Facebook zu sehen, und gebrandet ist er mit Elsevier, also dem Namen eines Verlags, der gut davon lebt, mit öffentlichen Geldern finanzierte Inhalte privat zu vermarkten.

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Der neue Facebook-Newsfeed – eine Schutzzone in der Social Media-Krise

Ich habe in den letzten Tagen einige Artikel zu dem Plan Facebooks gelesen, den Newsfeed radikal zu verändern und ganz auf die Interaktion mit Freunden und Verwandten auszurichten. Bei den deutschsprachigen Posts habe ich den Eindruck, dass die meisten eine Business-as-usual-Haltung einnehmen und davon ausgehen, dass Facebook den Newsfeed weiter in einer Richtung entwickeln wird, die sich schon bei den letzten Veränderungen des Newsfeed-Algorithmus angekündigt hat: Weiterlesen Der neue Facebook-Newsfeed – eine Schutzzone in der Social Media-Krise

Social Media und buddhistische Ökonomie

Silvester habe ich mich für eine Woche vom Internet getrennt, und das heißt für mich vor allem: Ich habe auf die Nutzung von sozialen Medien verzichtet.

Ich bin nicht zu einem Social Media-Verweigerer geworden. Aber diese Woche hat mich in der Entschlossenheit bestärkt, mit sozialen Medien und Inhalten im Web anders umzugehen: ihre Nutzung auf ein Minimum zu beschränken, statt so viel wie möglich zu konsumieren. Im Dezember bin ich auf E.F. Schumachers Idee einer buddhistischen Ökonomie gestoßen. Weiterlesen Social Media und buddhistische Ökonomie

Preparing for Alpbach: What I want to know about social media

From Friday on Mercedes Bunz and me will chair a course on Social Media at the European Forum Alpbach. The topic is extremely broad-ranging, we will focus on networked publics and the impact of digital media and digitization on society.

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