Erzherzog Johann hat sich der Nachwelt als entschlossener Erneuerer und Modernisierer eingeprägt, der in einer rückständigen Region Wege für Industriegesellschaft und bürgerliche Öffentlichkeit bahnte. Als Fürst und auch als Unternehmer trieb er die industrielle Revolution in der Steiermark voran: Der politische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Revoluzzer brach bis hin zu seiner Ehe mit einer Bürgerlichen mit den Voreingenommenheiten und Tabus seiner Zeit. Historiker untersuchen, warum dieses Bild entstanden ist, und welchen Anteil Johann selbst an den Innovationen hatte, die ihm zugeschrieben werden. Mich interessiert hier nicht der historische Erzherzog Johann, sondern die Frage, ob wir uns heute an der Ikone orientieren können, zu der ihn Zeitgenossen und Nachwelt verklärten.

Vorausgesetzt, Fortschritt ließe sich noch verordnen, durch entschlossenes Handeln einer Obrigkeit beschleunigen oder sogar herbeiführen: In welcher Rolle kann man sich einen Menschen vorstellen, der die Steiermark heute entschlossen in die Gegenwart der am meisten entwickelten Regionen oder sogar in die Zukunft katapultieren will? Zu welchen Projekten würde diese Rolle führen? Und in welcher Funktion könnte man die Steiermark am besten umbauen, um sie auf die Umbrüche der unmittelbaren Vergangenheit und der absehbaren Zukunft einzustellen?

Die Frage zu stellen: „Was würde Erzherzog Johann heute tun?“ , wäre dabei wohl zu naiv. Beim besten Willen kann man sich den Erzherzog nicht gut als unseren Zeitgenossen vorstellen. Als Figur des vorletzten Jahrhunderts strahlt er Behäbigkeit aus, auch wenn er im Zeitalter der Revolutionen lebte.

Ohne Naivität lässt sich allerdings wohl keine Zukunftsvision entwickeln. Um einerseits nicht so naiv zu sein, einen „guten Herrscher“ einfach in die Gegenwart zu transportieren, und andererseits genug Naivität zu bewahren, um radikale Alternativen zur steiermärkischen Gegenwart auszumalen, arbeite ich mit einer Fiktion und ersetze die Figur des Erzherzogs durch einen Chief Technology Officer (CTO) der Steiermark. Barack Obama führt diese Funktion, die es bei vielen Firmen gibt, gerade für die Vereinigten Staaten ein und schafft damit ein neuartiges politisches Amt: Nicht einen Minister, der einen Teil der vorhandenen Administration leitet, sondern einen Beauftragten für technischen Wandel.

Der kommende CTO der USA soll sein Land auf die Zukunft vorbereiten, indem er auf allen Ebenen der Politik und der öffentlichen Verwaltung dafür sorgt, dass die Möglichkeiten neuer Technologien ausgeschöpft werden. Auf die hiesigen Verhältnisse übertragen lautet die Frage also: „Was müsste ein CTO der Steiermark tun, damit das Land so gut und so schnell wie möglich in dem Jahrhundert ankommt, in dem es sich der Chronologie nach befindet?“

Ich skizziere hier eine Utopie. Ich beginne ein „längeres Gedankenspiel“. Ich beschäftige mich nicht damit, wie die Ideen, die ich hier formuliere, verwirklicht werden können. Ich gehe aber von der Erfahrung aus, dass gesellschaftliche und technische Entwicklungen oft zu viel radikaleren Veränderungen führen, als sie auch die kühnsten Utopisten antizipieren können. Zu viel Realismus macht blind für die Zukunft.

Fortschritt und Hyperfortschritt

Auch hinsichtlich des Fortschritts nehme ich mir die Freiheit, eine Utopie zu formulieren. Ich setzte voraus, dass die Idee des Fortschritts , die Johann von Österreich für seine Zeit verkörperte, noch aktuell ist. Jeder Fortschritt ist dialektisch; ich beschränke mich auf eine, die positive Seite dieser Dialektik. Mein Ziel ist es, Möglichkeiten zu erkennen und nicht Risiken abzuwägen. Ich frage nur, was ein fiktiver steirischer CTO tun könnte, und nicht, wie ein Regierungsprogramm aussehen müsste.

Allerdings möchte ich auch hier nicht zu naiv sein; der CTO, den ich mir vorstelle, glaubt nicht mehr an eine einsinnigen Fortschritt, also an die lineare Bewegung, die Erzherzog Johann selbst Fortschreiten nannte. Er versteht Fortschritt auch nicht mehr als „Schreiten“, als Vorwärtsgehen in einem überschaubaren, menschlichen Tempo. Für einen CTO, der heute die Steiermark verändern will, hat der Fortschritt andere Eigenschaften. Vielleicht würde er ihn, analog zu „Hypermedium“ und „Hypertext“, als „Hyperfortschritt“ bezeichnen:

  1. Der Fortschritt wird nicht nur schneller, er beschleunigt sich selbst: Der Fortschritt produziert Mittel um Fortschritt zu produzieren – so wie zur Software-Technik die Entwicklung von Techniken gehört, die das Schreiben von Software schneller und effizienter machen. Bei der drahtlosen und der terrestrischen Vernetzung wie bei der Miniaturisierung schafft eine technische Generation die Voraussetzung dafür, dass sie von der nächsten überboten wird: Das Internet via Modem hat die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich das Breitbandinternet durchsetzen konnte, das selbst wieder den Bedarf nach einem noch schnelleren Netz erzeugt.

  2. Die Ergebnisse des Fortschritts lassen sich immer schwerer voraussagen: Je mehr der Fortschritt von der wissenschaftlichen Entwicklung abhängt, desto weniger lässt sich seine Richtung erkennen – es liegt in der Natur wissenschaftlicher Ergebnisse, dass man vorher nicht ausmachen kann, was entdeckt werden wird. Niemand weiß, was in der Gentechnik, der Hirnforschung, dem Quanten-Computing oder der subatomaren Physik in den kommenden Jahrzehnten passieren wird; ziemlich sicher lässt sich aber behaupten, dass die Ergebnisse dieser Disziplinen sehr schnell eingreifende Folgen für Milliarden Menschen haben werden.

  3. Die wechselseitige Abhängigkeit von Entwicklungen auf verschiedenen geografischen, technischen und wirtschaftlichen Gebieten wird immer größer. Eine Region wie die Steiermark wandelt sich zu einer Ansammlung von Knoten in globalen Netzwerken – wobei sich Veränderungen in den globalen Netzen oft schneller und gravierender auswirken als in den lokalen. Diese Abhängigkeit hat als solche positive Folgen: Staaten, die – wie heute die USA und China – wirtschaftlich aneinander gebunden sind, werden kaum Krieg gegeneinander führen; Innovationen lassen sich aus einer wissenschaftlichen Disziplin leicht in andere übertragen. Die Komplexität der Netzwerke ermöglicht andererseits aber zusammen mit der Beschleunigung der Entwicklung auch nichtlineare Prozesse mit katastrophalen Folgen, so die Zerstörung des Klimagleichgewichts der Erde und den Zusammenbruch der globalen Finanzmärkte durch eine Hypothekenkrise in einem Land.

  4. Fortschritt ist mit einem exponentiellen Zuwachs an Daten und ihrer Verknüpfung verbunden. Das vielleicht spektakulärste Beispiel liefert die Humangenetik: In absehbarer Zeit könnte das Genom jedes Menschen in einem Land erschlossen vorliegen – Medizin und Krankheitsprävention werden sich dadurch radikal verändern. Parallel zu den Kapazitäten der Datenerhebung wachsen die Kapazitäten zur Datenentschlüsselung und -verarbeitung: Die Rechner auf der Welt werden vom Prozessor im Mobiltelefon bis zu Großrechnern zu einer Cloud zusammengeschlossen, deren Leistungen überall verfügbar sind.

Wenn diese Hypothesen über den Fortschritt zutreffen, dann braucht die Steiermark mehr als nur einen CTO, um sich auf das wachsende Innovationstempo und den Veränderungsdruck in den kommenden Jahren einzustellen – anders als in den Zeiten des Erzherzog Johann wird dieser Druck aber aus verschiedenen Richtungen erfolgen, und es steht nicht fest, dass sich diese Richtungen dauerhaft miteinander versöhnen lassen.

Das Web als Wissensmedium

Die Stichwörter für das Programm eines steirischen CTO sind „Wissen“ und „Web“. Wissen ist die wichtigste Voraussetzung dafür, mit unterschiedlichen, disruptiven und voneinander abhängigen Fortschritten umzugehen – Wissen verstanden nicht als Informiertheit (die ist nur noch partiell möglich), sondern als Voraussetzung dafür, abgestimmt mit anderen handeln zu können und sich durch weitere Informationen korrigieren zu lassen. Die zentrale Aufgabe des steirischen CTO wird deshalb darin bestehen, Wissenstechnologien für die Region so gut wie möglich nutzbar zu machen.

Als Medium für ein Wissen, dass dem „Hyperfortschritt“ adäquat ist, hat sich in den vergangenen 15 Jahren das World Wide Web entwickelt – zugleich technische Infrastruktur, Kommunikationsinstrument und Organisationsplattform. Das WWW ist ein in Echtzeit arbeitendes System, um Informationen auszutauschen, zu verknüpfen und zu speichern. Das Web revolutioniert sich selbst permanent, ist offen ist für neue oder alternative Strukturierungen des Wissens, lässt sich von jedem Punkt der Erde gleich erreichen, basiert auf Daten und erlaubt es, außerhalb und innerhalb des Web erzeugte Daten weiterzuverarbeiten.

Heute muss ein CTO als radikaler Innovator nicht vor allem die industrielle und landwirtschaftliche Produktion entwickeln wie seinerzeit der Erzherzog Johann. Er wird sich noch mehr als der Erzherzog um das Wissen kümmern, welches die eigentliche Ressource einer Region darstellt. Und wenn er so revolutionär agiert wie der Erzherzog Johann, wird er nicht die überkommenen Strukturen langsam modernisieren, um Schritt mit anderen Regionen zu halten, sondern er wird Strukturen schaffen, die den wichtigsten Forderungen der Gegenwart entsprechen. Er wird also nicht einfach fragen: „Wie können wir die Institutionen verändern, um sie zu erhalten?“, sondern: „Welche Einrichtungen müssen wir ins Leben rufen, um die aktuellen Möglichkeiten zu nutzen?

Das Web macht Information und Wissen von Orten unabhängig. Wissen ist überall und jederzeit verfügbar. Digitale Dokumente und Medien, die an die Stelle der Bücher, Zeitungen und Akten treten, können von jedem Ort aus abgerufen und verändert werden. Vielleicht noch wichtiger: Die Menschen, die Wissen erzeugen, austauschen und weitergeben, stehen im Web über mehrere Kanäle und potenziell permanent miteinander in Verbindung.

Das Ziel des CTOs einer Region besteht darin, den Bewohnern den Zugang zu Wissen und Kultur der Gegenwart und damit zum Web so leicht wie möglich zu machen. Technisch sind Inhalte im Web von jedem Ort auf der Erde aus in derselben Weise erreichbar. Aber die Voraussetzungen für diesen Zugang sind unterschiedlich. Und es gibt große Unterschiede dabei, wie man dieses Wissen fruchtbar macht, wie man es als Region ausnutzt.

Der CTO kann die Steiermark nur dann zu einer Region zu machen, in der alle Möglichkeiten zum Wissensausbau und -austausch genutzt werden, wenn das Land seine eigene Weiterentwicklung wissensbasiert organisiert. Seine Aufgabe lässt sich mit den Schlagwörtern „Information und Offenheit“, „Vernetzung“ und „Integration“ charakterisieren:

Information und Offenheit: Es gilt, dafür zu sorgen, dass alle Entscheidungen in Politik und Verwaltung auf der Basis der bestmöglichen Informationen getroffen werden, dass diese Informationen allen zur Verfügung stehen, und dass die Personen, die betroffen sind und sich am besten auskennen, Entscheidungen vorbereiten.

Vernetzung: Es gilt, dafür zu sorgen, dass das Wissen, das in der Steiermark vorhanden ist und entwickelt wird, miteinander verbunden wird, von den Universitäten bis hin zu den Grundschulen und Kindergärten.

Integration: Es gilt, dem digital divide entgegenzuarbeiten, dafür zu sorgen, dass alle Einwohnerinnen so guten Zugang wie möglich zum Web und den Möglichkeiten haben, die es bietet.

Online-Community Steiermark

Wie kann eine Region, ein österreichisches Bundesland, die Möglichkeiten des Web konsequent ausnutzen? Die zentrale Idee ist einfach: Das Wissen, das in der und über die Region verfügbar ist, auch allen in der Region (und darüber hinaus) zur Verfügung stellen und die Bewohner zugleich eng miteinander vernetzen. Das bedeutet, die Art und Weise, wie das Land regiert und verwaltet wird, zu verändern. Dazu gehört es, die Frage zu stellen, wie man die Verwaltung einer Region organisieren würde, wenn man damit heute beginnen könnte und nicht schon an die überkommene räumliche und hierarchische Struktur gebunden wäre. Wenn es die jetzigen Strukturen in der Landesregierung und der Verwaltung nicht gäbe – würde man sie im Zeitalter des Web so erfinden? Oder hält man nur an ihnen fest, weil man sie gewohnt ist, weil der Einfluss der mit Macht Ausgestatteten von diesen Strukturen abhängt? Auch wenn sich die Details noch nicht absehen lassen: Die Steiermark muss sich im Zeitalter des WWW politisch als Online-Community organisieren und sich an den Regeln orientieren, die sich in den Wissens-Communities des Web herausgebildet und bewährt haben.

Wissen (und Macht) sind in der Steiermark (natürlich nicht nur hier) bisher an den schwierigen und oft exklusiven Zugang zu Personen und Dokumenten gebunden, die physikalisch an einem Ort vorhanden sind – von den Akten der Verwaltung und den damit befassten Personen bis zu den wissenschaftlichen Werken in der Universitätsbibliothek und den Lehrenden an den Hochschulen. Diese alten Strukturen bewahren Elemente, die sich in der österreichischen Tradition in einer spezifischen Weise verfestigt haben: die Macht der Beamten, den Einfluss der Politik, die Scheu vor der Öffentlichkeit, die Verwechslung von Diskussionen mit persönlichen Konflikten und die Hoffnung, dass einem andere Stellungnahmen und Entscheidungen abnehmen.

Über drei Schlüsselgebiete lässt sich eine neue Wissenskultur einführen; vor allem über sie kann ein CTO die Innovationsfähigkeit bei allen anderen Themen beeinflussen: Verwaltung und Politik, Wissen und Bildung und Kommunikation zwischen den Bürgern. Drei Plattformen, drei Netzwerke sollte der CTO anregen und aufbauen – als Organe und Instrumente einer demokratischen und offenen Community im Zeitalter des Web1:

partizipation.steiermark.at : eine Plattform für die Information, Diskussion und Mitbestimmung der Bürger bei allen politischen und Verwaltungsentscheidungen.

wissen.steiermark.at: ein Netzwerk aller Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen, welches das Wissen, das in der Steiermark vorhanden ist, allen Menschen im Land und darüber hinaus im ganzen WWW zugänglich macht.

buergerinnen.steiermark.at: ein Netzwerk, in dem Steirerinnen und Steirer kommunizieren und Projekte entwickeln können.

Diese Netzwerke sind „Web 2.0“-Plattformen. Sie dienen dazu, kollektive Intelligenz zu entwickeln. Sie werden besser, je mehr Menschen sich an ihnen beteiligen.

partizipation.steiermark.at – Politik und Verwaltung

Merkwürdigerweise ist die Revolution, die das Internet bedeutet, an unseren politischen Institutionen – von der Verwaltung bis zu den Parteien – fast spurlos vorübergegangen. Das Internet wird genutzt, aber es wird genutzt, um Dinge zu tun, die man auch ohne Internet getan hat. Die politischen Prozesse haben sich nicht verändert, Entscheidungen werden so gefällt wie bisher. Auch die Schulen und die Universitäten arbeiten noch fast genauso wie in der Zeit vor dem Netz.

Die Steiermark ist formal ein demokratisches Land, das tatsächlich von einer sehr kleinen Gruppe einflussreicher Personen geführt wird. Die Mächtigen haben nicht selten mehrere Ämter, kennen sich oft schon Jahrzehnte aus Netzwerken und sind von Parteien abhängig. Von diesen Parteien ist zumindest eine noch stolz auf ihre bündische Struktur. Politik besteht zu einem nicht geringen Teil darin, seine Klientel mit Mitteln zu versorgen. Wie kurios es ist, dass ein schwarzer Landesrat die schwarzen Gemeinden und ein roter Landesrat die roten Gemeinden versorgt, wird nicht einmal wahrgenommen.

Die Mitglieder der Funktionseliten ertragen nur wenig Konkurrenz. Eine Proporzregelung, die nie ernsthaft in Frage gestellt wird, sorgt dafür, dass sich die Verhältnisse nicht grundlegend ändern.

Neben, hinter und gelegentlich auch über den Politikern regieren Beamte – und oft sind die Politiker selbst Beamte. Beamte und Abhängige mit Parteizugehörigkeit kontrollieren die Landesgesellschaften. Beschreibt man die Strukturen nüchtern und von außen, erkennt man die Geheimgesellschaften archaischer, vormoderner Kulturen wieder.

Charakteristisch sind nicht nur die persönlichen Verpflichtungen und Abhängigkeiten. Zu den bündischen Strukturen gehört auch, dass nur weniges offen diskutiert wird. Die Öffentlichkeit wird gefürchtet, auch wenn nur weniges tatsächlich geheim bleibt.

Die Partizipationsplattform ist nicht nur eine Ergänzung zu den bestehenden Institutionen. Sie ist eine eigene politische Institution zur Information, Diskussion und Entscheidung – was nicht bedeutet, dass auf ihr allein entschieden wird.

Inhalte der Plattform sind alle offenen politischen und administrativen Vorgänge und sämtliche dazu gehörenden Informationen, so weit sie nicht aus Daten- oder Personenschutzgründen vertraulich bleiben müssen. Es gehört zu den Aufgaben des CTO sicherzustellen, dass der Daten- und Personenschutz nicht als Vorwand benutzt wird, um Vorgänge undurchsichtig zu halten.

Auf der Plattform können die Bürgerinnen kommentieren und diskutieren. Sie können – wie in der Wikipedia – zusätzliche Informationen ergänzen und neue Seiten anlegen. Die Bürgerinnen und Bürger kontrollieren über diese Plattform politische Entscheidungen, sie definieren die politische Agenda und sie tauschen die relevanten Informationen aus.

Entscheidungsvorbereitung: Transparenz herzustellen ist hier eine der ersten Aufgaben des CTO, der Transparenz dient vor allem die Partizipationsplattform. Wer was kontrolliert, wer in welchem Gremium sitzt, muss für alle Bürger sofort erkennbar sein. Dazu gehört auch eine Datenbank, welche die Mitgliedschaften und Funktionen aller Personen in öffentlichen Positionen erfasst.

Viel wichtiger aber ist, dass Sachentscheidungen von den Machtspielen einer kleinen Gruppe politisch eingefärbter Funktionäre abgekoppelt werden. Die Bürger, die bezahlen, die Betroffenen, welche die Folgen tragen, und die Fachleute, die über die größte Sachkenntnis verfügen, müssen offen und für alle nachvollziehbar diskutieren können, ob z.B. ein Wasserkraftwerk in den Murauen gebaut wird oder welche Schwerpunkte die landeseigene Fachhochschule haben soll. Der CTO muss mit der Partizipationsplattform die Basis dafür schaffen, dass diese Teilnahme wirklich wird. Dazu gehören Wikis, in denen alle Argumente und Fakten publiziert und besprochen werden können – und die auch Aufschluss darüber geben, welche Interessen die diskutierenden und die entscheidenden Personen vertreten. Soll der CTO damit die repräsentative Demokratie aushebeln? Nein: Entscheidungen müssen nach Regeln getroffen werden, die sicherstellen, dass nicht Zufallsergebnisse zustande kommen. Aber es gibt Möglichkeiten genug, die Entscheidungen vorzubereiten, und es gibt auch Möglichkeiten, einen Konsens zu finden, an dem sich die politischen Entscheider orientieren können – z.B. das Prinzip, dass 90% der registrierten Benutzers eines Wikis eine Formulierung akzeptieren müssen.

Auch jetzt werden Fachleute und Berater beauftragt, Entscheidungen vorzubereiten. Die Öffentlichkeit erfährt aber nur selten bis nie, warum sie ausgewählt werden. Alte Verpflichtungen geben auch hier oft den Ausschlag, nicht selten wird das Ergebnis vereinbart, bevor die Beratung beginnt.

Vorschläge für die politische Agenda: Wikis unterstützen die Entscheidungsfindung bei Problemen, die schon auf der politischen Tagesordnung stehen. Aber welcher Probleme soll sich die Regierung überhaupt vorrangig annehmen? Crowdsourcing -Tools müssen den Bürgern die Stimme und die Macht geben, die Prioritäten der Regierung zu bestimmen. Der amerikanische Präsident erfährt schon heute in einem täglichen Briefing, welche Anliegen die US-Bürger vor allem haben.

Webbasierte Diskussionen und Entscheidungen ersetzen das Parlament nicht. Sie sind die Alternative zum Aktenvorgang und zum Büro bzw. dem Kaffeehaus-Hinterstüberl. In Unternehmen und Instituten haben sie sich längst etabliert.

Projekt- und Forschungsförderung: Forschungsförderung funktioniert im Augenblick zwangsläufig sehr bürokratisch und umständlich. Für die Personen, die entscheiden, ist es sehr schwer zu erkennen, was förderungswürdig ist und was nicht. Wie auf vielen Gebieten der Regierungstätigkeit wäre hier mehr Transparenz hilfreich. Dazu wäre es aber auch nötig, die Vergabe von Mitteln zu beschleunigen und etwa zu arbeiten wie die „Seedcamps“, die Venture-Kapital an innovative Firmen weitergeben. Man bewirbt sich in einem offenen Wettbewerb; Bewerber erhalten Feedback und können Fragen beantworten, Entscheidungen fallen sofort. Sicher ist so etwas nur ganz eingeschränkt auf regionaler Ebene allein möglich; aber schon ein oder zwei Förderprogramme, die so funktionieren, könnten eine wichtige Hilfe darstellen.

wissen.steiermark.at – eine regionale Bildungsplattform

Neben Bio-, Holz- und Autocluster braucht die Steiermark auch einen Hochschul- oder besser: einen Bildungscluster. So wie Erzherzog Johann im Joanneum eine Einrichtung für die Speicherung und den Austausch auf verschiedensten Feldern des Wissens schuf, so lassen sich die Bildungseinrichtungen heute virtuell vernetzen. Die Hochschulen, aber auch die Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und die anderen Bildungseinrichtungen müssen ihre Inhalte online anbieten und sie damit den Steirern – natürlich auch Menschen jenseits der Landesgrenzen – und vor allem den Schülern und Studierenden zur Verfügung stellen, unabhängig davon, welche Ausbildungseinrichtung sie besuchen. Unterschiede sollen nicht eingeebnet werden, sondern das Wissen soll vergrößert werden, indem man mehr miteinander kommuniziert. Öffentliche Vorlesungen – und es können heute alle Vorlesungen öffentlich sein – nutzen nicht nur denen, die ihnen live oder asynchron zuhören, von der Öffentlichkeit dürften auch die Studierenden profitieren, deren Lehrende sich mehr anstrengen werden, wenn ihre Arbeit im Internet publiziert wird.

Die steirischen Hochschulen haben eLearning-communities oder einen virtuellen Campus, aber sie arbeiten dabei bisher nicht zusammen.

wissen.steiermark.at erschließt für jeden, der sich bilden, weiterbilden oder ausbilden will, die Angebote, die es in der Steiermark gibt. Es soll dazu beitragen, dass möglichst viel Wissen, das im Auftrag der Öffentlichkeit erarbeitet wird, auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Auf dieser Plattform sollen alle Lehrinhalte – von Vorlesungen bis zu wissenschaftlichen Arbeiten – verfügbar sein. Integriert sind alle Inhalte von öffentlichen Museen, Sammlungen und Archiven. Wo immer möglich, erlauben Creative Commons-Lizenzen den Bürgern die Nutzung der Inhalte, die von ihnen finanziert werden oder ihnen gehören.

Über die Plattform ist es möglich, Kontakt zu den Lehrenden und Wissenschaftlern aufzunehmen. Es können Gruppen eingerichtet und virtuelle Seminare durchgeführt werden.

Natürlich ist diese Form der Vernetzung als solche ortsunabhängig. Im Internet ist die Karl-Franzens-Universität der FH Joanneum so nahe wie der University of California. Innerhalb der Steiermark können sich aber die virtuelle und die reale Vernetzung ergänzen – es ist leicht, die Menschen zu treffen, denen man im WWW von seinem Rechner aus folgt, und man wird vielen folgen, die man im realen Leben trifft. Die Steiermark hat eine derartige Größe und bei Hochschulen, Gymnasien, HWLs und HTLs eine derartige Stuktur, dass sich die Einrichtungen sehr gut ergänzen können; viele von ihnen sind die einzigen Anbieter ihrer Art.

Der CTO sollte aber nicht nur helfen, Inhalte online erreichbar zu machen, die ohnehin produziert werden – von Vorlesungen bis zu Dissertationen. Er sollte die Schule und Universitäten auch dabei unterstützen, neue, webtypische Formen der Wissensvermittlung zu verwenden, also Blogs, Podcasts, Wikis und soziale Netzwerke.

buergerinnen.steiermark.at – ein soziales Netzwerk für die Region

buergerinnen.steiermark.at vernetzt die Menschen die in der Steiermark wohnen, miteinander. Die Plattform erleichtert es ihnen, mit Menschen in der Region Kontakt aufzunehmen, zu kommunizieren und gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Social networks gehören schon zum Alltag der meisten Jugendlichen; über meinVZ, facebook oder Myspace halten sie mit ihren Freunden Verbindung. Sie tauschen Medien und Informationen aus und bilden Gruppen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen oder einfach nur Spaß zu haben.

Soziale Netze haben ein paar Grundfunktionen:

  1. Man kann Profile in ihnen anlegen.

  2. Man kann Beziehungen in ihnen pflegen Freunde definieren und neue Freunde finden; die Freunde können die Aktivitäten ihrer Freunde verfolgen.

  3. Man kann sich in ihnen organisieren und Gruppen bilden.

Diese Grundfunktionen werden von jedem der vorhandenen sozialen Netze angeboten. Die Zukunft auf diesem Gebiet wird nicht darin bestehen, dass neue oder mehr dieser geschlossenen sozialen Netze entstehen, sondern darin, dass sich diese Netzwerke untereinander verbinden, dass man z.B. auf ein Profil auch in einem anderen sozialen Netz verweisen kann. Eine Aufgabe des steirischen CTOs besteht darin herauszufinden, wie die Menschen in der Region die vorhandenen sozialen Netze verwenden können, um miteinander besser in Kontakt zu kommen, wenn sie es brauchen. Wer in Leoben wohnt und sich für digitale Fotografie interessiert, findet so z.B. Gleichgesinnte in der Obersteiermark.

Ein Bürgerinnennetz ist das digitale Gegenstück zu den Verkehrswegen, die in der Epoche Erzherzog Johanns angelegt worden sind. In diesem Fall geht es aber nicht darum. die Verbindungen selbst herzustellen, denn die sind durch das Internet bereits gegeben. Es geht nicht um die Eisenbahnlinien, sondern um die Züge, die auf ihnen verkehren. Sie müssen die Menschen möglichst einfach in Verbindung mit Menschen in der Region bringen, die ihnen helfen können: Junge Eltern mit potenziellen Babysittern, ältere Leute mit Kindern, die etwas vorgelesen bekommen wollen, Schüler mit Studenten, die ihnen Nachhilfe geben können, Bergwanderer mit Gleichgesinnten, die eine bestimmte Tour machen wollen.

Um eine öffentliche Aufgabe handelt es sich dabei, weil die Verbindung in solchen Netzen enorme Möglichkeiten für die Mitglieder mit sich bringt. Sie haben ähnliche Aufgaben wie die bürgerlichen Vereine des 19. Jahrhunderts, die Erzherzog Johann förderte und für die Modernisierung brauchte. Es geht darum, die Vernetzung attraktiv zu machen und lokal sinnvoll zu nutzen. Vielleicht genügt es dazu, dass entsprechende Gruppen z.B. auf facebook eingerichtet werden, ergänzt durch Applikationen. Vielleicht ist es aber auch nötig, ein eigenes soziales Netzwerk einzurichten, das für Menschen attraktiv ist, die ihre persönlichen Informationen nicht kommerziellen Netzen zur Verfügung stellen wollen. Dieses Netz könnte dann auch weitere Grundfunktionen übernehmen, z.B. die Bereitstellung einer digitalen Identität, mit der man sich überall im Netz anmelden kann.

In diesem steirischen sozialen Netz könnte sich auch das digitale Gegenstück zu Vereinen und Interessenvertretungen entwickeln. Man könnte dort die Informationen und Termine austauschen und virtuelle Treffen abhalten. Es würde sich um eine Kommunikationsplattform für alle Interessen handeln, die nicht unmittelbar politisch sind.

Hier wie auch bei anderen regionalen Netzen ist die Mobilität ein entscheidender Faktor. Ein solches Netzwerk würde wahrscheinlich mehr mit Mobiltelefonen als mit Desktop- und Laptop-Computern genutzt werden. Es würde deshalb auch auf lokale Daten zurückgreifen, also z.B. relevante Personen in der Nähe zeigen.

Kulturwandel

Letztlich wird nicht ein CTO die Steiermark in die Wissensgesellschaft führen. Sicher lässt sich die Steiermark nicht technokratisch ins Web-Zeitalter bringen. Zur Nutzung des Web gehört eine bestimmte Kultur. Sie hat sich im Internet langsam entwickelt. Die Kultur muss sich auch in der Region wandeln, wenn vorhandene Technik die Entwicklung des Landes beschleunigen soll. Der Geist des Web 2.0 muss ein Land erfassen, dessen Mächtige die Geheimnisse lieben – wenn sie sie auch selten wahren. Die wichtigste Aufgabe des CTO wäre gar keine technische. Seine wichtigste Aufgabe bestünde darin, eine Kultur anzuregen, welche die Möglichkeiten einer bereits vorhandenen Technik nutzt.

Der CTO ist also auf das angewiesen, was man „Change Management“ oder „Innovationsmanagement“ nennt. Change Management ist nicht mehr nur auf der Ebene einer Firma oder Organisation erforderlich, sondern auf der Ebene einer ganzen Region.

Integration: Eine der ersten Aufgaben des CTOs muss darin bestehen, so vielen Menschen wie möglich den bestmöglichen Zugang zum Web zu verschaffen. Dabei geht es nicht darum mit anderen Regionen mitzuziehen und nicht hinter anderen zurückzubleiben, sondern anderen voraus zu sein und alle Möglichkeiten des Web zu nutzen.

Media Literacy: Dass viele Menschen sich nur wenig bzw. sehr ungeschickt im Web bewegen, liegt nicht so sehr daran, dass ihnen das Geld für entsprechende Hardware fehlt. Den meisten fehlt das Wissen für den Umgang mit dem Web. Hier, aber nicht nur hier, ist eine Bildungsinitiative nötig. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass der größte Teil der Bevölkerung das Web, und damit überhaupt aktuelle Medien, kompetent nutzt.

Ich habe hier sehr unterschiedliche Gebiete berührt – von der Politik bis zu den Museen. Sie hängen alle miteinander zusammen, weil sie wissensintensiv sind und sich durch Vernetzung radikal verändern können. Überall geht es darum, Offenheit herzustellen und vorhandenes Wissen auszuschöpfen, bzw. das vorhandene Wissen so gut wie möglich zur Geltung kommen zu lassen. Das ist nur durch die Ortsungebundenheit und direkte Zugänglichkeit des Wissens möglich, zu der das Web geführt hat. Experten werden nicht überflüssig, aber die Expertise ist im Web nicht mehr nur die Sache von Fachleuten.

Letztes Update des Texts: 23.2.2009.

Ich lese — und schaue mir an — Paris: Ville Invisible von Bruno Latour und Emilie Hermant. Den kompletten englischen Texts dieses crossmedialen Werks — Website und Bildband — kann man downloaden. Er führt in Latours Soziologie ein, und er ist gleichzeitig so etwas wie eine Serie von guided tours durch Paris, das sich wie jedes soziale Phänomen nur Ketten von Beobachtungen, nie einem zusammenfassenden Blick erschließt.

Ich bin noch immer am Anfang der Latour-Lektüre; einerseits finde ich seine Argumentationen überzeugend, andererseits kann ich sie noch nicht wirklich in eine Beziehung zu den Dingen bringen, mit denen ich mich sonst beschäftige. Ein Schlüssel könnte im Begriff den Information oder besser in Latours Kritik an diesem Begiff liegen. Mit einer Volltextsuche findet man in den ersten Abschnitten von Paris: Ville Invisible folgende Aussagen über Information:

The little computer mouse makes us used to seeing information as an immediate transfer without any deformation, a double-click. But there is no more double-click information than there are panoramas; trans-formations, yes, in abundance, but in-formation, never. [p. 18]

The comfort of habit makes us believe in the existence of double-click information. We begin to be attentive to their strange nature only if we turn towards objects with which we are totally unfamiliar. [p. 20]

Nothing in double-click information allows us to keep a trace of this layering of intermediaries; yet without this wandering the trace of the social is lost, for words then refer to nothing and no longer have any meaning – that is, no more movement. [p. 23]

We don’t live in “information societies” for the excellent reason that there is neither a Society nor information. Transformations, yes, associations, yes, but transfers of data without transformation, never. [p. 23]

To measure the hiatus explaining transformations of information, we should also avoid two symmetrical mistakes: the first would be to forget the gain and to deduct only the loss; the second, that we’re about to consider, would be to forget the loss. [p. 26]

Megalomaniacs confuse the map and the territory and think they can dominate all of Paris just because they do, indeed, have all of Paris before their eyes. Paranoiacs confuse the territory and the map and think they are dominated, observed, watched, just because a blind person absent-mindedly looks at some obscure signs in a four-by-eight metre room in a secret place. Both take the cascade of transformations for information, and twice they miss that which is gained and that which is lost in the jump from trace to trace … [p. 28]

If we want to represent the social, we have to get used to replacing all the double-click information transfers by cascades of transformations. To be sure, we’ll lose the perverted thrill of the megalomaniacs and the paranoiacs, but the gain will be worth the loss.

Gegenbegriffe zu Information sind Transformation, Vermittlung, Übersetzung, intermediaries. Latours Soziologie ist eine Soziologie des Intermediären — Soziologie im Sinne Latours ist die Wissenschaft vom Intermediären.

Every time we talk of intermediaries we talk not of lies but, on the contrary, of truth, of the only one we have, provided we always follow the traces, the trajectory of figures, and never, never stop on the image.

Vielleicht kommt es darauf an, soziale Medien als intermediäre Phänomene zu verstehen, als Transformatoren und Vermittler, die immer nur zusammen mit anderen Vermittlern funktionieren, als Teile der Kaskaden (vielleicht eine zu einsinnige Metapher!), von denen Latour spricht. Sie funktionieren nicht alleine, und vielleicht können sie auch nicht Gegenstand einer Medientheorie werden, weil die Medien keinen Vorrang in der Vermittlung haben, sondern man zwischen Sozialem, Medialen und Intermediären nicht wirklich unterscheiden kann.

Konkreter: Soziale Medien sind Teile von Ketten oder Netzen, zu denen Literacy und soziale Organisation des Umgangs mit Medien ebenso gehören wie die Praktiken der Informationsaufbereitung und -aggregierung in den verschiedenen sozialen und professionellen Kontexten. Sie lassen sich höchstens als technische Phänomene isolieren, aber ihr sozialer Charakter besteht in ihrer Verschaltung mit anderen intermediären Phänomen. Sie lassen das, was sie vermitteln, nicht unverändert, und sie sind selbst auf Transformationen angewiesen, um sozial zu funktionieren. Zu diesen Transformatoren gehören so unterschiedliche Dinge wie bildgebende Verfahren, Textverabeitung, Recherchetechniken, Techniken des sozialen Lernens und ehische Kodizes.

Ich suche schon lange nach Verbindungen zwischen dem Thema, das mich vor allem interessiert — welche Folgen haben Online-Medien für das Schreiben und die Literarizität? — und theoretischen Ansätzen, die mich faszinieren, ohne das ich sie bereits durchschaue: Ethnomethodologie, Konversationsanalyse und Actor Network Theory. In der letzten Woche habe ich ein paar Spuren gefunden, die dafür sprechen, dass sich soziale Medien mithilfe dieser Ansätze tatsächlich besser verstehen lassen.
Erhellend finde ich ein Interview, das Bruno Latour schon 1997 Pit Schulz und Geert Lovink von Nettime gegeben hat. Latour besteht unter anderem darauf, dass der Begriff Information nicht dazu geeignet ist, die inhaltliche Seite von Online-Medien zu erfassen. Er mache die Transformationen oder Übersetzungen unkenntlich, deren Agenten diese Medien sind:

There is only transformation. Information as something which will be carried through space and time, without deformation, is a complete myth. People who deal with the technology will actually use the practical notion of transformation.

So wie Bilder können digitale Informationen nur auf Gegenstände bezogen werden, wenn man sie im Kontext anderer Übersetzungen versteht:

One image, isolated from the rest, freeze framed from the series of transformation has no meaning. An image of a galaxy has no reference. The transformation of the images of the galaxy has. So, it is an anti information argument. Pictures of a galaxy has no information content. Itself the image has no meaning if it cannot be related to another spectography of a galaxy. What has reference is the transformations of images. Being iconophilic means following the flow of images, without believing that they carry information.

So wenig wie andere Medien können Computer und das Netz zu einer unmittelbaren Kommunikation beitragen; man entgeht durch ihnen nicht den Vermittlungen, die für alle sozialen Beziehungen charakteristisch sind (wobei zu den sozialen Beziehungen für Latour auch die Beziehungen zwischen Menschen und Objekten gehören):

We have a tremendous hype about globalization, immediacy, unversality and speed. On the other side we see localized transformations and there seems to be not connection between the two.

The rule is: whatever medium there is, you will always find someone to make a connection with them. But this is not the same as saying that there is an instantaneous connectibility. The digital only adds a little speed to it. But that is small compared to talks, prints or writing.

Latour weist in diesem Interview auf das Buch On the Origin of Objects von William Cantwell Smith hin. Ich bin diesem Hinweis nachgegangen und zum ersten Mal darauf gestoßen, dass es — mit Beteiligung von William C. Smith und vor allem im Umkreis des Xerox PARC eine Diskussionskomplex zum Thema Ethnomethodologie und Computing gibt, mit dem ich mich intensiver beschäftigen möchte. Beteiligt sind sowohl Vertreter von Konversationsanalyse und Ethnomethodologie wie Charles Goodwin und Lucy Suchman als auch Informatiker, darunter Gregor Kiczales.

Bisher kann ich leider nur Namedropping betreiben und habe noch keine genaue Vorstellung davon, wie tatsächlich durchgeführte Analysen sozialer Medien mit dem Instrumentarium der Ethnomethodologie und ihrer Nachfolger aussehen könnten. Anregungen findet man in diesem Kontext jedenfalls schnell, z.B. Goodmans Practices of Seeing, Visual Analysis: An Ethnomethodological Approach. oder Organising User Interfaces around Reflective Accounts von Paul Dourish, Annette Adler und Brian Cantwell Smith.

Am Dienstag hatte ich in Münster ein Gespräch mit Christoph Neuberger. Ein Thema war die Durchlässigkeit zwischen Studiengängen an Fachhochschulen und Universitäten. Ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen, dass ich vielleicht darüber blogge, deshalb hier nur eine Überlegung, die sich an das Gespräch anschließt, und mit der ich noch nicht fertig bin. Deutlicher als vor dem Gespräch sehe ich die Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen bei den Kommunikationsfächern, also Kommunikationswissenschaft, Zeitungswissenschaft oder Journalistik auf der einen Seite, Journalismus, PR oder Unternehmenskommunikation auf der anderen.

Christoph Neuberger steht für eine exzellenz-orientierte akademische Forschung, eine wissenschaftliche Arbeit auf höchstem Niveau. Das Studium der Kommunikationswissenschaft in Münster hat verhältnismäßig wenig praktische Komponenten; wesentlich wichtiger ist es die Einführung in eine methodisch saubere sozialwissenschaftliche Forschung. Für ein Institut wie das in Münster wird — jenseits der Lehre — die Beteiligung an Großforschungsprojekten immer wichtiger; sie sichert die Reputation des Instituts wie der Universität insgesamt.

Das ist von der Arbeit an einem Fachhochschulstudiengang, und ich glaube: auch von den Aufgaben einer Fachhochschule, weit entfernt. Wir bilden Leute für ein konkretes Berufsfeld aus, dazu brauchen sie praktische Fähigkeiten (z.B. schreiben, publizieren im Web), kommunikative Kompetenzen (z.B. recherchieren, moderieren, komplexe Zusammenhänge erklären) und die Fähigkeit zu Reflexion und Innovation (ein weiteres Thema unseres Gesprächs), aber nur bedingt, wenn überhaupt, einen wissenschaftlichen Zugang z.B. zum Journalismus.

Um es sehr allgemein zu formulieren: Man kann nicht beides leisten, eine gute Vorbereitung auf die Wissenschaft und eine gute praktische Vorbereitung auf Kommunikationsberufe. Ich hatte schon bisher ein Unbehagen dabei, wenn von wissenschaftlichen Arbeiten gesprochen wird, mit denen bei uns das Studium abgeschlossen wird. Dieses Unbehagen wächst, weil wir da nicht in der Liga spielen, die interessant ist. Wir sollten auf einer Fachhochschule nicht halbherzig Wissenschaft nachahmen, sondern entschlossen auf die praktische und kommunikative Seite der Ausbildung setzen. Nur dort ist für uns Exzellenz erreichbar. Einen akademischen Anspruch können wir nicht mit Wissenschaftlichkeit begründen, sondern dadurch, dass wir experimentell und innovativ arbeiten und im Freiraum der Hochschule Ideen und Formate entwickeln.

Weil wir uns von den Universitäten deutlich unterscheiden, ist der Dialog mit der Forschung für uns wichtig. Aber in diesen Dialog müssen wir eigene Perspektiven einbringen; wir haben besondere Möglichkeiten, wissenschaftliche Diskurse von außen wahrzunehmen und auf sie zu antworten. Gerade in Bezug auf das Web gibt es eine Fülle von Themen für Dialoge, denn dort gibt es weder eine etablierte akademische Tradition noch fertige und erprobte Konzepte für die praktische Ausbildung. Ich hoffe, dass wir Foren für solche Dialoge finden.

Ich habe am Wochenende einige Texte gelesen, die sich mit den Folgen der Finanzkrise beschäftigen, vor allem A User’s Guide to 21st Century Economics von Umair Haque und Work on Stuff that Matters von Tim O’Reilly. Sie beziehen sich nicht aufeinander, aber sie zielen in dieselbe Richtung: Die aktuelle Wirtschaftskrise als Anlass zu nutzen, die Konsumgesellschaft als solche in Frage zu stellen und zu überwinden — also eine Wirtschaft, die darauf basiert, immer mehr und immer billigere Konsumgüter zu produzieren und die Kosten dafür den ärmeren Ländern und den nächsten Generationen aufzubürden.

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Das erste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe, war eine Weihnachtsüberraschung — Michel Serres: Aufklärungen. Gespräche mit Bruno Latour.

Cover von Michel Serres: Aufklärungen
Cover von Michel Serres: “Aufklärungen”

Das Thema der Philosophie von Michel Serres ist die Kommunikation, und um Kommunikation geht es auch in diesen Dialogen Serres’ mit dem Soziologen Bruno Latour fast überall. Die Kommunikation, wie sie Serres begreift, bildet etwas wie einen virtuellen Raum mit eigenen Regeln, anderen Regeln als denen der statischen Objekte und Wesenheiten, die Serres zufolge in der europäischen Philosophie immer die Hauptrolle gespielt haben.

Diese Gespräche sind schon über 15 Jahre alt, sie wurden geführt, bevor das Internet zu einer der wichtigsten Zonen der Kommunikation wurde. Aber weder Serres noch Latour dürften von der Entwicklung des Webs zu sehr überrascht worden sein. Serres sagt zu Bruno Latour, dessen Soziologie der Übersetzung Serres’ Philosophie der Kommunikation viel verdankt:

Hermes, indem er sich erneuert, wird immerzu unser neuer Gott, seit wir Menschen sind, nicht nur der unserer Ideen oder Verhaltensweisen, unserer theoretischen Abstraktionen, sondern auch der unsererer Arbeiten, unserer Techniken, unserer Erfahrungen, unserere Experimentalwissenschaften, ja, unserer Laboratorien, wo, Sie selbst haben es gezeigt, alles entlang komplexer Beziehungsgeflechte zwischen den Botschaften und den Personen funktioniert, der Gott unserer Biologie, welche die Gehirn- und Genbotschaften beschreibt, der der Information, der des schnellen Finanzwesens und des volatilen Geldes, des Handels, der Information, der Medien, die eine dritte Realität produzieren, unabhängig von der, die wir für wirklich halten, der Beziehungen zwischen Recht und Wissenschaft… Soweit ich weiß, versuchen Sie, wie ich, eine Philosophie zu konstruieren, die mit dieser neuen Welt kompatibel ist. Nicht um sie zu imitieren, nicht um sie zu rechtfertigen, sondern um sie zu begreifen und, vielleicht verzweifelt, zu steuern zu versuchen. Zum ersten Mal in der Geschichte denken wir, dass sie wirklich von uns abhängt.

Ich habe bisher nie einen Zugang zu den Texten von Serres gefunden. Er selbst bemüht sich nur wenig, den Eingang in sein Werk zu erleichtern. Seine Sprache wirkt auf den Außenstehenden oft steil, sein Pathos überfordert viele Leser. In den Dialogen dieses Buches verschweigt Bruno Latour solche Zugangsschwierigkeiten nicht. Er fragt Serres nach ihnen und hält sie ihm gelegentlich vor; vermutlich ist er Serres durch seine bohrenden Fragen und seinen nur selten feierlichen, eher angelsächsisch nüchternen Stil ziemlich auf die Nerven gefallen. Jedenfalls zeichen Latour und Serres hier zusammen ein philosophisches Porträt oder Selbstporträt, das Lust macht, die Werke Serres’ endlich zu lesen.

Helfen Texte wie dieser dabei, das Web oder die Kommunikation im Web besser zu verstehen? Ich kann die Frage nicht — ich hoffe: noch nicht — beantworten. Vielleicht ist ihre erste Wirkung, dass sie starr gewordene Konzepte der Kommunikation verflüssigen, dass sie zum Beispiel zeigen, dass Kommunikation weder als Technik, als Mittel zu einem Zweck, noch als materielles, natürliches Phänomen befriedigend beschrieben werden kann. Als historisches Dokument gelesen zeigt dieser Text, dass das Web nicht vom Himmel gefallen ist, dass in den 80er und 90er Jahren philosophische Ideen formuliert wurden, die mit der Entwicklung des Webs kommunizieren, ohne kausal mit ihr zusammenzuhängen.

Update, 3.6.2019: Bild ersetzt, da die ursprüngliche URL nicht mehr funktioniert hat. Serres ist am 1. Juni gestorben.

Armin Thurnher sorgt sich in seinem Kommentar Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen im Falter vom 17.12.2008 um die Qualität der öffentlichen Diskussion. Ich fürchte, dass Interventionen wie dieser Artikel dem Niveau der Debatten über die Medien mehr schaden als nutzen, denn sie zielen nicht auf das Internet sondern auf eine Karikatur des Netzes: Urheberrechtsverletzer, anonyme Poster, gefakete Identitäten und irrationale Suchmaschinen-Algorithmen bestimmen das Bild. Diese Karikatur ist sicher nicht beabsichtigt; Thurnher hat Gegenargumente verdient. Auch und gerade in seinen Missverständnissen ist er ein interessanterer und nicht zuletzt eleganterer Widerpart als Wolfgang Lorenz mit seinem Sager vom Scheiss-Internet. Außerdem teilen viele der Gebildeten unter den Verächtern des Internets seine Vorstellungen von diesem Medium, das sie nur mit intellektuellen Beisszangen anfassen. Leider hat von den österreichischen Bloggern kaum jemand auf Thurnher reagiert (Ausnahmen: Gerald Bäck, Tom Schaffer; [Update und Korrektur, 24. Dezember: nachzutragen sind Blumenau, Andreas Ulrich und Bruckner]). Hier ein paar Kommentare zu Zitaten aus Thurnhers Artikel:

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An unserem Studiengang kommt es immer wieder zu Diskussionen über die Zukunft des Journalismus. Dabei geht es auch um unser zukünftiges Masterprogramm. Ich bin dafür, auch darin Journalisten auszubilden und das auch öffentlich deutlich zu machen, so wie wir es jetzt im Bachelorstudiengang tun.

Für unsere Hochschule ist die Frage, wie wir es mit dem Journalismus halten, zentral. Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich als Evangelist der sozialen Medien den Journalismus für tot halte. Das Gegenteil ist der Fall. Meine Position möchte ich in einigen plakativen, provisorischen und persönlichen Thesen beschreiben. Ich werde an ihnen weiterarbeiten und hoffe auf eine Diskussion.

  1. Apokalyptische Schemata und revolutionäre Rhetorik sagen mehr über ihre Urheber aus als über die Wirklichkeit. Entwicklungen in komplexen Systemen lassen sich grundsätzlich nicht voraussagen. Wer über die Medien in der Zukunft spricht, und meint, er könne seine Aussagen verifizieren, ist bestenfalls ein Scharlatan.

  2. Der Journalismus endet nicht, weil die Verlage sterben. Die Geschäftsmodelle der Verlagsbranche sind in einer Krise. Verlage haben immer davon gelebt, Inhalte zu kaufen oder zu erstellen, Träger für diese Inhalte zu reproduzieren und sie zu distribuieren. Dieses Modell ist für digitale Inhalte obsolet. (Damit ist aber nicht gesagt, dass es nicht auch Inhalte geben wird, die weiterhin auf Papier verteilt werden.) Viele Verlage und Medienhäuser bewegen sich auf einer Todesspirale: Einnahmeverluste lassen die Qualität sinken und umgekehrt. Dass mit dieser Krise der Journalismus aufhört, ist so unwahrscheinlich, wie dass die Krise der großen Plattenlabels zum Untergang der Popmusik führt — auch wenn die Labels das behaupten.

  3. Journalismus im Web findet verteilt und dezentral statt. Das Web vernetzt Menschen und Medien: Wenn alles mit allem verknüpft werden kann, entwickeln sich die Knoten am besten, die für die anderen Knoten wichtig sind und sich intelligent mit ihnen verbinden.

  4. Unsere Kultur wird auf den Journalismus so wenig verzichten wie auf die Wissenschaft oder die unabhängige Rechtsprechung. Journalismus dient im Kern dazu, unbeeinflusst von Interessen über aktuelle Ereignisse zu informieren; dazu haben sich eine Reihe von Methoden, Techniken und Praktiken entwickelt. Kulturell sind sie vergleichbar mit anderen Methoden der Wahrheitsfindung im Rechtssystem, in der Philologie und Historiographie oder in den Naturwissenschaften. (Ich bin vielleicht naiv, aber wie Tim Bray glaube ich an die Wahrheit. Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung eines Satzes in seinen Wahrheitsbedingungen besteht.)

  5. Die journalistischen Recherche- und Verifikationsmethoden verändern sich radikal. Immer mehr Informationen sind öffentlich zugänglich; Journalistinnen können (und sollen) publizieren, wie sie zu ihren Aussagen kommen; Newsrooms werden transparent arbeiten, wenn sie in einer vernetzten Öffentlichkeit eine Chance haben wollen. Journalismus hängt immer mehr von Daten ab und muss mit Daten umgehen. Diese Veränderungen bedeuten für den Journalismus Chancen auf größere Aktualität, mehr Kontext, direkteren Zugang zu Quellen, also zu größerer Qualität. Die Grundlagenkrise wird den Journalismus so wenig umbringen, wie Grundlagenkrisen in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts zum Ende der Physik geführt hat.

  6. Die Gesellschaft wird mehr und nicht weniger Journalismus brauchen. Je mehr die Gesellschaft zu einer Informations- oder Wissensgesellschaft wird, desto größer wird der Bedarf nach verlässlicher Information. Das Leben von immer mehr Menschen hängt davon ab, dass sie nicht nur über Politik, sondern auch über Entwicklungen in der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien informiert werden. Je mehr Firmen und Organisationen auf Kommunikation angewiesen sind, desto wichtiger werden neutrale Informationsquellen. Wenn journalistische Qualität weniger von Unternehen (Verlagen) finanziert wird, wird der gesellschaftliche Druck wachsen, die anders zu ermöglichen, z.B. im öffentlich-rechtlichen System und durch Non-Profit-Organisationen und NGOs.

  7. Es entwickeln sich neue Geschäftsmodelle und Berufsbilder. Es gibt viele Beispiele dafür, dass journalistische Kompetenz im Web erfolgreich vermarktet werden kann, von der Sportberichterstattung bei adrivo bis zu einem Branchenmagazin wie turi2. Zum Erfolg gehört es dabei, die Vorteile des Webs zu nutzen und auf eine überflüssige materielle Infrastruktur zu verzichten.

  8. Journalistische Kompetenz wird mehr und mehr außerhalb der traditionellen Berufsfelder gefragt werden. Jeder Mensch und jede Organisation kann im Web selbst publizieren. Blogs, Microblogs und Wikis haben bereits einen blühenden Mikrojournalismus hervorgebracht. Erfolg mit solchen Publikationen ist auch eine Sache journalistischer Kompetenz. Journalisten sind deshalb immer mehr auch als Vermittler und Pädagogen gefragt. Dass jeder journalistisch arbeiten kann, bedeutet aber nicht, dass es keine professionellen Journalisten mehr geben wird. Die professionelle Fotografie ist nicht untergegangen, weil sich jeder Mensch eine Kamera leisten kann.

  9. Öffentlichkeitsarbeit und PR werden sich nicht weniger radikal verändern als der Journalismus. Aus der Krise in der Medienbranche kann man nicht schließen, dass es sinnvoller sei, für PR und Unternehmenskommunikation auszubilden. PR, die sich auf die klassischen Medien verlässt, wird weniger wichtig werden, wenn diese Medien zu Randphänomenen werden. Gerade in der Organisations- und Unternehmenskommunikation ist aber journalistische Kompetenz gefragt, und dabei wird es sich immer mehr die Kompetenzen handeln, die Robert Scoble “Journalismus Plus” nennt.

  10. Erfolgsfaktoren für Journalistinnen sind Medien- und Netzwerkkompetenz und Wissen auf einem Fachgebiet. Durch das Web sinkt die Bedeutung von materieller Infrastruktur und hierarchischer Organisation. Inhaltlich kompetente Menschen können direkt die Öffentlichkeit und die Medien erreichen. Noch mehr als bisher wird der Erfolg eines Journalisten damit von seiner fachlichen Kompetenz und seiner Fähigkeit abhängen, sich eine persönliche Marke aufzubauen. Wie und wie gut so etwas funktionieren kann, zeigen in unserer Region Georg Holzer oder Norbert Mappes-Niediek.