Terrains de vie

Dubrovnik, Karwoche 2019

Wir sind am Sonntag von Graz nach Dubrovnik gefahren und werden hier bis Ostern bleiben. Ich kenne die Strecke inzwischen gut: von der milden Landschaft Sloweniens über die menschenleere Ebene hinter dem Velebit, den grauen Karst zwischen Zadar und Split bis zu der feuchteren, weniger strengen und vielfältigen Insel- und Küstenregion zwischen dem Neretva-Delta und Dubrovnik. Seit ich zum ersten Mal hier in Süddalmatien war, möchte ich hier leben. Als ich Ana kennengelernt habe, habe ich zuerst versucht so wenig wie möglich daran zu denken, dass sie aus Dubrovnik kommt. Ich wollte nicht, dass meine Sympathie für diese Gegend unsere Beziehung beeinflusst. Später habe ich dann gemerkt, dass bei Menschen, die hier großgeworden sind, der Wunsch, der Enge dieser kleinen Stadt zu entkommen, größer sein kann als die Begeisterung für die mediterrane Landschaft.

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#wissbar19

Am Freitag und Samstag habe ich in Dieburg am WissenschaftsBarCamp am Mediencampus der h_da teilgenommen, das Kolleginnen und Kollegen um Thomas Pleil organisiert haben. Es war im letzten Jahr die dritte "kleine" Unkonferenz, die ich besucht habe, nach dem Almcamp und der Smart Stuff that Matters Unconference bei Elmine und Ton. Am ersten Tag waren vielleicht 40 bis 50 Leute dabei, am zweiten Tag etwa 30.

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Dieter Nuhr und die Schule des 19. Jahrhunderts

Am Wochenende hat mein Twitter-Stream immer wieder einen Clip mit einem Ausschnitt aus einer Sendung von Dieter Nuhr angespült. Darin gibt Nuhr den Schülern, die gegen den Klimawandel streiken, gute Ratschläge: Fleißig lernen, am Fortschritt arbeiten, nicht den Physikunterricht verpassen. Die ökologische Zukunft werde nicht aussehen wie ein Bauernhof des 19. Jahrhunderts.

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2019-03-19

Morgens beim Aufwachen das Gefühl, dass ich mich nicht mehr an die Zwänge anpassen muss, an die ich mich über Jahre gewöhnt habe, die für mich natürlich geworden sind. Vielleicht, weil mir langsam klar wird, dass ich nicht mehr Vollzeit arbeite. Ich muss nicht mehr mit Sprache etwas erreichen.

Ich kann dahin zurück, wo ich als Blogger hinwollte. Ich kann versuchen, meine eigene Stimme zu benutzen. Ich muss keine Rücksichten nehmen.

Die einzige Routine, die ich in den letzten Jahren erworben habe, ist die Meditation. Zielloses Atmen. Oder: Atmen mit dem Ziel, sich nicht auf ein Ziel zu konzentrieren. Das Schreiben, das mir vorschwebt, ist ähnlich. Eine Bewegung, die nirgendwo hinführt, die einfach anfängt und aufhört. Wie das Meditieren ist sie nur scheinbar egoistisch. Sie kommt nicht in Gang, wenn man sich auf sein Ich konzentriert.

Jetzt sitze ich an unserem Dachfenster, schaue auf den Schlossberg und frage mich, ob ich bei den Content-Strategie-Workshops, bei denen ich gerade referiere, nur erzähle, wie man sprachliches Junk-Food produziert. Wie weit ist das, was ich lese und auch das, was ich schreiben will, von dem entfernt, was ich schon lange jeden Tag mache: unterrichten, wie man mit Sprache etwas erreicht?

Jetzt, nach dem Frühstück, bekomme ich meine Gedanken nach dem Wachwerden kaum noch zu fassen. Ich habe gestern eine Maschinerie vorgestellt, aber nicht klar sagen können, wozu sie dient. Mir sind heute früh die unterschiedlichen Sprachfunktionen durch den Kopf gegangen, wie sie Bühler beschreibt. Ich muss in diesen Workshops Leute befähigen, mit anderen über Inhalte zu sprechen, eigentlich: Inhalt, das Sprechen, Kommunikation anzusprechen und zum Thema zu machen—in Organisationen, in denen alles andere zum Thema wird. Man muss das schaffen, ohne in den administrativen Jargon zu verfallen, der Organisationen so unerträglich macht.

Vielleicht ist das der Anspruch der Content-Strategie (und damit bin ich weg von meinen Morgengedanken): die Inhalte so einfach und angenehm zu machen, dass man sich auf sie freut, statt sich an sie anpassen zu müssen—so wie eine gut designte Applikation einfach angenehm zu benutzen ist, statt mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe.

Philipp Weiss und Daniel Wisser im Literaturhaus Graz

Am Dienstag waren Ana und ich im Literaturhaus bei einer Lesung von Daniel Wisser und Philipp Weiss, moderiert von Zita Bereuter. Die Bücher, die Weiss und Wisser vorgestellt haben—Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen und Die Königin der Berge— sind sehr unterschiedlich. Jedes von ihnen hätte einen eigenen Abend verdient. (Ich werde hier Wissers Erzählung über einen MS-Patienten nicht gerecht—das liegt an meinen Interessen, nicht an der Qualität seines Texts. Eine gute Rezension gibt es im Falter.)

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Zwischen den Jahren (2): Für ein kleines Web

Ich habe vor zwei Tagen geschrieben, dass mir im vergangenen Jahr der Fortschrittsoptimismus verloren gegangen ist, der für mich selbstverständlich war, seit ich mich mit Web-Themen beschäftige. Seit ich mein letztes Post abgeschickt habe, habe ich versucht genauer zu formulieren, was ich damit meine, und zu überlegen, wie man ohne eine globale Fortschrittsideologie produktiv mit dem Web umgehen kann. Es gelingt mir aber nocht nicht wirklich, meine Gedanken zu diesem Themenkomplex zu ordnen, und ich würde darüber vielleicht gar nichts schreiben, wenn ich mein Post neulich nicht mit einer (1) im Titel versehen hätte. Mir ist klar, dass ich mich hier in begrifflichen Untiefen bewege, dass ich einerseits leicht in Trivialitäten abgleiten kann und andererseits viele Überlegungen und Texte berücksichtigen müsste, mit denen ich mich noch nicht beschäftigt habe. Hier also ein improvisierter Text, wie ich ihn auf einer BarCamp-Session mit der Bitte um Diskussion vortragen würde.

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Zwischen den Jahren (1)

Im letzten Jahr hat sich mein Leben nicht viel verändert. Aber ich habe das Gefühl, dass ich auf einige Veränderungen zugehe. Die wichtigste kommt dadurch zustande, dass ich seit Juni einen Enkel habe, also im Großvater-Alter angekommen bin. Gestern sind wir aus Berlin zurückgekommen, wo die ganze Familie Weihnachten gefeiert hat—zum ersten Mal nicht bei mir, sondern bei meinem Enkel Levi und seinen Eltern. Einen Enkel zu haben kommt mir viel weniger selbstverständlich vor als selbst Kinder zu haben. Es ist mit weniger Verantwortung verbunden, aber vielleicht mit mehr Ungewissheit.

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Lost in the Cloud? #30: Stehlen uns Social Media das Leben? – Wie funktioniert Propaganda im Netz?

Lost in the Cloud? #30: Stehlen uns Social Media das Leben? – Wie funktioniert Propaganda im Netz
Gespräch mit Dietmar Muchitsch, aufgenommen am 14.12.2018

Als wir in der letzten Woche die 30. Folge unseres Videocasts aufgenommen haben, hat mich Dietmar zuerst damit überrascht, dass er mit Sam Harris einen Autor genannt hat, den ich aus einem ganz anderen Zusammenhang kenne, nämlich dem der Meditation.

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Lost in the Cloud? #29: Stories bei YouTube – Facebook-Gruppen und die Gilets jaunes

Lost in the Cloud? #29: Stories bei YouTube – Facebook-Gruppen und die Gilets jaunes
Gespräch mit Dietmar Muchitsch, 5. Dezember 2018

Wir haben diesmal uns mit zwei Aspekten der wichtigsten neueren Entwicklungsgebiete bei sozialen Medien beschäftigt: der Stories und der Gruppen. In beiden Fällen geht um die Kommunikation von Publishern/Organisatoren mit Communities und um die Steigerung des Engagements.

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Lost in the Cloud? #28: TikTok, Wie ist Facebook?

Lost in the Cloud? #28: TikTok – Facebook und Soros – Toxische Social Media?
29. Folge von Lost in the Cloud? mit Dietmar Muchitsch und Heinz Wittenbrink

Ich bin spät dran mit der letzten Episode unseres Videocasts. Sie ist schon seit über einer Woche auf YouTube. Leider ist die Qualität des Videos nicht besonders–ich war ziemlich angespannt und habe die Kamera meines Chromebooks nicht richtig konfiguriert. 

Ich habe von Dietmar einiges über TikTok gelernt. Und wir haben uns wieder einmal über Facebook unterhalten, diesmal vor allem über die Anbieterungen an die republikanischen Anti-Soros-Campaigner. Zwei ziemlich verschiedene Social Media-Themen: Video-Apps und die Veränderungen in der politischen Öffentlichkeit. Aber so weit entfernt die Themen voneinander scheinen: Es geht bei beiden um die Beziehungen zwischen dem Engagement der User und den Geschäftsmodellen der Anbieter.