Am Wochenende habe ich es endlich geschafft, mein Blog wieder auf WordPress umzustellen. Ich tue das hauptsächlich, weil ich IndieWeb-Technologien ausprobieren will, die ich mit Ghost nicht verwenden kann. Außerdem bietet WordPress viele Möglichkeiten, z.B. für die Suchmaschinenoptimierung, die es bei Ghost so nicht gibt oder die ich mit meinem technischen Wissen jedenfalls nicht ausnutzen kann. Weiterlesen

Ich habe auf Path 25 Freunde. Die Hälfte davon benutzt ihren Account, und weniger als 10 sind aktiv. Ich öffne Path viel seltener als Twitter, und ich verbringe damit auch weniger Zeit als mit Facebook. Warum benutze ich das Netzwerk trotzdem immer noch und sogar immer lieber? Weiterlesen

— Florian Gossy (@floriangossy) December 20, 2012

Über die Feiertage habe ich das Multimedia-Feature Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek der New York Times gelesen—und danach nicht wenige Artikel darüber (einen guten Überblick liefert Mediagazer; interessant die Diskussion auf Reddit). Snow Fall ist viel gelobt worden, vor allem wegen der Art und Weise, wie Medien und Text aufeinander bezogen sind. Das ist aber nur ein Grund dafür, dass dieses Feature bemerkenswert ist. Der Text selbst ist von hoher literarischer Qualität und entspricht in seiner Schreibweise der Art und Weise, wie die Medien in ihm erscheinen. Interessant ist auch, wie in diesem Feature Medien und Daten verarbeitet werden, die von den Akteuren selbst erzeugt wurden. Und als eigenständiges Projekt in mehreren Kanälen zeigt das Feature neue Möglichkeiten journalistischer Publikationen jenseits vorweg definierter Zeitungs- oder Magazinformate. Weiterlesen

Meist beschäftige ich mich mit eher kurzen Formen für das digitale Publizieren, mit Blogposts oder Tweets. Kaum beachtet habe ich in den letzten Jahren leider das längstmögliche Format, nämlich das E-Book. Morgen werden Jutta Pauschenwein und ich auf der iUNIg-Tagung zum E-Book einen Workshop zum Thema Neue E-Book Formate – eine Chance wissenschaftliche Arbeiten zu publizieren? moderieren—für mich eine Gelegenheit, mich endlich wenigstens etwas in dieses Thema einzuarbeiten.

Weiterlesen

Vor ein paar Tagen habe ich das lange erhoffte Invite zu Branch bekommen und gleich eine Branch gestartet. Nach dieser ersten eigenen Erfahrung erscheint mir Branch noch interessanter als vorher. Branch repräsentiert für mich—ähnlich wie das bei Google leider gescheiterte Wave—eine eigene, neue Gattung oder ein neues Genre von Online-Texten: im Ansatz dialogisch (man kann monologisch bloggen, aber nicht branchen) und zugleich hypertextuell, weil verschiendene Zweige miteinander in einer nicht-hierarchischen Weise verknüpft sein können.
Weiterlesen

220px-Walter-ongIch habe Walter Ongs Orality and Literacy: The Technologizing of the Word1 vor allem gelesen, weil mich interessiert, was das Besondere an der Schriftlichkeit im Web ist. Ong schreibt in diesem Buch zwar nicht direkt über das Web—es ist Anfang der 80er Jahre erschienen. Aber er beschäftigt sich gründlich und historisch damit, was Schriftlichkeit ist. Dabei formuliert er Thesen, deren Übertragbarkeit auf das Web man untersuchen kann.
Weiterlesen

In einer Frankfurter Rundschau, die ich vorgestern auf dem Flug von Frankfurt nach Graz gelesen habe, bin ich auf einen Artikel über adaptives Denken gestoßen; Gerd Gigerenzer beschreibt darin, weshalb intuitive Entscheidungen in den meisten komplexen Situationen erfolgreicher sind als Entscheidungen, die auf einem möglichst umfassenden Tatsachenwissen basieren. Beispiel: Ein Baseballspieler fängt einen fliegenden Ball nicht, indem er dessen Flugbahn berechnet. Er verwendet stattdessen eine ganz einfache Methode:

1. Fixiere den Ball mit deinen Augen. 2. Beginne zu laufen. 3. Passe Deine Laufgeschwindigkeit so an, dass der Blickwinkel konstant bleibt. Der Spieler kann alle Informationen ignorieren, die man benötigt, um die Flugbahn des Balls zu berechnen. Er löst dieses Problem nicht durch etwas Komplexes, sondern durch etwas ganz Einfaches. Er beachtet nur eine einzige Größe, den Blickwinkel, den er konstant zu halten versucht.

Wie könnte ein solcher Anpassungsmethode für die Gegenstände aussehen, die ich vermittele? Kann ich mich auf ein Objekt konzentrieren und mich—wie der Baseballspieler—so bewegen, dass ich es immer im Auge behalte und dadurch etwas erreiche, nämlich ein langfristig nutzbares Wissen zu vermitteln?

Ich überlege, ob ich diesen Punkt nicht am besten mit dem Ausdruck Hypertext bezeichnen kann (ich benutze Hypertext und Hypermedium synonym). Hypertext unterscheidet das Web von anderen Medien und er unterscheidet es von den anderen Teilen des Internet. Die gesamte Architektur des Web dient dazu, Hypermedialität zu ermöglichen. Hypertext ist die Ursache dafür, dass man digitale Oberflächen, bis heute Bildschirme, verwenden muss, um im Web zu kommunizieren. Dabei ist das Web letztlich ein Hypertext, genauer: ein hypermediales System. Von jedem Punkt aus kann zu jedem anderen verlinkt werden. Auch was man Web auf Knopfdruck nennt, ist nicht etwas, das als zusätzliches Element zum Hypertext hinzukommt; Hypertext besteht gerade darin, dass ich in Echtzeit von einem Element zu einem mit ihm verknüpften gelangen kann. Das Web ist ein Real-Time-Medium, in dem alle Inhalte gleichzeitig erreichbar sind und beliebig miteinander verbunden werden können.

Für meinen Unterricht bedeutet das:

  1. Es gibt eine Ebene der technischen Basis, auf der es darum geht, was Hypertext ist, wie er technisch realisiert wird, mit welchen Mitteln man ihn produziert und wie man ihn publiziert. Zu dieser Ebene gehört auch, wie Hypertext und Medien zusammenspielen, wie man Hypertext durchsucht und wie er dargestellt wird.

  2. Es gibt hypertextuelle Formate oder Genres, die z.T. erst entwickelt werden und sich ständig verändern. Beispiele sind Blogs, Microblogs, Wikis oder Profile. (Dabei ist eine offene Frage, ob ein konkreter Text nicht meist zu mehreren dieser Genres gehört.) Diese Genres realisieren Eigenschaften des Hypertexts in kommunikativen Situationen oder für kommunikative Zwecke. Sie gehören nicht zur Ebene der Anwendungen (siehe unten), aber sie werden auf dieser Ebene in bestimmter Weise interpretiert und geformt. Dies ist die Ebene der sozialen Medien, der Kommunikation im Web.

  3. Es gibt Anwendungen für Hypertext—für meinen Unterricht relevant sind dabei Journalismus und Public Relations. (Politische Kommunikation, Wissenschaft, Wissenmanagement oder Lehre und Unterricht sind weitere Anwendungen). Diese Anwendungen stellen Kontexte für Hypertext dar, und sie werden durch die Möglichkeit hypermedialer Kommunikation verändert. Die Kommunikationsformate der zweiten Ebene werden auf dieser Ebene einerseits eingeschränkt und andererseits erweitert.

  4. Auf einer vierten Ebene lässt sich das, was auf den ersten drei—der technischen, der kommunikativen und der institutionellen—stattfindet, wissenschaftlich untersuchen: das wäre die Ebene der Webwissenschaft.

Für meine Unterricht an unserem Studiengang ist die zweite Ebene wohl die wichtigste. Zukünftige Medienpraktiker müssen die Kommunikationsformen im Web und ihre Dynamik verstehen. Dabei ist aber die Hypertextualität das verbindende Element: Es kommt darauf an, die spezifischen hypertextuellen Möglichkeiten dieser Formate zu begreifen, insbesondere die Verknüpfungsmöglichkeiten, durch die sie auf der Anwendungs- oder Institutionsebene relevant werden. Um diesen Unterricht auf einem Hochschulniveau, also wissenschaftlich fundiert geben zu können, ist dabei eine Rückbindung an die vierte Ebene wichtig—die allerdings gerade erst entsteht. Hier ist für mich—sozusagen als passende Analyse-Ebene für die hypertextuellen Formate oder Genres—eine mikrosoziologische Untersuchung von Webkommunikation am interessantesten, wie sie bisher nur rudimentär existiert.