Christian Fleck hat gestern in der Kleinen Zeitung* den Rektor der KFU kritisiert. Der hatte öffentlich verkündet, man werde auch den einen oder anderen Star an die die Universität holen und es zum Ziel seiner Arbeit erklärt, der KFU eine Spitzenposition unter den Universitäten Europas zu sichern. Dabei, so Fleck, erreiche die KFU in keinem der bekanten Rankings einen besseren als den 200. Platz. Sie könne auch weiterhin ihren Beschäftigten keine Arbeitsbedingungen bieten, die Spitzenleistungen wahrscheinlich machen.

Ich kann nicht beurteilen, ob Fleck Recht hat. Bemerkenswert und vorbildlich finde ich, dass er die Leitung der Hochschule, an der er arbeitet, öffentlich kritisiert.

Ich weiß schon, dass man das nicht tut:

beginnt Fleck seinen Kommentar, um fortzufahren:

Weder beschmutzt man seinen Betrieb in der Öffentlichkeit, noch kritisiert man seine Chefs dort. Doch die Universität ist eine andere Art von Betrieb und ihre Zukunft wichtiger als die Befindlichkeit ihrer Chefs.

So ist es. Hochschulen haben wichtige öffentliche Aufgaben und werden öffentlich finanziert. Lehrenden an Hochschulen wird die Autonomie garantiert. Hochschulen sind Orte des Diskurses, an denen Entscheidungen in einem rationalen Konsens gefunden werden sollten. Wer an einer Hochschule unterrichtet, ist zur öffentlichen Diskussion über seine Arbeitsbedingungen nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, wenn Lehre und Forschung behindert werden — sei es durch politische Fehlentscheidungen, sei es durch machtverliebte Wissenschaftsmanager.

Christian Flecks Artikel ermutigt mich, Führungsentscheidungen an der Hochschule, an der ich arbeite, auch weiterhin zu kritisieren — und dabei die Öffentlichkeit vor allem dann nicht zu scheuen, wenn interne Diskussionen behindert oder unterbunden werden sollten. An der Fachhochule, an der ich unterrichte, kursiert der Satz: Wir sind nicht nur eine Hochschule, wir sind auch ein Unternehmen. Er ist falsch. Das Unternehmen FH Joanneum dient ausschließlich dazu, die Hochschule zu betreiben; das österreichische Fachhochschul-Studiengesetz erlaubt privatrechtlich verfasste Fachhochschulen nur, wenn der Hochschulbetrieb der wesentliche Unternehmenszweck ist.

Christian Flecks umfangreiche und sorgfältig gepflegte Website zeigt, dass er verkörpert, was man (naiverweise?) von einem Professor erwartet (das Wort Professor kommt von bekennen): Er nimmt öffentlich Stellung, wo er es aufgrund seines Wissens besser als andere argumentieren kann — und dabei ist er sich übrigens nicht zu schade, sich um das Geschehen in dem von seinen eigenen Bürgern gelegentlich als Kleinstadt verachteten Graz zu kümmern.

* (Print-Ausgabe vom 29.11.2007) Die Kleine Zeitung hält ihre besten Artikel leider immer noch für online-unwürdig, so dass ich ihn nicht verlinken kann. Da Fleck seine Zeitungsbeiträge auf auf seine Website stellt, wird man den Text sicher bald online nachlesen können.

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