Gleich habe ich die zweite Session des Kurses Webbasiertes Arbeiten, den ich zusammen mit Jutta Pauschenwein unterrichte. Wir fangen in diesem Jahr mit drei Sitzungen zu Twitter an. Wir wollen die Studenten erst mal gründlich in ein Tool einführen.

Das erste Feedback der Studis zeigt wieder: Twittern ist nicht so einfach. Es ist mir in den vergangenen Jahren noch nie gelungen, die Mehrheit eines Jahrgangs dazu zu bringen, von sich auch kontinuierlich zu twittern. (Die Studierenden, die twittern, habe ich in dieser Liste zusammengefasst.) Warum freunden sich viele kaum mit Twitter an, während einige wie Senkrechtstarter loslegen und ziemlich schnell Erfolg haben?

Monika König hat gestern in Tübingen ähnliche Erfahrungen gemacht und darüber gebloggt. Ich finde sehr aufschlussreich, was sie schreibt:

  1. Die Studenten sind wir wir alle an Skripte, also Handlungsprogramme, für das Offline-Lernen gewöhnt. Die impliziten Regeln von Online-Tools wie Twitter weichen davon radikal ab.

  2. Wer schon länger und mit einem gewissen Echo twittert, hat sehr komplexe Muster für seine Kommunikation gelernt, die sich einem Newbie nur langsam erschließen.

  3. Twittern hängt damit zusammen, dass man an seiner Online-Reputation arbeitet und einfach schreiben will. Dieser Wunsch oder diese Haltung ist nicht leicht zu vermitteln.

Monikas Post dokumentiert, wie sie interaktiv mit den Studenten arbeitet, sie vermittelt ihnen Twitter nicht vor allem theoretisch. Ich selbst würde gerne zu so etwas wie Rezepten für die Vermittlung von Twitter kommen, ich würde Twitter gerne kalt unterrichten, als eine sprachliche oder redaktionelle Technik, die man vermitteln kann wie andere auch.
Monikas Blogpost zeigt, dass Tweets zwar simpel wirken, das Twittern aber ein sehr komplexes Vorverständnis voraussetzt.

Kann man das Twittern als interaktives Geschichtenerzählen zu beschreiben? Dazu gehört so etwas wie ein Online-Raum oder besser Online-Orte, an denen sich die Erzählerinnen und die Zuhörerinnen (die selbst wieder erzählen können) aufhalten. Wer erzählt, muss sich selbst als Person, als Erzählerin oder Erzähler, gestalten, damit man ihm zuhört. Dann muss man so erzählen, dass sich ein Erzähl-Flow ergibt. Dazu gehören Themen, aber auch Aktionen. Die einzelnen Takes der Erzählung, die einzelnen Tweets, müssen fortsetzbar sein, und zwar für Erzähler wie Zuhörer. Sie müssen außerdem ergänzbar sein, weil sie immer nur kurze Schlaglichter auf das eigentliche Geschehen werfen. Der Reiz beim Twittern besteht wohl auch darin, Stories immer wieder anzureißen, aber nur das unbedingt Nötige zu erzählen. Und: Die Twitter-Geschichten sind immer auch Online-Geschichten, zu einem reinen Offline-Geschehen findet man als Twitterer keinen Bezug. Der Bezug muss sich mindestens dadurch ergeben, dass man das Offline-Geschehen für seine Online-Follower übersetzt.

Ich bin gespannt, was die Studenten gleich über ihre ersten Erfahrungen mit Twitter berichten. Ich werde dann versuchen, meine Storytelling-Hypothese darzustellen und ein paar Beispiele bringen. Ich freue mich über Kommentare!

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