Durch einen Tweet von Jeff Jarvis bin ich gestern auf die Google-Seite mit meinem Social circle and content gestoßen. (Wer ein Google Profil hat, findet seinen eigenen sozialen Zirkel und seine sozialen Inhalte unter derselben Adresse.)

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Google verwendet social circle und social content für seine soziale Suche. (Wie wichtig die ist, hat Robert Basic gerade dargestellt: Google Social Search versetzt zögernden Unternehmen den Todesstoß.) Google wertet für seine Suche das Netzwerk der Benutzer aus: Inhalte meiner Freundinnen und Freunde auf den verschiedenen Plattformen werden bevorzugt durchsucht und filtern damit weitere Suchergebnisse.

Die soziale Suche ist eine Form der People Centered Navigation, wahrscheinlich eine der effektivsten, weil Google mehr Inhalte indiziert als andere und zugleich mehr Daten über mich hat als jeder andere Dienst. Google wird gern als Datenkrake beschimpft, aber nur eine Infrastruktur, die einen erheblichen Teil der Daten im Web indizieren und analysieren kann, kann leisten, was Google leistet. Ein Monopolist wie Google wird von der Entwicklung des Webs gefordert—es sei denn, es lassen sich alternative föderale Strukturen entwickeln. Die wissen dann aber nicht weniger über die Benutzer und lassen sich auch nicht leichter kontrollieren.

Meinen ersten Eindruck habe ich getwittert:

Wie Google meinen Social circle bestimmt, sagt mehr über Social Media als der Web 2.0-Marketing-Schmu. http://goo.gl/Zq53 thx @jeffjarvisless than a minute ago via Shareaholic

Damit meine ich zweierlei:

  1. Soziale Medien—lieber spreche ich von sozialen Technologien—sind datenbasiert. Besonders an ihnen ist nicht nur, dass alle publizieren und distribuieren können und dass die alten Gatekeeper keine Kontrolle mehr über die Inhalte haben. Besonders ist auch, dass die Inhalte digital weiterverarbeitet werden können, bis hin zu kollektiver oder künstlicher Intelligenz (vielleicht ist beides nicht so weit voneinander entfernt).

  2. Der von Google ausgewertete bzw. konstruierte social circle macht keinen Unterschied zwischen Medien und irgendwelchen anderen im Web gespeicherten, also indizierbaren Äußerungen. Hat der Begriff Medium dann überhaupt noch einen Sinn? Je mehr Techniken zum lifelogging, also zum Aufzeichnen und Teilen fast jeder Lebensäußerung es gibt, desto mehr würde dann das ganze Leben zur Medienproduktion.

Man kann dasselbe vielleicht auch anders formulieren: Was einmal Medium war, wird universalisiert und entgrenzt, weil einerseits alles publiziert und andererseits alles beobachtet und algorithmisch verarbeitet werden kann. Wir erzeugen mit allen Daten, die wir produzieren, eine sich zunehmend selbst weiterverarbeitende digitale Realität, zu der wir selbst gehören. Ausdrücke wie Soziale Medien oder Web 2.0 sollten nicht verdecken, was mit ihnen ursprünglich gemeint war. Tim O’Reilly hat es am knappsten formuliert: Data as the “Intel inside”.

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