Clay Shirky hat eine Philippika gegen die Stilisierung von Second Life zum Next Big Thing des Internet geschrieben. Zeitgleich mit der IBM-Ankündigung, eine Businessguppe für Second Life und andere Metaversen zu gründen, bezweifelt Shirky, dass sich mehr als 10000 Benutzer gleichzeitig in Second Life aufhalten.

Mindestens so interessant wie Shirkys Hohn für die Marketing-Botschaften der Second-Life-Eigentümerin Linden Labs finde ich seine Kritik an 3D-Metaphern für die Kommunikation in Netzwerken:

…virtual reality is conceptually simple. Unlike ordinary network communications tools, which require a degree of subtlety in thinking about them — as danah notes, there is no perfect metaphor for a weblog, or indeed most social software — Second Life’s metaphor is simplicity itself: you are a person, in a space. It’s like real life. (Only, you know, more second.)

und:

…the fact that an enlightened attempt to make digital objects behave like real world objects suffers from exactly the same problems as an unenlightened attempt, a la the RIAA and MPAA. All the good intentions in the world won’t confer atomicity on binary data. [SECOND LIFE: A story too good to check – Valleywag.]

Mich fasziniert die Möglichkeit von 3D-Welten, auch wenn ich sie selbst nicht benutze. Shirkys Kritik trifft pseudo-realistische Umgebungen, aber nicht die Möglichkeiten einer dreidimensionalen Navigation in großen Mengen von Daten (oder Beziehungen). Und stammt nicht die digitale Persona, die man z.B. durch sein eigenes Weblog kreiert, letztlich auch aus der Famile der Avatare?

5 thoughts on “Hype 2.0? Clay Shirky über Second Life

  1. Leider finde ich die Quelle nicht mehr, aber diese meinung zu second life enthält ein körnchen wahrheit: Second life is for people who haven’t got a first.
    wenn die virtuelle welt lediglich eine abgespeckte kopie der realen ist, sehe ich keinen grund, zeit daran zu verschwenden.

  2. ich erinnere mich an einen netten satz von Satjiv Chahil: “there is one thing we know about virtual reality — it will never become reality!”. allerdings: second life hat auch andere aspekte (die ich leider noch nicht aus eigener anschauung kenne). vor allem lassen sich beliebige objekte erzeugen, skripten und mit daten aus dem web verbinden. man kann zum beispiel personalisiert bestimmten benutzern rss-feeds zuspielen. dass es sich bei dem wirbel jetzt nur um hype handelt, glaube ich nicht.

  3. ich halte second life für eine ambivalente sache: einerseits ein experimentierfeld, in dem neue kommunikations- (und meinetwegen auch business-)formen erfunden und erprobt werden können, anderseits der – durchaus gehypte – turf für geschäftemacher und profiteure.
    Wenn in einem virtuellen szenario schon die bild-zeitung beginnt, alles zuzuschei*en – oder sagen wir es zivilisierter: alte geschätsmodelle zu reproduzieren -, dann verliert der neue Ansatz an reiz und nutzen.
    ich finde auch (aus zugegeben marginalen eigenen praktischen einsichten in second life), dass sl die grenzen der kommuniktion im real life und im web (wenn diese trennung der differenzierung wegen erlaubt ist) zu wenig sprengt, dass zu wenig neues geboten wird, das sich nicht auch mit den bisher bekannten bordmitteln umsetzen ließe. es fehlt mir auch, und das ist mein eigentlicher kritikpunkt an sl, das notwendige maß an selbstreflexion. gerade von den unternehmen (z.t. big players), die sich zuletzt in sl breit gemacht haben) wird das als nichts anderes als ein weiterer markt gesehen, in den man dank praller kriegskassen hinein klotzen kann.
    und von einer “humankind extended” kann ich in sl leider nichts entdecken – aber das ist wohl ein problem meines grenzenlosen optimismus 🙂

  4. Ich habe mich vor einigen Wochen bei sl registriert und finde die sache grundsätzlich spannend.
    allerdings wird, wie herr pirchner bereits kommentiert hat, sl nicht innovativ genug genutzt. stattdessen wird es als neu angesehen, wenn bereits vorhandenes in der virtuellen welt reproduziert wird.
    trotzdem werde ich mich weiterhin mit dem phänomen beschäftigen

  5. Was mir seltsam erscheint ist die Tatsache, dass SICH SOLCH VIRTUELLE AUSSTIEGSSZENARIEN SELTEN BIS NIE MIT ALTERNATIVEN LEBENSFORMEN BESCHÄFTIGEN. was brauche ich ein second life in einem kapitalistischen wertesystem, wenn ich doch schon in meinem erstleben mit einem solchen konfrontiert bin?

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