Ich versuche Qualitätskriterien zu formulieren, mit denen sich beurteilen lässt, ob ein Text adäquat über die Phänomene berichtet, die mit der Klima-, der Biodiversitäts- und den anderen globalen Krisen zusammenhängen, die sich aus dem Überschreiten der Planetary boundaries ergeben. Die Berichterstattung auch in den sogenannten Qualitätsmedien wird diesen Krisen nur selten gerecht—ein wichtiger Faktor für ihre kontinuierliche Verschlimmerung. Ich möchte diese Kriterien mit dem Anspruch auf Objektivität formulieren, aber ohne eine bestimmte Antwort auf diese Krisen zu vorwegzunehmen. Hier ein erster Entwurf als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Ich werde versuchen, die Kriterien in weiteren Posts zu reflektieren und zu begründen.

  1. Kontext: Einzelinformationen in den Kontext des Wissens über die multiplen ökologischen und sozialen Krisen stellen.
  2. Anthropozän/Erdsystem: Ereignisse und Entwicklungen als historisch, sozial und natürlich zugleich zeigen, nicht willkürlich zwischen einer “natürlichen” und einer sozialen/menschlichen/wirtschaftlichen Ebene unterscheiden.
  3. Präsens statt Futur: Die ökologischen Katastrophen nicht als vor allem zukünftig beschreiben, sondern als schon gegenwärtig und weitgehend unwiderruflich.
  4. Fakten: Aussagen über Tatsachen nicht als Meinung von Wissenschaftler*innen darstellen, sondern ihre Begründung erklären.
  5. Aktionsmöglichkeiten: Zeigen, welche Aktionen möglich sind und welche Aktionsmöglichkeiten bereits ergriffen werden.
  6. Richtigstellung: Vernebelungsstrategien, Propaganda und interessengebundene Berichterstattung in jedem Einzelfall benennen und analysieren.

Ich versuche, mir ein Bild von den klimapolitischen Entscheidungen der neuen amerikanischen Regierung zu machen. Ich war und bin so gespannt, was nun passiert, wie ich es vor der letzten Präsidentschaftswahl war. Was die Biden-Regierung jetzt tut, um die Klimakrise zu bekämpfen, ist bei weitem wichtiger als die Frage, wer Präsident der USA ist—wenn auch nicht davon trennbar.

Für mich kristallisieren sich zwei Punkte heraus:
Continue reading

Einige der renommiertesten Forschenden zur Biodiversität fordern in einer neuen, zusammenfassenden Publikation, unser Wirtschaftssystem sofort weltweit und radikal zu transformieren, um nicht die lebenserhaltenden Systeme des Planeten dauerhaft zu zerstören: Underestimating the Challenges of Avoiding a Ghastly Future1.

Continue reading

Fassade aus Bambus. Bild: https://pxhere.com/en/photo/1130225

Gleich zu Beginn des letzten Falter-Podcasts Klima und Corona – die Geschichte zweier Krisen1 spricht Hans-Jörg Schellnhuber vom Bauen als dem Elefant im Klimaraum. Ca 40% aller Treibhausgasemissionen hängen direkt oder indirekt mit Gebäuden und dem Bauen zusammen. Beim Bauen und Wohnen, öffentlich und privat, werden die Veränderungen eines neuen Klimaregimes wahrscheinlich deutlicher im Alltag spürbar sein als in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich. Trotzdem beschäftigt sich die öffentliche Diskussion viel weniger mit dem Bauen als mit der Mobilität und der Ernährung. Ein Grund dafür ist vielleicht, dass unsere Wohnformen und die Nutzung von öffentlichen Gebäuden und Infrastrukturen uns noch selbstverständlicher sind als die Mobilität und die Ernährung, bei denen wir als Einzelne mehrfach am Tag Entscheidungen treffen oder treffen können. Ein anderer ist möglicherweise, dass das Bauen sehr eng mit anderen Bereichen, z.B. der Energienutzung und den Beziehungen von Arbeit und Freizeit, verbunden ist, so dass es oft nicht selbst zum Thema wird.

Continue reading

Beim Klimareporter weist Linda Schneider auf eine neue Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und des Konzeptwerks Neue Ökonomie hin, an der sie selbst mitgearbeitet hat: das Societal Transformation Scenario for Staying Below 1.5°C. Die Studie zeigt, wie das 1,5° Ziel durch eine Degrowth-Strategie erreicht werden kann.

Continue reading