Charlotte Brives, Pierre Charbonnier und Bruno Latour haben sich in den letzten Wochen zur Coronakrise geäußert. Sie stellen zur Covid-19-Pandemie Fragen wie: In welchem Verhältnis steht die Pandemie zu den großen, miteinander verbundenen ökologischen Krisen? Was verändert sie in unseren Gesellschaften—was zeigt sich in ihr über unsere Gesellschaften? Sie kritisieren die vorschnellen Antworten der nationalstaatlich orientierten Politik, des neoliberalen und auch des herkömmlich linken ökonomischen Determinismus und einer vorgeblich überpolitischen Ökologie. Die Forderung nach einer lokalisierten Zivilgesellschaft, die das Territorium, das Gelände nicht als Außen begreift, sondern sich mit ihm vernetzt, ist für mich das wichtigste Thema nach der ersten Lektüre dieser Texte.

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In der Öffentlichkeit wird die Corona-Pandemie meist als eine Gesundheitskrise dargestellt, bei der ein Virus weltweit von Mensch zu Mensch übertragen wird. Diese Sicht ist verkürzt: Pandemien wie Sars-CoV-2 sind wahrscheinlicher geworden, weil wir die Artenvielfalt durch Entwaldung und die Einrichtung von Monokulturen für die globalisierte Wirtschaft zerstören. Sie können sich durch den internationalen Verkehr, Urbanisierung und globalen Handel in kürzester Zeit weltweit ausbreiten. Sie treffen diejenigen am härtesten, die durch mangelhafte Gesundheitssysteme, Armut, Migration, Luftverschmutzung und andere ökologische Katastrophen besonders verwundbar sind. Sie können sich zu globalen Gesundheits- und Wirtschaftskrisen steigern, weil ökologische Ungerechtigkeit und globale Arbeitsteilung nachhaltige Strukturen zerstört oder verhindert haben. Sie können endemisch werden und die Gesundheit weltweit dauerhaft gefährden—auch weil sie aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht konsequent genug bekämpft werden.

Die COVID-19-Krise zeigt, wie eng menschliche Gesundheit, Gesundheit von Haustieren, Gesundheit von Wildtieren und Gesundheit von Ökosystemen miteinander verbunden sind. Die Corona-Pandemie ist eine Krise der Gesundheit in einem Sinn, der heute oft als Planetary Health bezeichnet wird. Sie ist ein Teil einer Krisensituation, die durch das Überschreiten der Planetary Boundaries (W. Steffen et al. 2015) ausgelöst wurde. Coronakrise und Klimakrise sind zwei Aspekte derselben Entwicklung. Die Coronakrise ist damit ein Anlass dafür, die Beziehungen zwischen Gesundheitskrisen und der Überlastung der planetaren Systeme, ohne die Leben auf der Erde nicht möglich wäre, mehr als bisher zu thematisieren.

Wie hängen die durch das Corona-Virus ausgelöste Gesundheitskrise, die Biodiversitätskrise und die Great Acceleration (Will Steffen et al. 2015), mit der die Erde das Holozän verlassen hat, genau zusammen? Ich stelle hier für Extinction Rebellion Austria Argumente und Material aus Wissenschaft und seriösem Journalismus zusammen, um vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie Aktivismus gegen die Biodiversitätskrise zu begründen. Weiterlesen

"Wir kämpfen nicht für die Natur—wir sind die Natur, die sich verteidigt." Plakat in Notre-Dame-des-Landes, Quelle: https://reporterre.net/Nous-ne-defendons-pas-la-nature-nous-sommes-la-nature-qui-se-defend

“Wir kämpfen nicht für die Natur—wir sind die Natur, die sich verteidigt.” Plakat in Notre-Dame-des-Landes, Quelle: https://reporterre.net/Nous-ne-defendons-pas-la-nature-nous-sommes-la-nature-qui-se-defend

Seit dem Beginn des Corona-Lockdowns schreibe ich nicht viel. Ich weiss nicht, ob der Lockdown die Ursache für die Schreib-Probleme ist. Wahrscheinlich hat er dazu geführt, dass ich mehr lese als sonst. Was ich gerade lese, führt bei mir zu einer Umorientierung, die nicht abgeschlossen ist (und auch nicht mit dem Lockdown begonnen hat). Deshalb bringe ich auch kurze Texte nicht zuende.

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Ich habe mir kurz nach Weihnachten einen PocketBook Touch HD 3 gekauft, und ich lese längere Texte sehr gerne damit (z.B. Masterarbeiten, die unsere Studierenden als epub-Files abgeben). Einziges Problem: Highlights (Stellen, die ich mir anstreiche) werden nicht vom Reader mit den Apps auf Mobiltelefon und Computer synchronisiert. Es ist aber leicht, die Highlights zu exportieren, wenn man das Gerät an einen Rechner anschließt und die Datenbank (system/config/books.db) im Terminal mit sqlite3 öffnet. (Update, 3.Mai 2020: Sicherheitshalber kopiere ich die Datei vorher auf meinen Rechner.) Eine HTML-Tabelle mit allen Highlights kann man mit folgendem Kommando produzieren:

echo "<HTML><BODY><TABLE>"$(sqlite3 --header --html books.db "select Title, Authors, json_extract(Highlight, '$.text') as Text from Books inner join (select OID as BookID, Highlight from Items inner join (select ParentID, Highlight from Items inner join (select ItemID, Val as Highlight from Tags where TagID = 104 and Val <> '{\"text\":\"Bookmark\"}') as Highlights on Highlights.ItemID = OID) as Highlights on Highlights.ParentID = OID) as Highlights on BookID = OID;")"</TABLE></BODY></HTML>" > highlights.html

Ich habe es hier gefunden, danke retrography!

Auch wenn viele Content-Strategie mit Content-Marketing oder einfach mit Werbung und Propaganda verwechseln: Man braucht Content-Strategie nicht, um Menschen in eine bestimmte Richtung zu steuern, z.B. durch Storytelling. Dafür gibt es ältere Disziplinen der Kommunikation, und sie haben zu Recht einen schlechten Ruf.

Man braucht Content-Strategie auch nicht, um Fakten bestmöglich darzustellen. Content-Strategie beschäftigt sich nicht vor allem damit, wie man als Sender Inhalte sachlich richtig gestaltet. Content-Strategie steht im Dienst der Nutzerinnen und Nutzer von Inhalten.

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Quarantine Book Club: Gespräch mit Erica Hall über ihr Buch Just Enough Research, heute 17:00, Kosten: 5 USD.

Wolfgang Nagel über seine Vorgehensweise beim Content Design and UI Mapping mit Hinweisen auf mehr, vor allem auf sein Buch Multiscreen UX Design.

Usability-/Readbility-Tipps zu Binde- und Gedankenstrichen, sehr gut belegt: Hyphens and dashes.

Eric Meyer ruft dazu aus, so oft wie möglich zu statischen Websites überzugehen (statt sie dynamisch von Content Management Systemen erzeugen zu lassen): Get Static. Hauptgrund: Performance. Passend dazu und zur Corona-Krise: Max Boecks Emergency Website Kit.

Auch angeregt durch die Coronakrise, aber auf Dauer wichtig: Das neue Blog über Online-Events Building engaging online events that succeed. Online-Events sind ein wichtiges Content-Format!

Nach mehreren Monaten haben Dietmar und ich wieder eine Episode unseres Podcasts Lost in the Cloud? aufgenommen. Wir benutzen Anchor als Plattform. Dort kann man den Podcast auch abonnieren, und zwar über viele Podcast-Plattformen und auch als Plattform-unabhängigen Feed.

Wir haben seit der letzten Folge eine lange Pause gemacht. Am Anfang erklären wir die Gründe dafür: den Umbau von Dietmars Agentur und bei mir das Engagement in der Klimabewegung verbunden mit einer immer kritischeren Haltung zum Marketing. In dem Gespräch haben wir, glaube ich, einen guten Ausgangspunkt für weitere Folgen gefunden. Ich hoffe, dass wir weitermachen werden, auch weil ich meine immer wachstumskritischere Position gerne mit anderen konfrontieren möchten, um nicht in ein diskursives Abseits zu geraten. Ich hoffe, dass sich Dietmar dadurch nicht missbraucht fühlt.

Beim nächsten Mal wollen wir über Sascha Lobos Realitätsschock diskutieren, das Dietmar kennt, ich noch nicht. Ich freue mich auf die Lektüre.
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Vor ein paar Tagen habe ich den Essay Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? gelesen, in dem Jonathan Franzen feststellt, dass der Kampf gegen die globale Erhitzung schon verloren sei und man sich stattdessen da engagieren soll, wo man tatsächlich etwas erreichen kann: für Menschen und andere Lebewesen in der eigenen Umgebung.

Franzen schreibt mit einer Haltung, die man auch als gesunden Menschenverstand bezeichnet. In seinem Essay drückt er auf wenigen Seiten so ziemlich alles aus, was mir gegen den Strich geht—sicher auch, weil ich befürchte, dass er Recht hat oder ihm die Zukunft Recht geben wird. Dieser Haltung zu widersprechen und anders zu handeln, als es sich aus dieser Haltung ergibt, ist anstrengend. Franzen will seine Leser darin bestätigen, dass sich diese Anstrengung nicht lohnt.

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