Blick von Mala Učka am Berg Vojak über Istrien in Richtung Venedig

Blick von Mala Učka am Berg Vojak über Istrien in Richtung Venedig

Am letzten Wochenende waren wir in Kroatien, in Karlovac, Ičići und dann in Zagreb. Wir haben uns von unserer Freundin Erika verabschiedet, die im Juli gestorben ist. Erika hatte schon lange Krebs, das wussten wir. Wir haben aber nicht geglaubt, dass diese Krankheit sie einfach wegnehmen würde. Ich bin nicht sicher, ob sie es selbst erwartet hat. Wir waren und sind so ratlos wie ihr Freund, der in ihren letzten Wochen immer mit ihr zusammen war – nach der Corona-Zeit, in der er nicht aus der Lombardei hinausdurfte und Erika in Graz völlig allein im Krankenhaus lag.

Das Wochenende war drückend heiss. Wir haben viele Menschen kennengelernt, die für unsere Freundin wichtig waren und denen sie wichtig war. Gemeinsam zu trauern schafft eine Verbundenheit, die ich nicht kannte, selbst zwischen Menschen, die sich nie gesehen haben. Die Intimität, für die der Tod sorgt, ist stärker als jedes social distancing.

Erika war nicht religiös, jedenfalls nicht katholisch. Sie wurde nach ihrem Tod eingeäschert—wir haben vermutet, dass das ihrem Willen entsprach. Sie wurde in Karlovac neben ihrem Bruder beigesetzt. Erikas Bruder wurde im Kroatien-Krieg von einem Gleichaltrigen erschossen, der mit seiner Waffe spielte. Er war gerade erst erwachsen geworden. Erika ist über diesen besonders absurden Tod nie hinweggekommen. Als ich sie kennenlernte, hat sie eine Ausstellung dazu geplant. Sie hat sich später mit dem Schützen getroffen und blieb mit ihm in Verbindung. So hat sie versucht, nicht hart zu werden.

In Ičići hatte Erika eine kleine Ferienwohnung. Erika hat meist an mehreren Orten zugleich gelebt, aber in Ičići hat sie sich am wohlsten gefühlt. Wir haben einen kleinen Teil ihrer Asche im Meer, in ihrem Garten und auf einem Berg verstreut. Ich bin selbst so katholisch, dass mir solche privaten Rituale etwas riskant vorkommen (so wie das private Ritual, mit dem wir vor ein paar Jahren unsere Hochzeit auf Šipan gefeiert haben). Einmal habe ich versteckt ein Kreuzzeichen gemacht.

Den Namen Ičići habe ich von meinen Reisen auf die Insel Cres in Erinnerung. Er kam mir typisch kroatisch vor. Kroatien war damals für mich ein exotisches Land. Diesmal haben wir immer wieder auf Cres geschaut, vom Lungomare aus und, noch besser, von oben aus dem Gebirge. Ich hätte nie gedacht, einmal fast zu einem Familienbesuch hierhin zu kommen. Auch der Tag in Karlovac war eine seltsame Wiederholung. Fast genau ein Jahr vorher waren wir mit Anas Kindern in Karlovac, auf dem Weg nach Žirje. Nach Erikas Beisetzung haben wir von einer Terrasse auf die Stelle eines Flusses geschaut, an der wir damals gebadet haben.

Wir sind mit dem Bus zurück nach Graz gefahren und haben unterwegs Anas Tante in Zagreb besucht. An den Grenzen mussten alle Insassen des Busses dreimal aussteigen, in einer Schlange vor den Ordnungskräften warten und sich auf Ausweise oder erhöhte Temperatur kontrollieren lassen. Menschen, die vom Balkan kommen, sind in Mitteleuropa geduldet, aber nicht erwünscht. Erika hat auch über ein Ausstellungsprojekt nachgedacht, das diese Erfahrung von Grenzen verarbeitet, der Title war Smuggling.

Gestern habe ich die lange Reportage über Migration in der Klimakrise The Great Climate Migration Has Begun im New York Times Magazine gelesen. Im Fokus steht die Migration aus Mittelamerika in die USA oder—für die, die nicht so weit kommen—nach Mexiko. Berichte über Einzelschicksale von Migrantinnen und Migranten aus Guatemala und El Salvodor bilden aber nur eine Ebene des Textes und der Fotografien. Der Text macht es möglich, sich in die Leiden der Betroffenen einzufühlen, und er zeigt die Größenordnungen dieses Leids durch laufende Wechsel der Perspektive auf das Schicksal von Millionen und Milliarden. Auch wenn man sich schon lange intensiv mit der globalen Erhitzung und ihren Folgen beschäftigt hat, ist man von diesem Text betroffen. Am Ende fasst Abrahm Lustgarten zusammen, dass jedes Grad zusätzlicher Erwärmung für etwa eine Milliarde Menschen bedeutet, dass sie ihre Lebensgrundlagen verlieren und migrieren müssen: in die reichen Länder, wenn sie sehr erfolgreich sind, oder in die großen Städte des eigenen Landes oder der Gebiete zwischen ihrer ursprünglichen Heimat und dem globalen Norden, wenn sie nicht alle Mauern und Absperrungen nicht überwinden können.

A few days ago I read an interview for the 101st birthday of William Lovelock. Lovelock points out that he made his Gaia hypothesis not as a scientist but as an engineer. He has, I understand, been involved with measurement and control techniques and has therefore studied the Earth as a self-regulating system.

A little later I came across a somewhat older lecture by Tim Bernes-Lee through Teodora : Hypertext and Our Collective Destiny. Berners-Lee also has a global perspective, and he too sees himself as an engineer, not a theorist. In the lecture, Berners-Lee asks how to use the web, and especially how to use its core, the link, in such a way that it serves to connect humanity more closely. The opposite of this, which Berners-Lee calls

link - $

has been accepted so far. Unfortunately, this formula also describes what links and content are mostly used for in content strategy.

At the moment the question of what content strategy for degrowth might look like is behind everything I write. I like the engineering approach to content. I wonder if content strategy for degrowth could be understood as the development of content that is used to ensure that the web is used as well as possible to realize an economy and society within the planetary boundaries. That would be the alternative model to content strategy for economic growth, where content is used to make companies as profitable as possible. User experience is equally important for both.

What is crucial here is the linking of content, which is only one aspect of connecting the people (and other actors) who use content. This linking facilitates cooperative action, i.e. to cooperatively achieve Earth Stewardship, which mankind needs if it wants to preserve its civilization. This kind of cooperation has been realized in science and software development. In a degrowth economy, it needs to be geared toward collaborative control of material flows, allowing the environment to regenerate itself rather than being exploited.

What is the connection between the macro-level (Earth system, World Wide Web) and the micro-level of the individual users or actors? Tim Berners-Lee uses the metaphor of fractals: The same structures are repeated in ascending order from the micro level to the macro level. For a life within the limits of the earth, Bruno Latour has proposed to take stock of what the actors need for their lives and to shape society through negotiations based on the networks resulting from these stock-takings. Berners-Lee’s metaphor and Latour’s proposal are certainly under-complex, but at least they open up possibilities for thought. It is precisely at this level that content strategy for degrowth would come into play. It would, together with other practices, contribute to the exchange and reflection of information and thus to the cooperation necessary for a post-growth society at all levels.

Einige der bekanntesten Vertreter der Erdsystemwissenschaft haben jetzt in The emergence and evolution of Earth System Science (Steffen et al. 2020) die Geschichte dieser, wie es in dem Artikel heisst, transdisziplinären Wissenschaft dargestellt. Der Artikel macht verständlich, in welchen wissenschaftlichen Zusammenhang Publikationen zu den planetaren Grenzen, zum Anthropozän und zu Kipp-Punkten und Kaskaden von Kipp-Punkten gehören.

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Jacques Fontanille entwirft in Pratiques sémiotiques (Fontanille 2008) ein Modell semiotischer Ebenen, das von den Zeichen auf der untersten bis zu den Lebensformen auf der obersten Ebene reicht. Jede dieser Ebenen lässt sich, das ist seine These, semiotisch als Dualität von Ausdrucks- und Bedeutungsseite analysieren.

Ich lese Fontanilles Buch gerade und kann seinen Ansatz nicht im Detail beurteilen oder referieren. Mir sind einige Ausgangspunkte seiner Theorie bekannt, weil ich mich im Studium mit der Semiotik von Fontanilles Lehrer A. J. Greimas beschäftigt habe.

Stark vereinfacht kann man davon sprechen, dass im Modell Fontanilles bei einem semiotischen Prozess mehrere Ebenen involviert sind: Weiterlesen

Ich beschäftige mich gerade mit einer detaillierten Untersuchung der Beziehungen zwischen Konsum und Treibhausgas-Emissionen (Dubois et al. 2019). Einerseits finden sich darin sehr genaue Angaben dazu, welche Rolle der Verbrauch der Haushalte für die Erhitzung der Erdatmosphäre spielt. Insgesamt seien die Haushalte durch ihren Verbrauch für 72% der Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich, und das vor allem in den Bereichen Mobilität (Autoverkehr und Flüge) und Lebensmittelkonsum (Fleisch- und Milchprodukte). Andererseits haben die Autorinnen und Autoren untersucht, wie man Haushalte zu einer Verringerung der Emissionen bringen kann. Ein Ergebnis ist, dass es utopisch wäre, auf eine nennenswerte Reduktion der Emissionen nur durch bewusste Veränderung des Konsumverhaltens zu setzen. Die Haushalte, also die Verbraucherinnen und Verbraucher, werden ihr Verhalten nur verändern, wenn sich die Policies der Regierungen ändern, wenn also politisch entschlossen gegen klimaschädlichen Konsum vorgegangen wird und umgekehrt klimafreundliches Verhalten gefördert wird. (Nicht im Fokus dieser Untersuchung stehen soziale und globale Unterschiede, also der Anteil der Reichsten—sowohl in bestimmten Ländern als auch weltweit—an den CO2-Emissionen. Siehe dazu u.a. Oswald, Owen, and Steinberger (2020), Wiedmann et al. (2020) und Ivanova and Wood (2020).) Weiterlesen

Katastophennachrichten über das Klima folgen immer schneller aufeinander (Tharoor 2020). Die Waldbrände in Sibirien, aber auch die Hitze hier in Europa sind Signale dafür, dass wir inzwischen auf dem steil nach oben zeigenden Teil des Hockeyschlägers angelangt sind, der durch Michael Mann zu einem Symbol der Klimakrise geworden ist.

Ich habe einen Tag aufgeschoben, Witnessing the Unthinkable von Joëlle Gergis zu lesen, das ich über Twitter entdeckt habe. Ich zögere, Texte über ökologische Zerstörungen, über Ökozide (Kloetzli 2020) zu lesen, obwohl ich mich beinahe jeden Tag mit Themen beschäftige, die mit der Überschreitung der Planetary Bondaries zu tun haben. Ich kann mich mit der Vorstellung, dass vieles von dem, was die Erde heute ausmacht, unrettbar verloren ist, nicht abfinden.

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Am Montagabend habe ich mich mit einigen Leuten aus dem Griesviertel getroffen, die wie Ana und ich Einspruch gegen einen Straßentunnel in unserer Nähe eingelegt haben, weil er zu noch mehr Autoverkehr in einem Viertel führen würde, in dem Lärm und Feinstaub schon jetzt die Gesundheit gefährden. Das Verfahren geht in die nächste Runde, und wir müssen alle noch einmal eine Stellungnahme abgeben. Einige der Leute, die widersprochen haben, kennen sich mit der Stadtentwicklung und Verkehrsplanung sehr gut aus. Ich habe wieder einmal viel gelernt (und wünsche mir dieselbe Gründlichkeit in der Content-Strategie).

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Ich versuche, Content-Strategie als Teil einer sehr breit verstandenen Semiotik zu verstehen. Anlass ist für mich ein Aufsatz Bruno Latours (Latour, 1998b, französisches Manuskript: Latour (1998a)). Mich interessieren dabei vor allem zwei Punkte:

  1. Die énonciation, die Äußerung eines Inhalts, ist entscheidend für das Verständnis des Inhalts—die Interpretation des Inhalts (ohne die es ihn nicht geben kann) erzeugt immer Bezüge zu den Situationen des Akteurs, der den Inhalt äußert (französisch: énonciateur), und des Akteurs, an den er gerichtet ist (französich: énonciataire).
  2. Diese Situationen werden in der Semiotik nicht als gegebene, außersprachliche Kontexte beschrieben, sondern sie sind selbst nur über Inhalte/Äußerungen/Semiosen erfassbar.

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