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Kleine BarCamps, kleine MOOCs

Ist der #MMC13, an dem ich gerade als Organisator teilnehme, tatsächlich ein Massive Open Online Course, oder handelt es sich eigentlich um einen zentralisierten Kurs, der von den Organisatoren gesteuert und kontrolliert wird? Unter anderem haben meine Kollegin Jutta Pauschenwein und Jasmin Hamideh diese Frage gestellt. Sie fühlen sich von uns stärker betreut und kontrolliert als bei den MOOCs, an denen sie bisher teilgenommen haben, z.B. solchen, die George Siemens und Stephen Downes selbst organisiert haben.

Ich habe noch keine Antwort auf diese Frage, die mich befriedigt. Tatsächlich geben wir relativ viel vor. Es gibt ein dichtes Programm, Dörte und Monika reagieren laufend und schnell auf die Community, und wir arbeiten mit mehr und genauer definierten Rollen als in anderen MOOCs. Dörte und Monika haben viele Erfahrungen, die sie im klassischen Fernunterricht gemacht haben, benutzt, um diesen Kurs so zu gestalten, dass die Teilnehmerinnen immer wieder angesprochen und aktiviert werden.

Ich bin selbst ein MOOC-Newbie und kann nicht sagen, worin sich der Kurs, den wir gerade machen, als Erfahrung von anderen cMOOCs unterscheidet. Aber mir fällt eine Analogie bei den BarCamps ein—da habe ich schon an vielen teilgenommen: Auch dort gibt es große Veranstaltungen, bei denen die Organisatorinnen schon wegen der Zahl der Teilnehmer fast unsichtbar werden, und kleine Veranstaltungen. Von beiden Typen habe ich schon sehr profitiert. Exemplarisch für die erste Form ist dabei für mich ein BarCamp auf dem Münchner Messegelände, bei dem Hunderte disziplinierter deutscher Geeks und Nerds Session um Session besuchten, als würden sie Publikationen des Heise-Verlags verschlingen. Die schönsten BarCamps des zweiten Typs waren für mich die Unkonferenz, die Elmine Wijnia und Ton Zylstra zu Tons 40em Geburtstag veranstaltet haben, und das erste AlmCamp, das Monika und Achim Meurer in Kärnten organisiert haben. Für die Atmosphäre dieser kleinen BarCamps spielt die Haltung der Organisatoren eine große Rolle. In Graz war ich selbst schon an beiden Typen beteiligt (wobei andere die Hauptarbeit in den Orga-Teams erledigt haben): an inzwischen drei “großen” Grazer BarCamps (die wiederum aus vier und mehr kleinen Camps bestehen) und einem “kleinen” OpenCamp. Ich besuche lieber die kleinen Camps (ich gehe auch lieber auf Parties als auf Bälle), und einige meiner Bekannten haben solche Veranstaltungen als ihre schönsten Camps in Erinnerung.

Der hat zwar viel mehr Teilnehmer als die kleinen BarCamps, bei denen ich mitgemacht habe, aber trotzdem ist er überschaubarer als andere MOOCS, und die Organisatorinnen und die Teilnehmer können leicht miteinander kommunizieren. Wir organisieren den Kurs als Hangout-WG und in unserer Freizeit (unsere Arbeitgeber tolerieren Überschneidungen mit unseren Jobs, dafür sind wir ihnen dankbar). Im Format sind wir also den kleineren, persönlichen BarCamps näher als den großen. Ich habe vorher nicht darüber nachgedacht, in welchem Verhältnis Teilnehmerzahlen und Format zueinander stehen—aber Juttas Reflexion bringt mich darauf, dass das ein wichtiges Thema ist. Vielleicht muss man bei einem “kleineren MOOC” den persönlichen und spontanen Charakter des Kurses besonders betonen, um den offenen Charakter des Events zu erhalten. Und wie bei vielen Parties laden die Organisatorinnen ein—aber sie sind nicht für die ganze Bewirtung und die Musik zuständig. Alles, was die Gäste mitbringen, ist willkommen—vor allem, wenn es eine Überraschung ist.

Noch eine präwissenschaftliche Überlegung zur Größe eines MOOC und den Beziehungen: Die Teilnehmerzahl 150 als “Untergrenze” für die aktiven Teilnehmer geht auf die Dunbar-Zahl zurück. Dunbars Thesen sind nicht unumstritten; in Networked kommen Barry Wellman und Lee Rainee zu anderen Größen für menschliche Beziehungsnetze. Wichtiger als die Zahl der Teilnehmer eines MOOC ist vielleicht, wieviel Serendipity durch die unterschiedliche Zusammensetzung ermöglicht wird. Um noch einmal die Analogie mit einer Party zu bemühen: Parties, bei denen sich alle Gäste schon kennen, sind meist öd.

Ich möchte nicht als Mitorganisator des eine Verteidigungsposition einnehmen und Dörte, Monika und mich rechtfertigen. Ich hoffe, dass dieses Post weder als Defensivmaßnahme noch als fishing for compliments verstanden wird. Mir geht es um die Faktoren, die einen MOOC beeinflussen, und natürlich auch um Korrekturen, falls wir in eine falsche Richtung steuern.

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