Norbert Bolz schreibt in Medienkompetenz und Weltwissen:

Was einer heute weiß, ist das recht zufällige Resultat riskanter Selektionen. Mit Bildung im humanistischen Sinn hat das nichts mehr zu tun. Statt Bildung fordert der Markt ein Lernen des Lernens. In der modernen Welt kann man nicht mehr für das Leben lernen, sondern macht die fundamentale Erfahrung: je mehr man gelernt hat, um so mehr muss man noch lernen. [Texte zur Medientheorie, p.328]

Zufällig bin ich vor ein paar Tagen auf diesen Text gestoßen. Am selben Abend twitterte mir Colin Gregory-Moores:

@heinz We have long paid lip service 2 non-hierarchical learning, but neglected the prerequisites: high-level literacy & critical thinking.

Ich mache immer wieder dieselbe Erfahrung. Nicht-hierarchisches Lernen — selbstgesteuertes Lernen, das sich nicht an fixen Autoritäten und Wissenshierarchien orientieren kann — setzt ein hohes Maß an Bildung und Kritikfähigkeit voraus. Dem Satz von Norbert Bolz würde ich entgegenhalten: Lernen des Lernens funktioniert nicht ohne Bildung — oder: Es ist eine ihrer wichtigsten Komponenten.

3 thoughts on “Lernen statt Bildung?

  1. ich glaube wirklich, dass das große problem an der ganzen sache die kritikfähigkeit ist. wenn professoren sich angegriffen fühlen, weil man ihre lehrmethoden kritisch hinterfragt und dann aussagen kommen, wie: “ich werde vom land […] dafür bezahlt, dass ich mehr weiß als sie” (dies ist ein zitat!!!), dann muss ich mich fragen, ob es diese person überhaupt noch verdient, an einer modernen hochschule zu lehren.
    es ist an der zeit, umzudenken. es ist an der zeit, alte lehrmuster zu durchbrechen und an neuen zu arbeiten. und die neuen auch zuzulassen, mit der zeit zu gehen, seine lehrmethoden weiterzuentwickeln und anzupassen.

  2. Es ist klar, dass Leute, die sich nicht kritiseren lassen, auch nicht zur Kritikfähigkeit erziehen können. Es gibt aber auch umgekehrt das Problem, Studenten, die auf feste Orientierung aus sind, dazu zu bringen, kritisch zu werden. Das ist genau das Dilemma, um das es in dem Tweet geht. Man braucht dazu wohl indirekte oder dialektische Methoden.

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