Eszter Hargittai und Keith Hampton: Facebook ist nicht schuld an Trump

In meinem letzten Post habe ich den Artikel Stop blaming Facebook for Trump’s election win zitiert, über den ich eigentlich schon bloggen wollte, als er erschienen ist. In diesem Artikel beschreiben eine Medienwissenschaftlerin und ein Medienwissenschaftler Faktoren, die zur Wahl von Donald Trump geführt haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass man Facebook und Twitter auf gar keinen Fall die Schuld am Sieg Trumps geben kann. Der Artikel enthält sehr viele interessante Punkte und Links zu Forschungsarbeiten, die populäre Mythen über das Netz in Frage stellen. Über die Websites von Eszter Hargittai und Keith Hampton findet man mehr und neueres Material.

Weiterlesen Eszter Hargittai und Keith Hampton: Facebook ist nicht schuld an Trump

Toxic? Social Media sind nicht die Schuldigen am rechten Hass

Ich habe gestern etwas über die Spaltung in den westlichen Gesellschaften notiert: Auf der einen Seite die, die schon mehr oder weniger in der postindustriellen Gesellschaft leben, und auf der anderen Seite die, die in den geschlossenen Nationalstaaten des 20. Jahrhunderts leben wollen. Wenn die Situation heute Ähnlichkeit mit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hat, dann vielleicht am ehesten deshalb: Auch damals sind große Teile der Bevölkerung nicht mitgekommen oder nicht mitgenommen worden und haben auf rückwärtsgewandte und scheinbar starke Führungsfiguren mit grotesken Ideologien vertraut. Ich will damit nicht sagen, dass ich die Veränderungen in der Gegenwart als linearen Fortschritt interpretiere. Ich benutze auch den Ausdruck Gesellschaft nur näherungsweise.

Weiterlesen Toxic? Social Media sind nicht die Schuldigen am rechten Hass

Lost in the Cloud? #27: Stories–Newsfeed–Timeline

Gemeinsam ist den Themen, über die Dietmar und ich diesmal gesprochen haben, dass es um Social Media und News geht. Sonst hängen sie vor allem dadurch zusammen, dass wir die entsprechenden Links in den letzten Wochen gefunden haben.

Lost in the Cloud? #27 Stories – Newsfeed – Timeline
40 Minuten zu Social Media und News mit Dietmar Muchitsch und mir, 5. November 2018

Im Nachhinein denke ich, dass wir von unterschiedlichen Punkten aus auf dasselbe schauen: die Änderungen der Social Media-Nutzung und ihre Folgen, und zwar da, wo sie kommerzielle und politische Konsequenzen hat. Ich merke, dass ich mich selbst immer mehr von einer kommerziellen oder Marketing-Perspektive entferne, aber auch deshalb ist mir dieser Austausch und eine andere Perspektive wichtig. Ich möchte etwas verstehen und nicht nur aus einer Position interpretieren.

Weiterlesen Lost in the Cloud? #27: Stories–Newsfeed–Timeline

Midterms

Gestern war der Tag der Midterms in den USA, jetzt gerade ist die Zählung bei 218 Sitzen für die Demokraten im Repräsentantenhaus, also der Mehrheit. Die New York Times schreibt, dass sich die Spaltung des Landes wohl vertieft hat. (Update, 14:00: Jetzt in einer ausführlicheren Analyse: Midterm Election Results: 4 Key Takeaways). Genau wie in Europa gibt es eine Kluft zwischen den urbanen Bezirken, in denen es wirtschaftlich gut geht, und den ländlichen Zonen und wahrscheinlich auch manchen alten Industriestandorten. Diese Spaltung lässt sich mit einem Schema wie Bourgeoisie gegen Proletariat und seinen Abkömmlingen nicht erfassen, und daran müssen die Versuche scheitern, eine traditionelle linke Politik wiederzubeleben. Es ist aber auch klar, dass sich die alte Linke in zwei Gruppen aufspaltet: Diejenigen, die die Verlierer des Endes der alten Industriegesellschaft vertreten und nationalistisch und antiliberal argumentieren (Mélenchon, Wagenknecht) und diejenigen, die innerhalb der neuen digitalisierten, globalisierten oder wie immer man es nennen will, Strukturen gegen den Marktliberalismus und seine Folgen kämpfen (Varoufakis, Hamon, viele Grüne). Auf der Rechten gibt es einen ganz ähnlichen Unterschied zwischen wirtschaftsliberalen Konservativen (wie vielleicht jetzt Merz in Deutschland) und den Nationalisten und Autoritären. Zwischen diesen Lagern geht die liberale Mitte fließend in die liberalen Teilen der Rechten und Linken über. Diese Fraktionierung wird von den Parteien nur z.T. abgebildet – am besten vielleicht noch in Frankreich. Und Mehrheiten kommen nur durch Koalitionen jenseits der alten Lager zusammen, etwas durch Bündnisse der liberalen und antiliberalen Rechten oder die “nicht rechts – nicht links”-Politik von Macron und auch der GroKo in Deutschland.

Noch ein Update, 14:20: Michael Meyer schreibt, auch in Hinblick auf die Midterms, über den Cultural Divide und nennt eine Reihe von Texten dazu: It’s the culture, stupid!.

Was unterrichten wir?

In der letzten Woche hat am Studiengang Content-Strategie die erste Präsenzwoche des Wintersemesters stattgefunden. Dabei haben wir die Studentinnen und Studenten des neuen Jahrgangs (Hashtag #cos18) begrüßt. Im folgenden der Text, den ich mir für meine Einleitung notiert habe. Vorgetragen habe ich ich ihn dann auf EU-Englisch und mich sicher von meinen Notizen entfernt.

Vielleicht wirkt der Text etwas streng. Gedacht ist er als eine Einladung zum Mitmachen—ich hoffe, dass ich das mündlich auch vermitteln konnte.

Weiterlesen Was unterrichten wir?

Tons Todo-List für das IndieWebCamp

IndieWebCamp Potential List of Things to Do by Ton ZijlstraTon Zijlstra (Interdependent Thoughts)
In just over a week I will be joining the Nuremberg IndieWebCamp, together with Frank Meeuwsen. As I said earlier, like Frank, I’m wondering what I could be working on, talking about, or sharing at the event. Especially as the event is set up to not just talk but also build things. So I went throu...

Danke, Ton, für die ToDo-List für das IndieWebCamp in Nürnberg. Ich kann leider nicht kommen, weil wir am Studiengang die erste Präsenzwoche in diesem Semester haben. Bin gespannt., was herauskommt—besonders wegen der Punkte zu RSS!

Versuch zu erklären, wie wir Content-Strategie unterrichten

Gestern hatten Lea und ich eine Zoom-Session mit Marie-Christine Schindler. Marie-Christine wird im Studiengang die Lehrveranstaltung zu Organisationskommunikation und PR übernehmen (die wir praxisnäher gestalten, als sie zunächst geplant war). Wir haben ihr erklärt, wie der Unterricht bei uns organisiert ist.

Bei dieser Gelegenheit habe ich—auch danke Marie-Christines Genauigkeit—wieder gemerkt, dass wir inzwischen ein ziemlich komplexes System entwickelt haben, das für Menschen, die damit zum ersten Mal in Berührung kommen, schwer zu verstehen ist. Ich versuche, den letzten Stand dieses Systems zu beschreiben, nicht nur um es Außenstehenden zu erklären, sondern auch, weil uns das hoffentlich dabei hilft, das System zu vereinfachen.

Weiterlesen Versuch zu erklären, wie wir Content-Strategie unterrichten

Populismus als politisches Content Marketing?

Gestern habe ich in einer Lehrveranstaltung versucht, den Begriff Content Marketing zu erklären (hier meine unfertige Präsentation). Ich bin dabei davon ausgegangen, dass sich in der vernetzten Gesellschaft die Beziehungen von Marken zu Verbrauchern grundlegend ändern. Marken werden zu kontinuierlich präsenten Anbietern, von denen man Problemlösungen erwartet, und mit denen man sich identifizieren kann. Content Marketing wird zum Standard, denn ohne Inhalte wären die Beziehungen zwischen Marken und Verbrauchern in einer digitalisierten Realität gar nicht möglich. Parallel dazu verlieren die herkömmlichen, zentralisierten Medien an Bedeutung und stehen als Mittel der Kommunikation mit den Verbrauchern, im Fall von Marken also der Werbung, nur noch bedingt zur Verfügung. Gleichzeitig steigt die Menge der medialen Angebote so sehr, dass Aufmerksamkeit zu einem viel wichtigeren Faktor für die Wirkung von Inhalten wird als die Kontrolle von Kanälen.

Weiterlesen Populismus als politisches Content Marketing?

Lost in the Cloud? #26 – Bericht von der Conversations 2018

Lost in the Cloud? #26–Bericht von der Conversations Conference

Nach einer Pause sind wir wieder mit unserem Videocast online. Dietmar berichtet von der Conversations 2018. Mir ist erst bei dieser Unterhaltung aufgegangen, dass Messenger (und damit Bots) einen eigenen Zugang zu Online-Informationen darstellen, gleichberechtigt neben Abonnements, dem Teilen/Pushen auf Social Media und der Suche. Das Hashtag der Konferenz war #conversations2018. Hier noch ein paar ergänzende Links: Mikael Yan, The Future of Messaging (Video von der Konferenz), Fireside Talk with Stefanos Loukakos, Facebook (Video von der Konferenz), The Benefits of Conversations (Blogpost über die Konferenz).

Wir haben uns dann noch kurz über Tim Berners-Lees Engagement für Inrupt unterhalten. Richie Pettauer erklärt den Hintergrund gut in: Tim Berners Lee startet mit Solid. Außerdem habe ich berichtet, dass Marius Eschweiler von Leica in der vergangenen Woche an der FH über die Kooperation von Leica und Huawei gesprochen hat. Hier ein Link zu einem etwas marketinglastigen Artikel zu dieser Kooperation. Am interessantesten fand ich die Hinweise auf die Rolle der künstlichen Intelligenz in der Handyfotografie. Dazu von Huawei selbst: HUAWEI P20’S AI camera: Let Artificial Intelligence Do the Heavy Lifting.

Wir machen diese Videocast nicht nur, aber auch für uns selbst. Ich bin sehr froh, dass ich mit jemand diskutieren kann, der eine andere Perspektive auf die digitale Welt hat. Diesmal habe ich besonders viel dabei gelernt.

Das Web—Archipel statt Kontinent

Bei einer Veranstaltung des steirischen Herbst hat Dieter Halwachs auf Édouard Glissant und sein positives Verständnis der Kreolisierung hingewiesen.

Glissant hat sich als Dichter und als Theoretiker mit der Globalisierung beschäftigt—wobei er aber dem Begriff der Globalisierung (frz. Mondialisation) einen anderen, den der Mondialité entgegensetzt. Dieses Wort würde ich im Deutschen sowohl mit Globalität wie mit Weltlichkeit oder Welthaftigkeit wiedergeben. Mondialité meint die Welt als Horizont oder Bezugsrahmen der Handlungen der Einzelnen. Mondialisation ist dagegen die Vereinheitlichung der Welt durch ihre Unterwerfung unter kommerzielle, militärische und politische Interessen.

Weiterlesen Das Web—Archipel statt Kontinent