Ich habe vor zwei Wochen versucht, in einer Präsentation zu begründen, warum ich für degrowth, also für ein Rückwachstum eintrete. Dazu wollte ich einige wichtige Links sammeln. Ich bin im ersten Anlauf schnell gescheitert: Es gibt so viele solcher Informationen, dass es sehr schwer ist, zentrale von weniger zentralen Informationen zu trennen. Die Thematik ist zugleich so komplex, dass sich die Begründung nicht auf wenige einzelne Fakten reduzieren lässt. Außerdem kam es mir nicht auf reine Fakten an (wenn es sie gibt), sondern auf Zusammenhänge, auf die figurative oder Darstellungsebene, die man nicht von der Ebene der Fakten trennen kann.

Statt meine Präsentation abzuschließen, habe ich damit begonnen, journalistische Informationen zum Klimawandel und zur globalen Ungleichheit und Armut zu sammeln.

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Gestern bin ich durch einen Retweet von Edward Tufte auf einen Artikel der Kognitionspychologin Alison Gopnik aufmerksam geworden: How David Hume Helped Me Solve My Midlife Crisis.

Alison Gopnik erzählt darin zwei Geschichten: Die der Suche nach einem möglichen Einfluss des Buddhismus auf die Philosophie David Humes und die ihrer Erholung von einer schweren persönlichen Krise nach dem Ende ihrer Ehe. Mich hat die Recherche zu Hume noch mehr interessiert als die persönliche Geschichte Gopniks.

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Gestern Nachmittag haben wir in der Off_gallery zu einen Tag der offenen Tür mit Kinga Tóth eingeladen. Zum Abschluss fand nach einer Performance von Kinga ein Künstlergespräch statt, bei dem ich ihr einige Fragen stellen konnte.

Ich verstehe ihre Arbeitsweise jetzt etwas besser, aber ich bin noch dabei ihr Werk kennenzulernen. Die Ausstellung bleibt bis April geöffnet, ich werde sie mir selbst noch oft anschauen—auch, weil sie mitbestimmt, was aus dem Raum wird, den wir dort gestalten.

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Zu Anfang des Jahres haben Dietmar und ich unseren Podcast Lost in the Cloud? auf Audio umgestellt. Er ist bei Anchor und über alle anderen gängigen Podcast-Plattformen zu hören; ich arbeite noch daran, dass er auch im Open Web leicht zugänglich ist.

In der letzten Version haben Dietmar und ich mit Meike Leopold gesprochen, die gerade an der FH bei Public Communication unterrichtet hat. Es ging ganz allgemein um das Thema Content, und wir haben uns sehr konkret über Marketing mit sozialen Medien heute unterhalten. Wir sind immer auf drei Fragen zurückgekommen:

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Wir beschäftigen uns in der Content-Strategie oft mit Botschaftsarchitektur, konkret meist mit Margot Bloomsteins Methode, Kernbotschaften festzulegen. Ich empfehle Organisationen, die etwas publizieren, sich darüber klarzuwerden, was sie sind und was sie nicht sind. Aber habe ich hier in meinem Blog eine Botschaftsarchitektur? Ich habe mir bisher nicht einmal Gedanken darüber gemacht. Ich frage mich höchstens, zu welchen Themen ich mich halbwegs kompetent äußern kann.

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Am Wochenende hat mein Twitter-Stream immer wieder einen Clip mit einem Ausschnitt aus einer Sendung von Dieter Nuhr angespült. Darin gibt Nuhr den Schülern, die gegen den Klimawandel streiken, gute Ratschläge: Fleißig lernen, am Fortschritt arbeiten, nicht den Physikunterricht verpassen. Die ökologische Zukunft werde nicht aussehen wie ein Bauernhof des 19. Jahrhunderts.

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In welchem Ausmaß sind die Erfolge von Nationalisten in den letzten Jahren auf gezielte Manipulation mit sozialen Medien zurückzuführen? Wie lässt sich die Behauptung, dass solche Manipulationen eine große Rolle gespielt haben, belegen?

Ich habe keine Antwort auf diese Fragen. Ich stoße immer wieder auf Mosaiksteinchen einer Antwort, aber sie geben kein einheitliches Bild. Ende des letzten Jahres habe ich Network Propaganda gelesen—für mich der bisher aufschlussreichste Text zu diesem Thema. So wie ich ihn verstehe, ist das Ergebnis, dass für den Erfolg Trumps in den USA die Manipulation über soziale Medien nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. (Dazu passen die Ergebnisse von Eszter Hargittai und Keith Hampton, über die ich schon gebloggt habe.)

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In diesem Blog habe ich in der letzten Zeit öfter über Wachstum und décroissance geschrieben. Aber außer in meiner Familie habe ich selten mit jemand darüber gesprochen. Beim letzten #coscamp habe ich zusammen Angelika Wohofsky eine Session zu Content-Marketing und Nachhaltigkeit moderiert. Dabei ist mir klar geworden, dass die Argumente gegen das Wachstum, mit denen ich mich seit über einem Jahr immer wieder beschäftige, für fast jeden in meinem Umfeld unbekannt und meist auch unverständlich sind. Seitdem arbeite ich an einem Text, in dem ich diese Argumente ordne und auf Fakten zu ihrer Unterstützung verweise1. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich ideologisch argumentiere und mir eine Weltanschauung zusammenbastele—weniger persönlich formuliert: ob die radikale Kritik am Wirtschaftswachstum ideologisch ist.

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Gestern erste Ausstellungseröffnung in der Off_gallery. Wir werden sie auf der Website dokumentieren, die jetzt auch online ist (aber noch nicht eröffnet, so wie der Raum in der Griesgasse vor dem Start gestern). Wir stellen für die erste Ausstellung vor allem den Ort zur Verfügung, gemacht haben sie Kinga Tóth selbst und die Kulturvermittlung Steiermark.

Kinga Tóth in der Off_gallery Graz, 20.3.2019. Bild: Anstasija Georgi

Kinga Tóth hat den Abend auf mehreren Ebenenen und vielstimmig gestaltet, durch ihre Performance am Beginn, durch die ausgestellten Objekte—die zugleich Texte und Bilder sind—und diskursiv im Gespräch. Die Vielkanaligkeit (oder das Zurücklassen der Kanäle) und der Performance-Charakter—die Einmaligkeit der Aufführung oder Aktion—sind für ihre Art, Kunst zu machen, charakteristisch. Sie schreibt, gestaltet Sprache und gestaltet mit Sprache, und sie benutzt dabei alle medialen Dimensionen der Sprache und ein Kontinuum von der Geste und dem Laut bis zur fixierten Codierung und metasprachlichen Reflexion. Sie agiert vom spontanen Spielen mit gerade vorhandenen Objekten (z.B. der Leiter, die im Ausstellungsraum stand) bis zur politischen Aktion und Proklamation. (Zum ersten Mal gesehen habe ich Kinga Tóth bei der 60-Jahr-Feier des Forums Stadtpark, bei der sie die Situation in Österreich und in Ungarn aufeinander bezogen und präzise formuliert hat, worum es an diesem Abend ging.) Sie arbeitet auf allen Ebenen dialogisch, von der Improvisation (es waren einige Musiker da, mit denen sie zusammenarbeitet) bis zur Diskussion mit dem Publikum. Am ungewohntesten und faszinierendsten ist für mich das performative improvisierte oder situative Arbeiten mit der Sprache als Körper (sie spricht von living text bodies). Ich habe es bei ihren Vorgängern und Vorgängerinnen von den Dadaisten bis zur musique concrète nie so wahrgenommen, vielleicht weil bei Kinga Tóth die Performance-Tradition der Avantgarde mit der des Punk zusammenkommt.

Später am Abend hat Kinga Tóth Artificial Intelligence und die Sprache im Netz erwähnt. Ich finde es interessant zu überlegen, welche Beziehungen es zwischen ihrer Art eines entgrenzenden Umgangs der Sprache und den Hypertext-Konzepten z.B. von Teodora Petkova gibt, die mit Begriffen von Bahtin und Julia Kristeva beschreibt, was im Semantic Web stattfindet. Vielleicht kommen wir dazu bei dem Künstlergespräch, das für den nächsten Donnerstag geplant ist.