Gestern habe ich mir Abondance et liberté von Charbonnier als Ebook gekauft und den ersten Teil der Einleitung gelesen. Ich habe mir vorher noch ein Gespräch mit Charbonnier auf France Culture angehört.

Mein erster Eindruck ist, dass dieses Buch eine Basis für politisches Denken im Anthropozän formuliert. In dem Interview sagt Sylvain Bourmeau, Charbonniers Gesprächspartner, dass Charbonnier den Gedanken einer radikalen Politisierung aller ökologischen Fragen vertritt. Damit ist gemeint, dass er zeigt, dass alles, was bisher als Umweltfrage galt, also als Frage der Beziehung zu etwas außerhalb der Gesellschaft, heute zu einer politischen Frage geworden ist. Es ist auch gemeint, dass alle bisherigen politischen Fragen auch Fragen sind, die die Umwelt, oder besser: die nichtmenschlichen Komponenten der Gesellschaft betreffen.
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Durch einen Tweet von Bruno Latour bin ich auf das Buch Abondance et liberté von Pierre Charbonnier aufmerksam geworden, das gerade in Frankreich erschienen ist.

Latour sagt:

Man kann die Bedeutung von Pierre Charbonniers Buch “Abondance et liberté”, das am 2-1-20 veröffentlicht wurde, kaum überschätzen, denn es erlaubt uns zum ersten Mal, die sozialistische Tradition auf die radikalsten Aspekte der sogenannten “ökologischen” Themen aufzupfropfen.

(Das Wort greffer, das Latour benutzt, bezieht sich auf das Veredeln in der Landwirtschaft, und es wird auch im Sinne von transplantieren verwendet.)

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Am Freitag gebe ich wieder einmal bei der Summer Business School der FH ein Seminar zum Texten für das Web mit Google und Co., diesmal zusammen mit Carmen Ausserhuber. Zur Vorbereitung habe ich im Juli endlich das SEO-Buch von Franz Enzenhofer gelesen. Ich versuche gerade, in meine alte SEO-Präsentation einzuarbeiten, was ich dabei gelernt habe—und das ist ziemlich viel.

Cover von: Franz Enzenhofer, Understanding SEO
Cover von: Franz Enzenhofer, Understanding SEO

Hier ein Versuch, thesenartig einige der wichtigsten Aussagen des Buchs aufzulisten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Ordnung):

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Latour stellt zu Anfang seines Gaia-Buches die Frage, warum die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel so wirkungslos bleiben (siehe mein letztes Post dazu, indem ich einen ähnlichen Gedanken etwas anders formuliere). Er ruft nicht dazu auf, ihnen mit den üblichen Mitteln der Kommunikation mehr Nachdruck zu verschaffen. Die Strategie, die er vorschlägt, ist eine andere: das wissenschaftliche Arbeiten selbst als politisch zu begreifen, sich darüber klar zu werden, dass Wissenschaft schon immer Fakten öffentlich macht (auch im Sinne von: sie öffentlich produziert) und wissenschaftliche Forschung und politische Aktion integriert zu begreifen. Damit ist nicht gemeint—auch wenn solche Vorwürfe immer wieder gegen Latour erhoben wurden—dass wissenschaftliche Fakten willkürlich sind, dass sie, so wie es die Klimaskeptiker behaupten, aus dunklen Motiven fingiert würden. Gemeint ist vielmehr, dass es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den Methoden gibt, mit denen in der Wissenschaft und bei anderen sozialen Praktiken Fakten etabliert werden. Latour wendet sich gegen die Annahme, dass ein Graben die Wissenschaft von Politik und Gesellschaft trennt.

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Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser in Graz, 6.7.2019
Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser in Graz, 6.7.2019

Am Samstag hat Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser über James Joyce in Kakanien 1904 – 1915 gesprochen. Anlass dieses Literaturfrühstücks war das neuerschienene Buch James Joyce in Kakanien, in dem Stanzels Arbeiten zu diesem Thema gesammelt sind.

Stanzel hat nicht aus seinem Buch gelesen, sondern von Joyce und seiner Zeit in Triest erzählt—ohne zu erwarten, dass sein Publikum Joyce kennt. Einige Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßten Stanzel persönlich. Er hat Jahrzehnte Anglistik an der Karl Franzens Universität unterrichtet. Ich habe erst durch die Ankündigung der Veranstaltung entdeckt, dass Stanzel Grazer ist.

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Gestern bin ich durch einen Retweet von Edward Tufte auf einen Artikel der Kognitionspychologin Alison Gopnik aufmerksam geworden: How David Hume Helped Me Solve My Midlife Crisis.

Alison Gopnik erzählt darin zwei Geschichten: Die der Suche nach einem möglichen Einfluss des Buddhismus auf die Philosophie David Humes und die ihrer Erholung von einer schweren persönlichen Krise nach dem Ende ihrer Ehe. Mich hat die Recherche zu Hume noch mehr interessiert als die persönliche Geschichte Gopniks.

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Am Dienstag waren Ana und ich im Literaturhaus bei einer Lesung von Daniel Wisser und Philipp Weiss, moderiert von Zita Bereuter. Die Bücher, die Weiss und Wisser vorgestellt haben—Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen und Die Königin der Berge— sind sehr unterschiedlich. Jedes von ihnen hätte einen eigenen Abend verdient. (Ich werde hier Wissers Erzählung über einen MS-Patienten nicht gerecht—das liegt an meinen Interessen, nicht an der Qualität seines Texts. Eine gute Rezension gibt es im Falter.)

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Seit gut zwei Wochen mache ich Urlaub in Frankreich. In der ersten Woche habe ich in Paris zum ersten Mal seit fast 40 Jahren bei Gibert Jeune wieder die Regale für Humanwissenschaften gescannt. Gekauft habe ich mir schließlich La composition des mondes von Philippe Descola.
Cover von Philippe Descolas 'La composition des mondes'

Cover von Philippe Descolas ‘La composition des mondes’

Das Buch führt in Gesprächsform in das Werk Descolas ein. Der Gesprächspartner Pierre Charbonnier greift dabei nur als Stichwortgeber in den Gesprächsverlauf ein. Der Text ist so genau redigiert, dass sich einige Passagen fast wõrtlich in einem Aufsatz Descolas über sein Verhältnis zu seinem Lehrer Claude Lévi-Strauss und zum Strukturalismus wiederfinden. Weiterlesen

Corinna Milborn und Markus Breitenecker stützen ihre Argumentationen in Change the Game auf Beschreibungen sozialer und medialer Krisensymptome. Die Autoren schildern, wie Menschen auf Facebook persönlich verunglimpft und bis in den Tod getrieben werden, sie stellen dar, wie Fake News verbreitet werden, sie diskutieren Filterblasen und gehen darauf ein, dass Medien wie Facebook und YouTube Suchtcharakter haben, weil sie daraufhin optimiert wurden, die Userinnen und User so lange wie möglich zu fesseln. Milborn und Breitenecker machen zugleich deutlich, wie schwierig es für Medien mit herkömmlichen Geschäftsmodellen ist, in der von Facebook und Google geprägten Werbewelt zu überleben.

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