Gerade hat die Internet-Enquete-Kommission des deutschen Bundestags darüber abgestimmt, ob sie eine Arbeitsgruppe “Medienkompetenz” oder “Netzkompetenz” nennen soll—und sich für “Medienkompetenz” entschieden. (Vorbildlich, wie die Sitzung online zu verfolgen ist!) Anlass, ein Blogpost, über das ich heute schon mehrfach nachgedacht habe, endlich zu schreiben: Warum verwende ich den Ausdruck Web Literacy?

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Leider habe ich mir die Stelle nicht notiert—irgendwo habe ich zum Jahreswechsel gelesen, dass 2009 “Social Media” als Buzzword “Web 2.0” überholt hat. Ich habe den Eindruck, dass der Ausdruck, übrigens auch sein deutsches Pendant “soziale Medien”, oft schon selbstverständlich geworden ist. Mir selbst haben im letzten Jahr Internetausdrucker vorgeworfen, dass ich “Online-Journalismus” und “Soziale Medien” gleich setze. Anlässe, wieder einmal darüber nachzudenken, was mir diesem Ausdruck gemeint ist, und ob es sinnvoll ist, ihn zu benutzen.

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Doc Searls benutzt den Begiff Social Media ungern:

It’s natural to want to lump technologies and practices together into categories that bear Greater Significance. But for some reason we still drag along the limiting concepts that the new stuff should help us escape, no matter what we call it. [The Doc Searls Weblog : Tuesday, February 20, 2007.]

Searls will seine Arbeit nicht mit Plastikwörtern beschreiben:

I don’t think of my what I do here as production of "information" that others "consume"… I tihnk of it as writing that will hopefully inform readers… Inform is derived from the verb to form. When you inform me, you form me. You enlarge that which makes me most human: what I know. I am, to some degree, authored by you.

Ich möchte Social Media oder Soziale Medien trotzdem verwenden, weil ich einen Ausdruck mit diesem Bedeutungsspektrum brauche. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich unterrichte, und dass ich meine Themen jeden Tag von der reinen Webtechnik unterscheiden muss. Soziale Medien
glänzt für mich so wenig, dass es sich nicht lange zum Buzzword eignet.

Doc Searls erwähnt in seinem Posting übrigens nicht, dass er sich nicht wie in einem Brief an bestimmte Leser wendet, sondern im Web publiziert und damit von jedem gelesen werden kann. Das ist, finde ich, eine Begründung dafür, einen Blog oder Podcast ein Medium zu nennen. Bei einem privaten Brief wäre das anders (auch wenn Medientheoretiker sicher auch vom Brief als einem Medium sprechen würden.) Gemeinsam ist Massenmedien und sozialen Medien, dass sie Technik gebrauchen, um das potentielle Publikum nicht von vornherein einzuschränken. Soziale Medien können private Kommunikationsformen als Mittel verwenden, aber es handelt sich bei ihnen nicht um private Unterhaltungen, weil sie sich anders beobachtbar machen.