Ich war in der letzten Woche in Dubrovnik. Es war eine Mischung aus Familienbesuch und Urlaub, ich habe etwas Kroatisch gelernt, und ich bin nicht viel zum Lesen und Schreiben gekommen. Ich habe aber immer wieder darüber nachgedacht, warum und was ich schreibe und lese.

Wenn ich nur 10 Minuten in meinen Twitter-Stream oder den Guardian schaue, versetzen mich Nachrichten über ökologische Katastrophen und den aktivistischen Widerstand dagegen in einen Alarmzustand, aus dem ich mich schwer lösen kann. Es gelingt mir nicht, diesen Alarmzustand so umzuformen, dass sich daraus ein kontinuierliches und begrenztes, lokales Handeln (oder Schreiben) ergibt, und das kann man an diesem Blog und meinem Microblog gut ablesen. Ich finde nicht zu einem business as usual, obwohl ich zum ersten Mal, seit ich angefangen habe zu arbeiten, genug Zeit habe, um nur noch zu tun, was mich interessiert.

Auf den Ausdruck business as usual komme ich durch einen Tweet des Londoner Bürgermeistes Sadiq Khan:

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Eric Holthaus bezeichnet sich auf seinem Twitter-Profil als Ecosocialist. Ich habe kurz darüber nachgedacht, ob ich dieses Label übernehmen soll. Ich würde niemand korrigieren, der mich so bezeichnet. Aber ich möchte mich nicht gerne selbst so klassifizieren. Die politische Haltung, zu der ich gerade finde (und über die ich hier immer wieder schreibe) ist vielleicht auch ökosozialistisch, aber sie hat einen anderen Kern. Wenn ich müsste, würde ich sie lieber mit Wörtern bezeichnen, die in die Gegenwart gehören. ist wahrscheinlich eine solche Bezeichnung.

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Gestern hat Ana eine gute Einführung in das Thema #degrowth auf Twitter">#degrowth gefunden:

Matthias Schmelzer: Degrowth–kurze Einführung in Konzept und Bewegung

Den Text von Matthias Schmelzers Vortrag gibt es als PDF.

Schmelzer beschreibt in einer halben Stunde die Motive der Wachstumskritik, die Geschichte der degrowth-Bewegung und ihre wichtigsten Themen, darunter die Kritik am Konzept eines grünen oder nachhaltigen Wachstums. Er argumentiert klar und unaufgeregt. Schmelzer hat viele andere Arbeiten zur Wachstumskritik verfasst, darunter ein einführendes Buch, das gerade erschienen ist. Gestern habe ich von ihm noch zwei Zeitungsartikel gelesen—einen in der FAZ (Postwachstumsgesellschaft und Degrowth: Neue Konzepte der Ökonomie), einem im Neuen Deutschland (Fridays for Future: Schüler politisieren die Zukunft).

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In diesem Blog habe ich in der letzten Zeit öfter über Wachstum und décroissance geschrieben. Aber außer in meiner Familie habe ich selten mit jemand darüber gesprochen. Beim letzten #coscamp habe ich zusammen Angelika Wohofsky eine Session zu Content-Marketing und Nachhaltigkeit moderiert. Dabei ist mir klar geworden, dass die Argumente gegen das Wachstum, mit denen ich mich seit über einem Jahr immer wieder beschäftige, für fast jeden in meinem Umfeld unbekannt und meist auch unverständlich sind. Seitdem arbeite ich an einem Text, in dem ich diese Argumente ordne und auf Fakten zu ihrer Unterstützung verweise1. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich ideologisch argumentiere und mir eine Weltanschauung zusammenbastele—weniger persönlich formuliert: ob die radikale Kritik am Wirtschaftswachstum ideologisch ist.

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Am Dienstag waren Ana und ich im Literaturhaus bei einer Lesung von Daniel Wisser und Philipp Weiss, moderiert von Zita Bereuter. Die Bücher, die Weiss und Wisser vorgestellt haben—Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen und Die Königin der Berge— sind sehr unterschiedlich. Jedes von ihnen hätte einen eigenen Abend verdient. (Ich werde hier Wissers Erzählung über einen MS-Patienten nicht gerecht—das liegt an meinen Interessen, nicht an der Qualität seines Texts. Eine gute Rezension gibt es im Falter.)

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Im letzten Jahr hat sich mein Leben nicht viel verändert. Aber ich habe das Gefühl, dass ich auf einige Veränderungen zugehe. Die wichtigste kommt dadurch zustande, dass ich seit Juni einen Enkel habe, also im Großvater-Alter angekommen bin. Gestern sind wir aus Berlin zurückgekommen, wo die ganze Familie Weihnachten gefeiert hat—zum ersten Mal nicht bei mir, sondern bei meinem Enkel Levi und seinen Eltern. Einen Enkel zu haben kommt mir viel weniger selbstverständlich vor als selbst Kinder zu haben. Es ist mit weniger Verantwortung verbunden, aber vielleicht mit mehr Ungewissheit.

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Ich mag den Ausdruck Digitalisierung nicht. Er dient dazu das zu verhindern, was er vorspiegelt: die Verwendung digitaler Techniken, um das Leben leichter, einfacher und angenehmer zu machen. Ausdrücke wie Digitalisierung oder, noch schlimmer, Industrie 4.0, werden von denen gebraucht, die mit digitalen Technologien die Wirtschaft stabilisieren wollen, die es vor der digitalen Technik gab: die industrielle Wachstumsgesellschaft.

Umschlag von "La décroissance"
Umschlag von “La décroissance”
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