Suzanne Simard
Suzanne Simard, Bildquelle: Wikimedia Commons

Ich habe gestern den letzten Wochenendpodcast der New York Times gehört, einer Reportage über die Forschungen Suzanne Simards über Wälder und Bäume. Der Podcast ist die Audioversion eines Artikels von Ferris Jabr (Twitter: (@ferrisjabr). Jabr, der gerade ein Buch über die Koevolution von Erde und Leben schreibt, berichtet über Simards Leben, über ihre Publikationen, über die Wirkung ihrer Arbeiten und die Kritik an ihnen. Sein Artikel ist gut belegt. Er ist ein Best Practice-Beispiel für Wissenschaftsjounalismus in der Zeit des ökologischen Zusammenbruchs—auch wenn die Zerstörung der Ökosysteme, von denen er berichtet, nicht sein Hauptthema ist.

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Seit Dienstagnacht habe ich täglich stundenlang die Berichte über die Wahlen in den USA verfolgt. Ich denke daneben weiter über die Beziehungen zwischen Journalismus und Wissenschaft nach. Beides hängt für mich zusammen. Was in den letzten Jahren in den USA passiert ist, gehört für mich zu der epistemic crisis (Benkler, Faris, and Roberts 2018), die es nötig macht, darüber zu reflektieren, worin der Wahrheitsanspruch von Tätigkeiten wie Journalismus und Content-Strategie besteht.

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Guter Beitrag über schlechten Wissenschaftsjournalismus. Wobei diese Relativierung von Wissenschaft durch Journalismus wohl nicht nur kommerzielle, sondern auch politische Motive hat wie bei den von Milliardären kontrollierten Pro-Trump- und Brexit-Medien.

“Das gesellschaftliche Dilemma besteht darin, dass die physikalische Realität und die gesellschaftliche Realität so auseinanderklafft, dass keine Partei im Bundestag einen politischen Plan zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels hat.”

“Millionen von Seite 3-Portraits des üblichen Rauf-und-Runterschreib-Journalismus kamen und kommen ohne Bezug auf diese fundamentale Menschheitskrise aus.”

Gestern habe ich die lange Reportage über Migration in der Klimakrise The Great Climate Migration Has Begun im New York Times Magazine gelesen. Im Fokus steht die Migration aus Mittelamerika in die USA oder—für die, die nicht so weit kommen—nach Mexiko. Berichte über Einzelschicksale von Migrantinnen und Migranten aus Guatemala und El Salvodor bilden aber nur eine Ebene des Textes und der Fotografien. Der Text macht es möglich, sich in die Leiden der Betroffenen einzufühlen, und er zeigt die Größenordnungen dieses Leids durch laufende Wechsel der Perspektive auf das Schicksal von Millionen und Milliarden. Auch wenn man sich schon lange intensiv mit der globalen Erhitzung und ihren Folgen beschäftigt hat, ist man von diesem Text betroffen. Am Ende fasst Abrahm Lustgarten zusammen, dass jedes Grad zusätzlicher Erwärmung für etwa eine Milliarde Menschen bedeutet, dass sie ihre Lebensgrundlagen verlieren und migrieren müssen: in die reichen Länder, wenn sie sehr erfolgreich sind, oder in die großen Städte des eigenen Landes oder der Gebiete zwischen ihrer ursprünglichen Heimat und dem globalen Norden, wenn sie nicht alle Mauern und Absperrungen nicht überwinden können.