Es gibt ein neues Buch von Timothy Mitchell, den ich sehr schätze. Er analysiert den Kapitalismus mit einer an Latour geschulten Methodik:
RE: https://mastodon.social/@surplusmagazin/116758902223986116
Eva Kaiser: Sie sagen also, die #Industrialisierung und mit ihr der Durchbruch moderner Technologien waren ein Nebenprodukt oder auch Vehikel für die Aneignung unverdienten #Reichtums. Welche Rolle spielten die #Wirtschaftswissenschaften bei der Rechtfertigung von Reichtum und ökologischer Zerstörung?
#TimothyMitchell: Bekanntermaßen hat die #neoklassischeÖkonomie da große Arbeit geleistet. Was mich in diesem Zusammenhang und vor allem im Hinblick auf unsere heutigen Krisen besonders interessiert, ist die Erfindung des #Wachstums. Dessen Kennzahl – das #Bruttoinlandsprodukt – misst keine wirkliche Verbesserung, sondern die zunehmende Zirkulation von Zahlungen. Erfunden wurde das moderne #BIP im Wesentlichen während des 2. Weltkrieges, um die Kriegsproduktion im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verständlich zu machen. Frühere Wirtschaftsrechnungsmodelle, die sich auf nationalen #Wohlstand oder #Wohlergehen konzentrierten, scheiterten immer daran, schädliche Ausgaben nicht mitzählen zu können, also beispielsweise #ökologischeKosten oder Kosten für die Beseitigung von Schäden oder die Behandlung von Krankheiten. In Kriegszeiten waren die größten Posten dieser Art natürlich die Waffenproduktion und das Militär. Mit der Einführung des BIP wurde nun keinen Unterschied mehr gemacht zwischen förderlichen und schädlichen Ausgaben. Gemessen wurde ab sofort nur noch die zunehmende Zirkulation von Zahlungen. Auf diese Weise wirkte es, als würde der Kuchen immer weiter wachsen. Was aber tatsächlich passiert, ist, dass jüngere Generationen im Vergleich zu ihren Eltern immer weiter verarmen. Dafür müssen wir nur einen Blick auf steigende Kosten im Alltag und die Kosten für die Bewältigung der #Klimakrise werfen – die allesamt als Wachstum interpretiert werden.
Kaiser: Wachstum ist also ein Alibi?
Mitchell: Wachstum ist ein Alibi, ja.
@Heinz Ich glaube, wir hatten hier mal eine ähnliche Diskussion. Das BIP ist einfach eine Kennzahl, die etwas ganz Spezifisches misst. Nicht mehr, nicht weniger. Sie lässt ohne Zusatzinformationen keine Aussage darüber zu, ob es in einem Land Wohlstand gibt, wer davon profitiert, welche wirtsch. Entwicklung statthaben wird etc. In Ö war es Van der Bellen, der z. B. immer wieder darauf hingewiesen hat, dass Umweltfaktoren mitberücksichtigt werden müssen. Gibt einen bek. Aufsatz von ?? *sucht*
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In der Degrowth-Szene gibt es viele Kritiken am GDP als Haupt-Indikator. Inzwischen bemüht sich sogar die UNO um andere Metriken https://www.theguardian.com/environment/2026/feb/09/global-economy-transformed-humanity-future-un-chief-antonio-guterres