Ich überlege immer wieder, wie ich die vielen Links und Notizen zur Klimakrise und ihren Ursachen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe und weiter sammele, sinnvoll miteinander verbinden kann. Manchmal schwebt mir ein Buch mit dem Titel Fossile Expansion vor. Ich denke an eine Ordnung der vielen Informationsquellen und an eine Interpretation der Informationen aus der Perspektive eines Lesenden, nicht an den – größenwahnsinnigen – Versuch einer Synthese.

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Am Montag habe ich die Einleitung zu Sven Beckerts Geschichte des Kapitalismus (Beckert, 2025a) gelesen. Ich habe die englische Epub-Version gekauft; das Buch ist auch auf deutsch erschienen (Beckert, 2025b) und medial zu Recht gerade sehr präsent. Empfehlenswert zur Orientierung ist Thilo Jungs Gespräch mit Beckert bei „Jung und Naiv“ (Jung & Naiv, 2026).

Die Einleitung ist sehr lesbar geschrieben. Beckert gibt einen Überblick über sein Buch und stellt seinen Zugang zum Gegenstand „Kapitalismus“ dar.

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Rudi Wiederhofer liest aus Ludwig Birós Autobiographe „Die erste Hälfte meines Lebens“. Im Hintergrund Christian Fleck und Barbara Lorenz. Grazmuseum, 21.1.2026

Am Mittwoch wurde im Grazmuseum Ludwig Birós Autobiographie „Die erste Hälfte meines Lebens“ vorgestellt, die der Droschl-Verlag neu aufgelegt hat. Ich kannte das Buch nicht. Rudi Widerhofer las mehrere Passagen, zur Kindheit Birós in einer orthodox geprägten Familie und dann zu seinen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten, die ihn schikanierten, bedrohten und mehrfach einsperrten. In einem sehr bedrückenden und leider auch sehr aktuellen Abschnitt seines Buchs hält Biró fest, wie sich die europäischen Länder dagegen wehrten, Jüdinnen und Juden aus Deutschland und Österreich aufzunehmen und dadurch für den Tod vieler verantwortlich machten. Biró, dem die Flucht gelang und der später nach Graz zurückkehrte, hat als Jurist die Rechte von Jüdinnen und Juden verteidigt und die Grazer Gemeinde nach dem Krieg mitaufgebaut.

Allen die diese Veranstaltung gestalteten, und wohl auch alle im Publikum wussten, dass die Erinnerung an Biró und an die Geschichte der Grazer jüdischen Gemeinde heute eine politische Botschaft ist. Die fremdenfeindlichen geistigen Nachfolger des Antisemitismus von damals stellen in der Steiermark inzwischen den Landeshauptmann. Rudi Widerhofer las zurückgenommen und ließ damit Raum für das Pathos der schonungslosen Sätze Birós.

Screenshot aus dem im Text erwähnten Seminar von James Dyke mit einer Grafik aus dem besprochenen Text

Klima- und Erdsystem-Forschende um Johan Rockström haben in einem kurzen Text Konsequenzen aus dem Verfehlen des 1,5°-Ziels des Pariser Klimaabkommens formuliert und zum Handeln aufgerufen (Rockström et al., 2025). Aus Graz waren Ilona Otto vom Wegener Center und Franz Prettenthaler von Joanneum Research beteiligt.

Der als Kommentar in der Zeitschrift One Earth publizierte Text zeigt, wie sehr sich die politische (nicht nur die klimapolitische) Lage durch die fortschreitende Klimakatastrophe verändert hat. In den Medien ist er – außer von den Autoren und ihren Instituten (Dyke, 2025; Dyke & Rockström, 2025; Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, 2025) – bisher kaum erwähnt worden, und wenn, dann nur in englischsprachigen Publikationen. James Dyke ist in einem Seminar, das als Video (James Dyke, 2025) und als Audio (“Lost the Climate Gamble! Now What?” 2025) publiziert wurde, ausführlich, verständlich und mit eigenen Akzenten auf diesen Text eingegangen1.

Ich versuche, den Text zusammenzufassen und dann als Dokument zur Geschichte der fossilen Expansion zu interpretieren.

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[Frage:] „In der Steiermark wird gerade massiv um Touristen geworben, die mit dem Flugzeug kommen sollen.“

[Antwort:] „Ethisch ist das verantwortungslos und es ist de facto umweltkriminell. Ich halte das für eine unverschämte, dreiste Vorgangsweise der öffentlichen Hand, diese Strategie auch noch mit einer Million Euro zu fördern, wie kürzlich für die Erlebnisregion Graz, zur Hälfte getragen vom Land Steiermark.“

Der Grazer Klimaforscher Gottfired Kirchengast in einem lesenswerten, mutigen Interview in der Kleinen Zeitung (Kirchengast, 2026).

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Als gründliche empirische Studie zu den Möglichkeiten einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen kenne ich bisher nur die Arbeit der Gruppe um Dominik Wiedenhofer und Helmut Haberl (2020, 2020). Spanische Forschende um Juan Infante Amate haben sich jetzt als Historiker ausführlich mit dem Zusammenhang von Emissionen und Wirtschaftswachstum seit den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung beschäftigt. Ihre Arbeit zeigt, wie unrealistisch die Annahme ist, dass sich die Begrenzung der globalen Erhitzung und weiteres Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen.

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