Habe von Andreas Malms schockierendem Satz zum 7. Oktober „Das Erste, was wir in diesen Stunden von uns gaben, waren weniger Worte als vielmehr Jubelrufe“ (Quelle) erst jetzt durch Armin Thurnher erfahren. Mich erinnert der Satz an Heideggers Pro-Hitler-Statements. Ich habe den ganzen Diskussionsstrang dazu – und damit auch Argumente zur Begründung des Antisemitismus-Vorwurfs gegen Teile der Linken – bisher völlig ignoriert. Ich werde mich mit den Texten dazu beschäftigen – aber dieser Ausdruck von Hass lässt sich nicht argumentativ rechtfertigen, sondern nur rationalisieren. Er zeigt die Brüchigkeit vieler, vielleicht jeder stringent wirkenden Argumentation. Ich kann danach Malm – ähnlich wie Heidegger oder Carl Schmitt – nicht mehr lesen, ohne zu überlegen, wie seine Texte mit der Haltung zusammenhängen, die diese Formulierung ausdrückt.

Fediverse Reactions

In diesem Post versuche ich ausgehend von aktuellen Texten die folgende Überlegung zu formulieren:

  • Der beste Ausgangspunkt zum Verständnis der Beziehungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft einerseits und globaler Erhitzung andererseits sind die Energie- und Materialströme, die den wirtschaftlichen Durchsatz (Throughput) bilden.
  • Die Dynamik dieser Energie- und Materialströme ist gekoppelt an Größe und Wachstum der materiellen Infrastruktur, der Stocks (Bestände) oder Technomasse.
  • Die Infrastruktur oder Technomasse ist nicht nur durch ihren Umfang der wichtigste Faktor bei der Verursachung der globalen Erhitzung (und anderer Überschreitungen der planetaren Grenzen). Sie hat eine Eigendynamik, die die globale Erhitzung vorantreibt.
  • Eine Schlüsselfrage für das Handeln gegen die globale Erhitzung ist damit, welche Natur diese Eigendynamik hat. Eine mehrfach vorgeschlagene Antwort auf diese Frage ist, dass die Technosphäre ihre eigene Entwicklung und ihr Wachstum steuert.
  • Eine „soziale Ökologie“, die gesellschaftliche Veränderungen als Voraussetzung der Begrenzung der globale Erhitzung sieht, braucht gegen die „Technosphären-Option“ neue Argumentationen, die die Eigendynamik der gesellschaftlichen Artefakte nicht wegrelativieren.
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Habe zum ersten Mal einen Text von Chaïm Perelman (1983) gelesen. Ich kenne Perelman als Begründer einer „neuen Rhetorik“, habe mich aber nie mit ihm beschäftigt. Jetzt interessiert mich die Frage, ob Überlegungen zu einer Rhetorik, die mehr ist als nur eine Hinführung zur „eigentlichen“ Wahrheit, für die Klimakommunikation im weitesten Sinn fruchtbar gemacht werden können.

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