Pocket Casts spielt mir hintereinander zwei Folgen zu, die nicht nur zeitlich miteinander zu tun haben: 1,75 Billionen für Musks SpaceX? zum Börsengang von SpaceX (Derntl, 2026) und La giornata (das ich auch zum Italienischlernen höre) zu den rassistischen Pogromen in Nordirland (Pertici, 2026). Ö1 berichtet u.a. über die Deregulierung der Börse in der zweiten Amtszeit Trumps und darüber, dass SpaceX auch das Geld der ETF-Anlegenden, darunter vieler junger Männer, abgreift. Musk, X, und die Manosphere spielen nicht nur bei diesem Börsengang eine entscheidende Rolle, sondern auch beim Aufstacheln zu den Pogromen in Nordirland. In beiden Fällen wird mobilisiert. In beiden Fällen liegt die Initiative bei autoritären Führer-Figuren, vor allem bei Musk.

Wir verwenden für das, was sich gerade in den USA durchsetzt, den Ausdruck „Faschismus“ (ich habe schon öfter begründet, warum ich ihn angemessen finde). Aber eigentlich wäre ein übergeordnetes Konzept nötig, das die Faschismen des 20. Jahrhunderts und die aktuelle Verbindung von US-dominiertem Finanzkapital, digitalen Plattformen und rassistisch-autoritärer Politik zusammen erfasst. Der Ausdruck „Faschismus“ trifft den Business-Aspekt und den digitalen Charakter des TechBro-Autoritarismus zu wenig. Die staatlichen und öffentlichen Strukturen werden nicht einer Einheitspartei unterworfen, sondern Unternehmen und Unternehmern, die für ihre Interessen digital statt durch Massenorganisationen mobilisieren. Sie dominieren den Diskurs über Themen wie KI und Crypto und feuern gleichzeitig den antidemokratischen und männlich-chauvinistischen Fremdenhass an, ohne dass die verbindenden Elemente zwischen beidem (darunter der Kampf gegen Regulierung und öffentliche Kontrolle) sofort sichtbar werden.


In den USA löst Energiedominanz die Energiewende als Public Issue ab (Tani, 2026).

Redaktionelle Neuaufstellungen bei Politico und anderen Medien zeigen, dass die Business-Interessierten in den USA sich immer weniger mit der Klimakrise und immer mehr mit den Konflikten um weitere Energiequellen und ihre Finanzierung beschäftigen. Geführt werden diese Konflikte vor allem, um noch mehr und noch größere Datencenter zu bauen.

„. While the major energy story of the previous generation focused on its impact on climate change, the fight for energy dominance itself has become a major business and politics story that professional audiences (and advertisers) are tracking closely.“

Die Schwenk in diesen Medien verläuft parallel zum Ersticken der Klimaforschung in den von der US-Regierung kontrollierten wissenschaftlichen Institutionen: Folgen und Grenzen des Energieverbrauchs und der fossilen Expansion werden ausgeblendet. Stattdessen bringen Oligarchen (die von den nächsten Börsengängen am meisten profitieren) so viele Ressourcen wie möglich unter ihre Kontrolle.

Derntl, D. (Director). (2026, June 10). 1,75 Billionen für Musks SpaceX? | MI | 10 06 2026 | 17:55 [Digital.Leben]. In oe1.orf.at. https://oe1.orf.at/programm/20260610/834932/1-75-Billionen-fuer-Musks-SpaceX
Pertici, L. (Host). (2026, June 11). Quell’ira funesta [Broadcast]. La repubblica. https://www.repubblica.it/rubriche/la-giornata/2026/06/11/audio/quellira_funesta-425402942/
Tani, M. (2026, June 8). Exclusive: Politico folds E&E News ahead of broader energy push. Semafor. https://www.semafor.com/article/06/08/2026/politico-folds-ee-news-ahead-of-broader-energy-push
Fediverse Reactions

7 thoughts on “2026-06-11

  1. @Heinz Das ist ein wichtiger Hinweis bezüglich dieser ETFs (und verwandter Börsenpapiere): Die Leute glauben oft, dass sie Leute wie Musk (wie beim jetztigen Börsengang von SpaceX) nicht unterstützen. Tun sie aber doch – im Grund schon durch die Tatsache, ihr Geld überhaupt an der Börse zu investieren. Ihr Geld fließt in einen solchen Börsengang, ohne dass sie was dagegen tun können, oft leider auch, ohne auch nur zu wissen, dass dem so ist.

      • @Heinz Ich habe ja nichts gegen den Kapitalismus – und dass jemand sein hart Erspartes irgendwie gewinnbringend anlegen will, versteh ich auch. Es schadet aber zumindest nicht zu wissen, dass man Teil eines Systems ist (ohne das groß ändern zu können). Wobei die derzeitige Kapitalismuskritik (nicht nur die derzeitige) zumeist verkennt, dass es sich bei den Oligopolen, Monopolen, die angestrebt werden, längst nicht mehr um Kapitalismus im klassischen Sinne handelt. 1/4

        • @Heinz Leute wie Musk, Thiel oder Zuckerberg wollen nichts weniger als einen klassischen Kapitalismus und haben das auch expressis verbis zum Ausdruck gebracht. An nichts liegt ihnen weniger als an fairem Wettbewerb, an Wettbewerb überhaupt. Dass unsere Wirtschaftsordnung solche Leute hervorgebracht hat, ist das eine, dass die Politik nichts dagegen unternimmt, das andere. Es gibt/gab nicht von ungefähr (überall, auch in den USA) Kartellregelungen, 2/4

          • @Heinz die im Grunde das verhindern sollten, womit wir heute konfrontiert sind und wodurch die demokratischen Einrichtungen untergraben werden. Das liegt also weniger am System Kapitalismus als an der Korrumpierbarkeit von Politikern. Und dass ich gegen Kapitalismus nichts habe stimmt so noch nicht mal: Ich wüsste nur nicht, wodurch wir ihn vernünftigerweise ersetzen könnten. Wie eine Form von Planwirtschaft legitimiert werden könnte, 3/4

          • @Heinz wer in einer solchen bestimmen sollte über Art und Weise der Produktion – und ob, wenn dies in einer demokratischen Abstimmung geschähe, eine solche auch wieder abgeschafft werden könnte. Ich lese hier ja manchmal von der Ausgestaltung planwirtschaftlich-anarchistischer Gemeinwesen, die bestenfalls anmuten wie die feuchten Träume eines Pubertierenden nach einer ersten Bakunin- oder Kropotkinlektüre. 4/4

          • Bitte entschuldige, dass ich nicht geantwortet habe! Ich war unterwegs, und ich laboriere an einem längeren Post (auch zum „Kapitalismus“) herum. – Ich finde es am überzeugendsten, von einem monopolistischen Kapitalismus zu sprechen. Ich bin durch Éric Pineault wieder auf diesen Ansatz gekommen (https://wittenbrink.net/konzerne-als-haupttreiber-destruktiven-wachstums-zu-eric-pineaults-theorie-des-fortgeschrittenen-kapitalismus/). Ich habe als Schüler in den 70er Jahren das Monopolkapitalismus-Buch von Baran und Sweezy gekauft und, glaube ich, auch gelesen. Ich habe nicht gedacht, dass ich wieder dafür interessieren würde. Ich glaube, dass das, was du über Oligopole und Korruption schreibst, in eine ähnliche Richtung zielt.

            Zu deiner Bemerkung zum Anarchismus: Ich habe große Sympathien für den Bioregionalismus – die Organisation der Wirtschaft entsprechend den ökologischen Bedingungen in Regionen. Das ist für mich eine Alternative zu einer Globalisierung, die früher oder später die Biosphäre, wie wir sie kennen, zerstören wird. Es liegt in der Natur dieses Konzepts, dass der materielle Reichtum (jedenfalls der fossile, auf Extraktion beruhende) dabei geringer ist. Mir ist klar, dass es naiv ist, heute mit Ideen von Bakunin oder Kropotkin – die ich beide nicht wirklich kenne – die Wirtschaft organisieren zu wollen. Andererseits ist die Berufung auf den Darwinismus oder „Gesetze des Marktes“ meist auch nicht reflektierter. Es gibt auch viele Argumente dafür, dass sich Gemeingüter mit entsprechenden Institutionen erhalten und benutzen lassen. In der Software hat das gut funktioniert – bis Monopole sich die Gemeingüter aneignen.

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