Ich bin dabei meinen re:publica26-Besuch nachzubereiten. Die meisten Vorträge sind auf YouTube abrufbar. Beim zweiten Ansehen merke ich noch deutlicher, wie komplex die Fragen sind, die diskutiert wurden.

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Ein zentraler Beitrag: Francesca Brias Vortrag über den Authoritarian Stack. Er geht auf ein umfangreiches Forschungsprojekt (Ergebnisse hier) zurück. Francesca Bria wird auch rhetorisch dem Ausmaß der Bedrohung der Demokratie durch die privatisierten autoritären Strukturen des US-Technofaschismus gerecht, und sie benennt die wichtigen Komponenten des neuen Machtsystems von der militärischen bis zur finanziellen Ebene.

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Tony Blair hat in einem „Essay“ die Labour Party scharf angegriffen (Blair, 2026; dazu Walker, 2026; Elgot, 2026). Er fordert statt ihres „soft left“ Kurses einen, wie er es nennt, „radikal zentristischen“ Kurs. Als möglichen Verbündeten bezeichnet er übrigens Friedrich Merz. Von Politikern wie Mark Carney und Mario Draghi, die ich tatsächlich als radikal zentristisch bezeichnen würde, distanziert er sich explizit (Carney) oder implizit (Draghi): Er sucht eine enge Kooperation mit den USA unter Trump.

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Für mich der Höhepunkt des re:publica-Tages gestern: Enteignungsstrategien der AI-Konzerne und Gegenstrategien. Mich hat überrascht und ermutigt, wie eindeutig die Haltung des Publikums war. Ich habe erst bei den Vorträgen Karen Haos und Hito Steyerls verstanden, wie eng der Zusammenhang zwischen der Aneignung von Ressourcen durch AI-Konzerne und den anderen durch Extraktion verursachten Krisen ist.

Fediverse Reactions

Der angekündigte Rücktritt von Christian Schmidt alls Hoher Kommissar der Staatengemeinschaft in Bosnien-Herzegowina und ein Abkommen zwischen den Regierungen Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens haben die Aufmerksamkeit der Medien auf das Pipeline-Projekt Southern Interconnection (serbokroatisch Južna interkonekzija) gelenkt. Hier stelle ich Informationen zu diesem Projekt zusammen. Ich versuche damit eine Grundlage dafür zu erstellen, Ähnlichkeiten mit anderen Projekten der fossilen Expansion herauszuarbeiten. Ich bitte um Korrekturen und Ergänzungen in den Kommentaren.

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Randbemerkung zu dem wichtigen Artikel von Nadja Hahn Warum Klimajournalismus mehr braucht als Mut:

Ein Grund dafür, dass das Klima im ORF nicht zu einem Schwerpunkt werden durfte, war die Angst vor dem „Aktivismus-Vorwurf“. Dieser Vorwurf lässt sich gegen Journalismus zu jedem Thema erheben. Er ist berechtigt, wenn journalistische Arbeit und „Advocacy“ verwechselt werden. Aber das, was Nadja Hahn hier vorgeschlagen hat: koordiniert und vernetzt aus verschiedenen Ressorts so ausführlich und kontinuierlich über dieses Thema zu berichten, wie es seiner sachlichen Relevanz entspricht – ist das Gegenteil von Advocacy. Ist etwa die penetrante Berichterstattung über die „Spritpreise“ Advocacy? Und für wen?

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Labour is losing today because we are a party that won’t say Britain is broken – when it is, won’t challenge the rules of globalisation, and we are now a party defined only through tax, spend and welfare — and with no answer for working class voters who’ve been left behind.

The question isn’t how to win them back. It’s whether Labour wants to represent them at all. [The Guardian: Elections 2026 live]

Das ist gut formuliert, finde ich. Es beschreibt die Sozialdemokratie nicht nur in England. Wenn sie weiter agiert wie der Betriebsrat der Konservativen wird sie untergehen.

Fediverse Reactions

@Heinz @giesbert scheint kaum irgendwo besser zu passen als in dieser Hinsicht. Wir kennen die Prognosen, wir wissen, was zu ändern wäre, wir ändern _müssen_ – und: Nichts passiert. Ein wenig Kosmetik zur Gewissensberuhigung, ansonsten business as usual. Und wir müssten (noch!??) recht wenig ändern und das auf freiwilliger Basis, während uns die Zukunft Änderung brutal aufzwingen wird. Es ist verrückt – volle Kanne auf den Abgrund zu und ab und an noch lachend aufs Gas steigen. 3/3

May 4, 2026, 9:48 pm 0 boosts 0 favorites

@scheichsbeutel Danke für deine ausführliche Antwort! Gut zu wissen, dass es uns in vielem ähnlich geht.

Ich muss gestehen, dass ich im zweiten Teil der Schlafwandler stecken geblieben bin. Sie stehen aber in der Nähe meines Lesesessels und warten.

Ich versuche seit ein paar Jahren – seit mir die Tatsache der „Klimakrise“ bewusst geworden ist – zu verstehen, wie es zu ihr kommen konnte und vor allem dazu, dass sie beschleunigt statt gebremst wird.

Jetzt sehe ich sie als eine Folge des exponentiellen Wachstums der materiellen Infrastruktur, der Technosphäre, seit der Mitte des 20. Jahrhunderts – eigentlich schon seit dem Beginn des industriellen Kapitalismus. Diesen Prozess der Great Acceleration versuche ich im Sinne der ökologischen Ökonomie zu verstehen, also als Wachstum von materiellen Stocks und Flows, das auf Extraktion, vor allem auf Bergbau, beruht, und mit der Dissipation, also entropisch, endet. Das Wachstum ist dabei im Kapitalismus monetär gesteuert, es ist aus der Innensicht Akkumulation von Kapital.

Auf einer dritten Ebene, neben denen der großen Beschleunigung im Sinne der Erdsystemwissenschaften und des sozialen Metabolismus im Sinne der ökologischen Ökonomie – handelt es sich um räumliche und kontingente Prozesse, vor allem weil die Ressourcen, die für die Expansion der Technosphäre/die Akkumulation des Kapitals ausgebeutet werden, geografisch unterschiedlich verteilt sind (ein Zustand niedriger Entropie). Das Wachstum einer Wirtschaft, die vor allem auf mineralischen Ressourcen beruht, führt deshalb zugleich zum Übergewicht der Technosphäre und zu geopolitischen Konflikten. (Dazu lerne ich am meisten von Helen Thompson.)

Der Grund für das „Schlafwandeln“ liegt, glaube ich, darin, dass die Innen- und die Außensichten auf diese Prozesse bisher nicht zusammengebracht werden. Das Schlafwandeln besteht in einer Innensicht, nach der das Wachstum einer ökonomischen Logik folgt, die sich liberal oder sozialistisch verstehen lässt. Von außen gesehen handelt es sich um die Destruktion der Biosphäre und die exponentielle Beschleunigung der Herstellung von Entropie.

Entschuldige, dass ich so ausgreifend antworte – darauf hat mich das Bild des Schlafwandelns gebracht. To be continued … /c @giesbert

Eine Folge der Entfernung Maduros durch die USA: Der italienische Konzern Eni, der schon lange in Venezuela aktiv ist, intensiviert die Schwerölförderung im Orinocogebiet (Bonotti, 2026d). Bereits im März hatten Eni und die spanische Ölgesellschaft Repsol vereinbart, ab 2031 Flüssiggas aus dem Offshore-Projekt La Perla zu exportieren (Bonotti, 2026c).

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Die New York Times hat zum ersten Mal geleakte Memos des Obersten Gerichtshofs der USA publiziert (Barbaro et al., 2026; Kantor & Liptak, 2026; New York Times, 2026). Die Memos dokumentieren die gerichtsinterne Diskussion, die 2016 zum Stopp des Clean Power Plan der Obama-Regierung führte. Der Clean Power Plan war die zentrale klimapolitische Maßnahme Obamas.

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Ich habe vor ein paar Tagen über Rainer Seeles Wiener Auftritt als Manager der Emirate-Firma XRG geschrieben. Danach habe ich zwei Podcastfolgen gehört, die unterschiedliche Aspekte des Netzwerks beleuchten, für das Seele tätig ist – auch wenn in ihnen weder von der OMV noch von der XRG die Rede ist. Sie zeigen, wie problematisch die Pfade sind, von denen sich der östereichische Staat, der die OMV kontrolliert, jetzt noch abhängiger macht: Die Vereinigten Arabischen Emirate, denen über die XRG 24,9% der OMV-Anteile und in Zukunft die Hälfte der Anteile an der Chemiefirma Bourouge International gehören werden, sind ein autoritär und brutal regiertes Land, unter ethischen Gesichtspunkten genauso zu verurteilen wie der OMV-Expartner Russland. Die Plastikindustrie, in der Bourouge International als globaler Player agieren wird, hat ökologisch und sozial nicht weniger katastrophale Folgen als das Verbrennen von Öl und Gas, mit denen die OMV und die Emirate bisher das meiste Geld machen.

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