Mark Glaser: Distinction Between Bloggers, Journalists Blurring More Than Ever.

Könnte zu einem neuen Meme werden: Es geht nicht mehr um Bloggen oder Journalismus, es entsteht eine Vielzahl von unterschiedlichen Genres des Online-Schreibens, die den Journalismus aus der Vor-Web-Welt langsam aufsaugen.

Glaser behandelt das professionelle Bloggen in den USA ausführlich, darunter auch die ethischen Aspekte. Er beschreibt wie sich die Grenzlinien zwischen traditionellen Medien und Weblogs verwischen. Dabei fragt er vor allem, was journalistische Professionalität in dieser Grenzzone bedeutet. Immer mehr Zeitungswebsites bieten Blogs an, über 50 gehören inzwischen allein zur New York Times. Und immer mehr kommerzielle Blogs beschäftigen ausgebildete professionelle Journalisten. Wichtig ist nicht mehr die Frage „Blogpost oder Artikel?“, sondern wie vertrauenswürdig die Quelle ist oder ob jemand anderes als die Autorin einen Text redigiert, bevor er publiziert wird. Für Glaser ist klar, dass

a new type of hybrid online journalism — combining original reporting, aggregation and audience involvement — could produce top-notch investigative work.

Zwei Beobachtungen:

  1. turi2, eine Mischung aus Weblog und Branchendienst. Bei einer Diskussion über ein Interview ist mir neulich aufgefallen, dass es Peter Turi vielleicht nicht anders geht als mir bei meinem Ausflug zur ÖVP vor einem Jahr. Man schreibt online mehr als offline nicht nur über, sondern auch mit und für oder auch gegen.

  2. Eine ganz andere Ebene: Blogs als Komponente von anderen Formen, z.B. Wikis. Das hat eigentlich schon mit Chris Langreiters vanilla begonnen. Walter Rafelsberger integriert sein Blog ganz anders in ein Wiki. Blogs darf man sicher nicht „essentialistisch“ verstehen, das Bloggen ist nur ein Element oder Strang in einem größeren, z.B. journalistischen Netzwerk.

In ihrem Koalitionsabkommen (PDF, via Julian) erwähnen die Grazer Grünen und Volksparteiler die FH Joanneum gleich dreimal: Die bestehenden Studiengänge sollen am Standort Graz erhalten werden, die Stadt will ihre Mitbestimmungsrechte wahrnehmen (sprich: auf einem Sitz im Aufsichtsrat bestehen), die Kreativstudiengänge soll es weiter geben.

Immerhin ein positives Signal für unseren Studiengang! Zur Zeit fährt das Land Steiermark noch den entgegengesetzten Kurs. Journalismus und Medien z.B. sind zu Unworten geworden, die in den Bezeichnungen von Masterstudiengängen nicht vorkommen sollen. Symbolische Politik für die Obersteiermark rangiert für die Landes-SPÖ offenbar noch immer vor den Bedürfnissen der Medien- und Kreativwirtschaft.

Gestern Abend fand in Graz zum ersten Mal ein Webmontag statt. Wir waren etwas über 10 Leute, mehr als die Hälfte davon aus dem FH-Umfeld (und erfreulicherweise nicht so männlich dominiert wie andere Web 2.0-Veranstaltungen). Alle haben kurz von den Projekten berichtet, an denen sie arbeiten. Lange haben wir uns gefragt, warum die Grazer Web-Szene so wenig vernetzt ist. Es waren sich wohl alle einig, dass es sinnvoll ist, mit Webmontagen, Barcamps und anderen Ereignissen für mehr Verbindungen zwischen den Leuten zu sorgen, die sich hier mit Web-Themen beschäftigen. Ende des nächsten Monats soll wieder ein Webmontag stattfinden, anders als der Abend gestern mehr auf Demos und Berichte von neuen Technologien und neuen Ideen zu Web und Gesellschaft konzentriert.

Martin Ebner stellte das Learn Land der TU vor, dass technisch mit elgg realisiert ist. elgg wird intensiv weiterentwickelt, dabei wird vor allem auf die Export- und Importfähigkeit und auf die Einbindung von anderen Tools und Plattformen, z.B. Twitter geachtet. Martin hat berichtet, dass nur relativ wenige Studenten an der TU die Plattform ohne Druck durch Lehrende nutzen, dass elgg aber in Verbindung mit einzelnen Lehrveranstaltungen und bei der Vorbereitung von Diplomarbeiten intensiv verwendet wird. Er hat von den Studenten einen Eindruck, den ich bestätigen kann: Obwohl Web 2.0-Themen in den Medien angesagt sind, wissen auch jüngere Leute wenig über Wikis und Blogs, sie sind sicher noch nicht zu etwas Selbstverständlichem geworden. Vielleicht ändert sich das mit denen, die heute 12-14 sind. (Im Hochschulumfeld muss sich erst verbreiten, dass man sich mit Tools wie elgg ein Personal Learning Environment einrichten kann, mit dem man individualisiert lernen und sich über Lerninhalte austauschen kann, und mit dem man die eigenen Projekte, Interessen und Fortschritte für sich und andere dokumentieren kann. Das hat nicht viel mit den herkömmlichen E-Learning-Umgebungen zu tun.) An der TU Graz werden mit elgg übrigens intensiv Links gesammelt, darin liegt auch für die Studierenden ein unmittelbar erkennbarer Nutzen. (Wie sieht es da mit einem direkten Austausch mit del.icio.us oder Bibsonomy aus?)

Mit Hilfe Martins und seiner Kollegen haben wir elgg auch an der FH Joanneum eingerichtet, wir fangen aber erst damit an, es in größerem Umfang zu nutzen. Es können sich aber schon alle FH-Studierenden und alle FH-Mitarbeiterinnen unter communuity.fh-joanneum.at mit ihren FH-Zugangsdaten einen Account und ein Blog anlegen.

Für mich sehr interessant war die Diskussion über die Gründer-Szene oder Nicht-Szene in Graz; Herwig Rollett, selbst Gründer, kam auf eine ganze Reihe von Finanzierungs und Coaching-Initiativen in den USA, in London (seedcamp) und auch in Wien (Paul Böhm!) zu sprechen. Ich glaube, um in Graz wirklich eine Web-Szene zu entwickeln, müsste man hier ansetzen und so etwas wie eine Inkubator-Umgebung schaffen. Ich hoffe, dass wir darüber auf den nächsten Web Montagen weiter sprechen können.

Zum Abschluss noch ein Bemerkung: Ich organisiere gerne auf weitere Webmontage, zum Glück kann ich dabei auf die Infrastruktur der FH Joanneum zurückgreifen, an der jetzt schon drei Studiengänge (JUK, MID und IND) bereit sind, solche Events zu unterstützen. Als FH- oder FH-Werbeveranstaltungen sind die Webmontage natürlich nicht gedacht. Und Mitorganisatoren sind immer willkommen!