Nach einem dichten Tag schaffe ich jetzt nur ein schnelles Post vom ersten Tag der Confab London—dem ersten Content Strategy-Event dieses Formats in Europa überhaupt. Ich bin mit meiner Kollegin Brigitte Alice Radl und mit Birgit Bröckel von knallgrau aus Wien hier. Wir werden natürlich noch ausführlich berichten.

Content Strategy oder Content-Strategie ist zwar auch im deutschen Sprachraum inzwischen ein Buzzword, aber es wird nur von wenigen so verstanden wie von den Protagonistinnen und Protagonisten dieser Disziplin. Content Strategy ist nicht Content Marketing. Beide überlappen sich, aber sie haben nicht wirklich viel miteinander gemeinsam. Content Strategy dient dazu, die Inhalte einer Organisation im Netz methodisch zu entwickeln. Marketing ist da nur ein möglicher Anwendungsfall. Content Strategy ist eher eine Schwester des User Experience Design als des Online-Marketing, und sie ist, das muss man sagen, eine geborene Feindin der Suchmaschinenoptimierung im gängigen manipulativen Sinn.

Ziel der Confab London ist es, diese Disziplin in Europa bekannt zu machen und eine Community zu entwickeln, die über die schon bestehende Gemeinschaft von Content-Strategen vor allem in Großbritannien hinausgeht. Der erste Tag heute hat die Content-Strategie in ihrer Breite vermittelt und einige der wichtigen Facetten der Content-Strategie und ihre Verbindungen miteinander gezeigt. Referiert haben vor allem einige der Hauptvertreterinnen der Content-Strategie. Content, das haben eigentlich alle Vorträge heute gezeigt, ist eine Querschnittsmaterie, die aber meist noch nicht als solche verstanden wird. Der Anspruch der Content-Strategie ist es, sich mit dieser Materie als solcher zu beschäftigen und den Umgang von Organisationen mit Inhalten zu organisieren. Die Alternative zur Content-Strategie besteht darin, die Zuständigkeit für die Inhalte einer Organisation unterschiedlichen Stellen, von der IT über die verschiedenen Fachabteilungen bis zur PR zu überlassen, aber keine Gesamtverantwortung für die Inhalte im Netz zu etablieren. Wenn eine Firma oder Organisation so vorgeht, ignoriert sie, dass die Kunden und Gesprächspartner eine Organisation im Netz über ihre Inhalte wahrnehmen. Eine Organisation, die ihre digitalen Inhalte nicht als ein zusammenhängendes und dynamisches Ganzes versteht und behandelt, überlässt es weitgehend dem Zufall, wie sie sich der digitalen Öffentlichkeit präsentiert.

Die Confab London wird von der Agentur Brain Traffic organisiert, die sich die Contentstrategie seit etwa 5 Jahren auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die Braintraffic-Chefin Kristina Halvorson hat das einflussreichste Buch zur Content-Strategie geschrieben, sie hat die Veranstaltung heute eingeleitet und moderiert. Dazu hat Braintraffic mit Jonathan Kahn kooperiert, der es in den letzten Jahren geschafft hat, hier in London eine lebendige Content-Strategie-Community aufzubauen. Die Vorträge heute haben so unterschiedliche Themen behandeln wir Corporate Voice und Corporate Tone, die Inhaltsentwicklung mit Prototypen, die Berechenbarkeit des Werts von Inhalten oder Content Strategie für mobile Endgeräte. Zusammen haben sie einen Überblick über den aktuellen Stand der Content-Strategie geboten. Den besten Eindruck geben wohl die Tweets zum Veranstaltungshastag #ConfabUK" href="https://twitter.com/search/realtime?q=%23ConfabUK&src=hash">#ConfabUK.

Es gab heute so etwas wie Leitmotive, die in mehreren der Präsentationen auftauchten. Das vielleicht wichtigste war das der Empathie mit den Nutzern. Empathie ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Inhalte geglaubt und gewollt werden. Ein weiteres Leitthema für mich war die Multidisziplinarität. Content hat so viele Aspekte, dass Organisationen multidisziplinäre Teams brauchen, um Inhalte erfolgreich entwickeln zu können. Die Content-Strategie sollte diesen Teams die Arbeitsgrundlagen liefern. Wenn ich ein drittes Leitthema benennen müsste, würde ich die Offenheit oder Unabgeschlossenheit der Content-Strategie nennen (obwohl auch das Storytelling ein Kandidat wäre): Dass Content Strategie eine Projekt ist, kein Lehrgebäude, und dass niemand alle Fragen beantworten kann, die sich beim Umgehen mit Webinhalten stellen, hat Kristina Halvorson in ihrer Keynote betont. Alle anderen Präsentationen haben es aus unterschiedlichen Perspektiven bestätigt.

Ich freue mich auf den Tag morgen. Ich habe nur selten so viele Präsentationen von so hoher Qualität erlebt. Ich hoffe, dass dieses Event dazu beiträgt, dass sich die Content-Strategie endlich auch Europa etabliert.

One thought on “Confab London 2013—der erste Tag

  1. Danke Heinz! Content strategy wie du sie beschreibst ist wohl eine Challenge für jedwede nachhaltige Kommunikation mit Zielgruppen bzw Öffentlichkeit unabhängig gleich welche Medien dabei eingesetzt werden.

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