Ich habe jetzt schon mehrere Diskussionen darüber mitbekommen, ob man individuell darauf verzichten soll zu fliegen. An manchen solcher Diskussionen habe ich auch teilgenommen, jetzt gerade auf Facebook an dieser im Anschluss an den Artikel Flugreisen: Verzicht rettet die Welt nicht. Das Thema ist für viele emotional besetzt—offenbar besonders für Leute, die Klimaschützer immer wieder zur Rationalität aufrufen.

Continue reading

Street art mit dem Symbol von Extinction Rebellion, wahrscheinlich von Banksy

Die New York Times hat im März darüber berichtet, dass die Stadt Kopenhagen bis 2025 CO2-neutral werden will: Copenhagen Wants to Show How Cities Can Fight Climate Change. In dem Artikel werden viele kritische Fragen formuliert—die ehrgeizige Zielsetzung könnte verdecken, dass wichtige Ursachen des CO2-Ausstoßes ignoriert werden. Der Ausgangspunkt für den Plan leuchtet aber ein: Das meiste CO2 wird in Städten produziert. Also müssen vor allem die Städte ihre Wirtschaft umstellen, wenn der CO2-Gehalt der Atmosphäre reduziert werden soll.

Lässt sich das Vorhaben auf Graz übertragen? Ist es möglich, Graz bis 2025 CO2-neutral zu machen?

Wenn man versucht, diese Frage zu beantworten, merkt man, wie radikal sich das Leben in einer Stadt wie Graz verändern muss, wenn sie ein Teil der Lösung statt ein Teil des Problems Klimawandel werden will. Was muss passieren, damit in Graz keine Treibhausgase mehr freigesetzt werden und damit die Grazer Wirtschaft auch nicht an anderen Stellen der Welt am Klimawandel mitwirkt?

Continue reading

Ich war in der letzten Woche in Dubrovnik. Es war eine Mischung aus Familienbesuch und Urlaub, ich habe etwas Kroatisch gelernt, und ich bin nicht viel zum Lesen und Schreiben gekommen. Ich habe aber immer wieder darüber nachgedacht, warum und was ich schreibe und lese.

Wenn ich nur 10 Minuten in meinen Twitter-Stream oder den Guardian schaue, versetzen mich Nachrichten über ökologische Katastrophen und den aktivistischen Widerstand dagegen in einen Alarmzustand, aus dem ich mich schwer lösen kann. Es gelingt mir nicht, diesen Alarmzustand so umzuformen, dass sich daraus ein kontinuierliches und begrenztes, lokales Handeln (oder Schreiben) ergibt, und das kann man an diesem Blog und meinem Microblog gut ablesen. Ich finde nicht zu einem business as usual, obwohl ich zum ersten Mal, seit ich angefangen habe zu arbeiten, genug Zeit habe, um nur noch zu tun, was mich interessiert.

Auf den Ausdruck business as usual komme ich durch einen Tweet des Londoner Bürgermeistes Sadiq Khan:

Continue reading

Gestern hat Ana eine gute Einführung in das Thema #degrowth gefunden:

Degrowth – Kurze Einführung in Konzept und Bewegung – Matthias Schmelzer Hamburg 2016
Matthias Schmelzer: Degrowth–kurze Einführung in Konzept und Bewegung

Den Text von Matthias Schmelzers Vortrag gibt es als PDF.

Schmelzer beschreibt in einer halben Stunde die Motive der Wachstumskritik, die Geschichte der degrowth-Bewegung und ihre wichtigsten Themen, darunter die Kritik am Konzept eines grünen oder nachhaltigen Wachstums. Er argumentiert klar und unaufgeregt. Schmelzer hat viele andere Arbeiten zur Wachstumskritik verfasst, darunter ein einführendes Buch, das gerade erschienen ist. Gestern habe ich von ihm noch zwei Zeitungsartikel gelesen—einen in der FAZ (Postwachstumsgesellschaft und Degrowth: Neue Konzepte der Ökonomie), einem im Neuen Deutschland (Fridays for Future: Schüler politisieren die Zukunft).

Continue reading

Ich habe vor zwei Wochen versucht, in einer Präsentation zu begründen, warum ich für degrowth, also für ein Rückwachstum eintrete. Dazu wollte ich einige wichtige Links sammeln. Ich bin im ersten Anlauf schnell gescheitert: Es gibt so viele solcher Informationen, dass es sehr schwer ist, zentrale von weniger zentralen Informationen zu trennen. Die Thematik ist zugleich so komplex, dass sich die Begründung nicht auf wenige einzelne Fakten reduzieren lässt. Außerdem kam es mir nicht auf reine Fakten an (wenn es sie gibt), sondern auf Zusammenhänge, auf die figurative oder Darstellungsebene, die man nicht von der Ebene der Fakten trennen kann.

Statt meine Präsentation abzuschließen, habe ich damit begonnen, journalistische Informationen zum Klimawandel und zur globalen Ungleichheit und Armut zu sammeln.

Continue reading

In der letzten Woche habe ich Losing Earth: The Decade We Almost Stopped Climate Change gelesen. Losing Earth ist eine lange, deprimierende Reportage, für die die New York Times im letzten August eine komplette Ausgabe ihres Magazins reservierte. Es geht um die Vorgeschichte der Klimakrise, die Zeit von den späten 70er bis zu den frühen 90er Jahren, in der es möglich gewesen wäre, durch internationales Handeln die Katastrophe zu vermeiden, die inzwischen begonnen hat.

Continue reading

Ich mag den Ausdruck Digitalisierung nicht. Er dient dazu das zu verhindern, was er vorspiegelt: die Verwendung digitaler Techniken, um das Leben leichter, einfacher und angenehmer zu machen. Ausdrücke wie Digitalisierung oder, noch schlimmer, Industrie 4.0, werden von denen gebraucht, die mit digitalen Technologien die Wirtschaft stabilisieren wollen, die es vor der digitalen Technik gab: die industrielle Wachstumsgesellschaft.

Umschlag von "La décroissance"
Umschlag von “La décroissance”
Continue reading

Silvester habe ich mich für eine Woche vom Internet getrennt, und das heißt für mich vor allem: Ich habe auf die Nutzung von sozialen Medien verzichtet.

Ich bin nicht zu einem Social Media-Verweigerer geworden. Aber diese Woche hat mich in der Entschlossenheit bestärkt, mit sozialen Medien und Inhalten im Web anders umzugehen: ihre Nutzung auf ein Minimum zu beschränken, statt so viel wie möglich zu konsumieren. Im Dezember bin ich auf E.F. Schumachers Idee einer buddhistischen Ökonomie gestoßen. Continue reading