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Was müssen Journalisten und PR-Leute über HTML5 wissen?

HTML5 ist aus einer Angelegenheit von Markup-Spezialisten fast schon ein Modethema geworden. Fast 10 Jahre hat sich der HTML-Standard kaum verändert; jetzt müssen alle, die Webseiten realisieren, umdenken, weil es neue Techniken gibt, um die Inhalte zu strukturieren, um Medien einzubauen, um Interaktivität zu ermöglichen, Seiten zu animieren und ihre Oberfläche zu designen. Was müssen Journalisten und Kommunikatoren darüber wissen? Wieviel sollten sie in Aus- und Weiterbildung darüber lernen?

Ich bin selbst erst dabei, mich über HTML5 zu informieren (u.a. mit den Einführungen bei den Webkrauts wie Eric Eggerts Moderne Semantik). Mein Eindruck ist bisher, dass HTML5 vor allem Dinge vereinfacht, die man bisher mit Workarounds realisieren konnte oder für die man andere Formate als HTML, vor allem Flash, benötigte. Es wird einfacher, interaktive, gut aussehende Seiten zu produzieren, und dazu reichen (auf der Client-Seite, also bei dem, was im Browser ankommt), HTML, CSS und JavaScript aus. Animationen, Audios und Videos sind in den DOM-Tree—die Darstellung eines Dokuments, mit der der Rechner intern arbeitet—integriert und damit für Skripte und Stylesheets zugänglich.

Inhaltemenschen haben mit dieser Ebene meist wenig zu tun (was nicht heisst, dass sie sie ignorieren dürfen). Aber unabhängig von den Frage, ob Journalisten und Kommunikatoren sich auch mit Code auskennen sollten, sind wenigstens drei Apekte von HTML5 direkt wichtig für sie:

  1. Webtexte werden lesbarer werden. Zu HTML5 gehören neue Markup-Elemente für die Bestandteile von Webseiten. Martin Belam erwähnt in dem sehr guten Post HTML5 for journalists die Elemente section und aside, figure, figcaption, mark und wbr. Dazu kommen Elemente für Header und Footer von Webseiten. HTML-Seiten können damit Elemente von Printseiten (wie Abbildungen) einfacher genau reproduzieren, als es bisher möglich war. Außerdem können Texte auf Lesbarkeit vor allem auf mobilen Plattformen optimiert werden. Belam nennt den Reader Mode des Safari, Instapaper oder Phil Gyfords Today’s Paper als Beispiele. Wer für das Web schreibt, wird an Leser denken können, für die das Lesen nicht mehr anstrengender ist als auf Printseiten.

  2. HTML5 wird es erleichtern, Texte mit einem maschinenlesbaren Datenlayer zu versehen. Dazu gibt es Elemente wie time, die genaue Zeitangaben ermöglichen bzw. verlangen, aber auch die Microformats, mit denen man etwa angeben kann, dass ein Abschnitt sich auf ein bestimmtes Event bezieht, eine Adresse angibt oder ein Produkt bespricht. Gerade von journalistischen und professionellen Texten wird man erwarten, dass Sorgfalt auf dieses Datenlayer verwendet wird, von dem die Wiederverwendbarkeit und auch die Findbarkeit von Informationen abhängt.

  3. Texte im Web werden mehr Möglichkeiten für Interaktivität bieten. Es wird leichter, mit Elementen zu arbeiten, die nur im Web sinnvoll sind, etwa für Inhalte, die sich nur bei Bedarf öffnen (für sie gibt es das neue HTML-Element details.) Drag-and-drop von Informationen wird erleichtert; man wird z.B. Textabschnitte oder Grafiken auf andere Regionen derselben oder auch einer anderen Seite ziehen können, um Zusatzinformationen zu erhalten oder auch Informationen zu speichern oder weiterzuverarbeiten (dabei spielt das erwähnte Datenlayer eine wichtige Rolle.) Wer Texte für das Web schreibt, wird also die Interaktivität der Nutzerinnen noch mehr mitplanen müsssen als jetzt. (Zu Drag-and-Drop bei HTML5, das bisher nur vom Firefox unterstützt wird, siehe Les Orchard und —mit leider wohl nicht immer funktionierenden Beispielen—Scott Wilson.)

Öffentlich bekannt wurde HTML5 vor allem, weil es die Möglichkeit bietet Videos und Audios direkt in Webseiten einzubetten, so wie es jetzt schon bei Bildern der Fall ist. Man muss also nicht auf Flash zurückgreifen. Allerings dürfte es gerade hier noch einige Zeit dauern, bis sich HTML5 tatsächlich als Alternative zu Flash etablieren kann. Eric Huggers, der bei der BBC Direktor für Future Media & Technology ist, hat gerade auf dem BBC-Blog erklärt, warum die BBC noch lange auf Flash angewiesen sein wird [via Steffen Konrath], und auch YouTube wird vorerst Flash nicht aufgeben (siehe Flash Still Beats HTML5). Trotzdem muss in der Ausbildung von Journalisten und PR-Leuten erklärt werden, welche nativen und welche offenen Videoformate inzwischen von den Browsern unterstützt werden und wie man Videos entsprechend aufbereitet (dazu in diesem Blog: Kurztrip ins HTML 5-Land: Eingebettetes Video).

In meinem Unterricht werde ich, wie ich es jetzt sehe, ein paar grundsätzliche Informationen über HTML5 geben, die wichtigsten neuen Elemente erwähnen, auf Mikroformate eingehen, mehr als bisher über die Bedeutung des Document Object Model sprechen und auch Video und Audio bei HTML5 behandeln. Noch ganz unklar ist mir, was und wieviel über Animationen bei HTML5 und CSS3 zu sagen wäre. Aber wenigstens ein paar spektukuläre Beispiele (etwas die von Thomas Fuchs in HTML5 buzzwords in action erwähnten), möchte ich in jedem Fall zeigen.

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