Heute erschienen – ich hatte seit James Dykes letztem Blogpost darauf gewartet: Manage derailment risks to avoid Hothouse Earth.

James Dyke, Laurie Laybourn and Jesse Abrams argumentieren sehr konzentriert dafür, die menschliche Treuhänderschaft (im Original: human stewardship) für das Erdsystem als Teil des Erdsystems selbst zu verstehen, die menschliche Handlungsmacht also nicht als etwas vom Erdsystem Unabhängiges anzusehen. Von Menschen verursachte Störungen des Erdsystems, etwa Extremwetterereignisse, beeinträchtigen die Fähigkeiten, eine Verschlimmerung dieser Störungen zu verhindern („mitigation“) und sich an die Folgen dieser Störungen anzupassen („adaptation“). So können die Kosten von durch die globale Erhitzung verursachten Naturkatastrophen die Verschuldung ärmerer Länder und Regionen so verschlimmern, dass weniger in die Prävention ähnlicher Ereignisse investiert werden kann und die politischen und sozialen Strukturen so beeinträchtigt werden, dass Regierungen und Öffentlichkeit ihre Handlungsfähigkeit verlieren.

In dem Artikel geht es um die gemeinsame innere Logik solcher doom loops, um das wachsende Risiko ihres Auftretens (das derailment risk) und vor allem darum, dass ihre Häufung bewirken könnte, dass es durch das Überschreiten von Kipppunkten der Pfad zu einer sich selbst verstärkenden Erderhitzung eingeschlagen wird – bis zur Stabilisierung des Erdsystems in Form einer hothouse earth mit über 5° höheren Durchschnittstemperaturen. Die Autor:innen ergänzen die berühmte Grafik zur hothouse earth von Will Steffen und anderen um eine Grafik, die zeigt, wie das derailment des Handelns gegen die Polykrise in einen Weg zur hothouse earth mündet, den die Gruppe um Will Steffen noch nicht beschrieben hat. Die sich summierenden derailment risks sind das negative Gegenstück zu den positiven social tipping points, die seit einigen Jahren in den Erdsystemwissenschaften diskutiert werden:

(Die punktierte blaue Linie beschreibt den Pfad über das Entgleisen der menschlichen Handlungsmacht zur Treibhauserde. Ausführliche Bildunterschrift und Kommentierung in der Originalveröffentlichung https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aeb1de.)

Mit dieser kurzen ersten Notiz kratze ich nur an der Oberfläche der Argumentation dieses wichtigen Papers. (Ich habe viele Fragen dazu, vor allem nach der Rolle des Raums und räumlicher Beziehungen bei der Integration der physikalisch-biologischen und der sozialen Ebene des Erdsystems und nach der Bedeutung dessen, was ich nach wie vor als Klassenkampf bezeichnen würde.) Die Arbeit ist ein Versuch, einen zentralen Aspekt der Situation nach dem Overshoot begrifflich zu fassen – einen Aspekt, der uns vom Todeskult Trumps und seiner Mafia bis hin zur Anti-Umweltpolitik der Rechten auf lokaler Ebene (hier ein Grazer Beispiel) laufend begegnet.

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