Die Diskussionen über das Google-Rechenzentrum in Kronstorf werden immer wieder als Debatten über Technik geframet. Den Gegnern des Zentrums wird vorgeworfen, sie wollten oder würden gar den technischen Fortschritt in Österreich gefährden. Statt über die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen und Kosten des Rechenzentrums für die Region und damit für die Betroffenen wird darüber diskutiert, ob wir KI gut oder nicht gut finden.

Diesem Framing liegt die manipulative Gleichsetzung von Rechenzentrum, KI, Google, technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Zukunft Österreichs zugrunde. Bei allen diesen Diskussionsthemen handelt es sich um sehr unterschiedliche Gegenstände, deren Beziehungen zueinander oft kaum diskutiert werden. Enorm gesteigerte Hardware-Power bedeutet nicht, dass sinnvoll mit KI gearbeitet wird. Sie bedeutet, dass Google seine Services noch besser anbieten kann, und damit, dass es noch mehr Daten sammeln und verknüpfen und seine Monopolstellung gegenüber heimischen und europäischen Anbietern noch weiter ausbauen kann. Technischer Fortschritt ist nur sehr eingeschränkt eine Angelegenheit der Rechenleistung in einem von den USA aus gesehen peripheren Rechenzentrum. Die wirtschaftliche Zukunft in Österreich würde ziemlich sicher von gezielten Investionen in Nicht-US-Anbieter viel mehr profitieren als von einem exponentiellen Wachstum eines kaum besteuerten US-Unternehmens, das u.a. durch „KI“ gerade die Besucherzahlen der hier betriebenen Websites drastisch senkt.

Fast völlig fehlt in der öffentlichen Diskussion der Aspekt der räumlichen Umverteilung von ökologischen und menschlichen Ressourcen, des „ungleichen ökologischen Tauschs“, wie es der schwedische Human-Ökologe Alf Hornborg genannt hat. Hornborg hat immer wieder darauf hingewiesen, dass man Technik nicht unabhängig von den Ressourcen-Flüssen betrachten kann, die mit ihr und den für sie nötigen Investitionen verbunden sind.

Das Rechenzentrum in Kronstorf wird die wirtschaftliche und politische Macht Googles vergrößern, eines imperialen Konzerns, der eng mit einer dem demokratischen Europa zunehmend feindlich gegenüberstehenden imperialen Macht verbunden ist, den USA. Dieser Machtkomplex eignet sich durch den Infrastruktur-Aufbau wie in Kronsdorf regionale ökologische Ressourcen an, angefangen mit dem überbauten Grund.

Das Wachstum von Konzernen wie Google, geschützt von der politischen und militärischen Macht der USA, zu deren Pfeilern die US-Techindustrie ihrerseits gehört, treibt den regionalen und den weltweiten Verbrauch fossiler Energien und anderer Ressourcen weiter an – und damit die globale Erhitzung, die wiederum die Region schädigt, in der das Rechenzentrum liegt. Die regionalen wirtschaftlichen Aktivitäten, die durch das Rechenzentrum beschleunigt werden – etwa durch noch effizientere Werbung – werden zu einem großen Teil die schnelle Ökologisierung der österreichischen Wirtschaft nicht fördern, sondern behindern. Soweit Google auch in diesem Rechenzentrum sein Geschäft mit Large Language Models ausbaut, tut es es das auf der Basis der Ausbeutung intellektueller Ressourcen, die zu einem großen Teil ebenfalls ein Ergebnis regionaler ökologischer und sozialer Leistungen waren (etwa der Inhalte, die in der Region von Menschen produziert wurden, die dort nicht nur leben und gelebt haben, sondern auch Schulen und Universitäten besucht haben). Von allen diesen regionalen Ressourcen wird Google weit mehr profitieren als die Region, und zudem wird es in der Region über eine Infrastruktur, wird es über Material Stocks verfügen, die seine imperiale Dominanz weiter festschreiben.

Die öffentlichen Konflikte über das Rechenzentrum in Kronstorf sind immer auch und vielleicht sogar vor allem Konflikte über das Verhältnis einer Region oder Bioregion – mit allen ihren Ressourcen – zu einem Imperium. Die Macht dieses Imperiums treibt die globalen ökologisch-sozialen Krisen gerade schneller voran als je zuvor, und sie schadet den österreichischen Regionen und ihren ökologisch-sozialen Lebenswelten sehr konkret. Deshalb stößt sie auf berechtigten Widerstand.

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