Am Mittwoch wurde im Grazmuseum Ludwig Birós Autobiographie „Die erste Hälfte meines Lebens“ vorgestellt, die der Droschl-Verlag neu aufgelegt hat. Ich kannte das Buch nicht. Rudi Widerhofer las mehrere Passagen, zur Kindheit Birós in einer orthodox geprägten Familie und dann zu seinen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten, die ihn schikanierten, bedrohten und mehrfach einsperrten. In einem sehr bedrückenden und leider auch sehr aktuellen Abschnitt seines Buchs hält Biró fest, wie sich die europäischen Länder dagegen wehrten, Jüdinnen und Juden aus Deutschland und Österreich aufzunehmen und dadurch für den Tod vieler verantwortlich machten. Biró, dem die Flucht gelang und der später nach Graz zurückkehrte, hat als Jurist die Rechte von Jüdinnen und Juden verteidigt und die Grazer Gemeinde nach dem Krieg mitaufgebaut.

Allen die diese Veranstaltung gestalteten, und wohl auch alle im Publikum wussten, dass die Erinnerung an Biró und an die Geschichte der Grazer jüdischen Gemeinde heute eine politische Botschaft ist. Die fremdenfeindlichen geistigen Nachfolger des Antisemitismus von damals stellen in der Steiermark inzwischen den Landeshauptmann. Rudi Widerhofer las zurückgenommen und ließ damit Raum für das Pathos der schonungslosen Sätze Birós.

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