Das barcamp.digital in Wien bei Microsoft ist schon drei Wochen her. Ich komme erst jetzt zu einem Rückblick. Meine Kollegin Lea und ich hatten während des Camps fast immer den virtuellen Hut unseres Studiengangs aufgesetzt. Ich suchte Hinweise dazu, wie gut wir mit unserem liegen, und natürlich auch dazu, wie wir uns am besten präsentieren. Für mich stand deshalb das #coscamp, also der Track zur Content-Strategie im Mittelpunkt, bei dem wir Mitveranstalter waren.


Dass es beim barcamp.digital überhaupt ein coscamp gab, ist wie das ganze Digitalcamp Birgit und Hubert zu verdanken. Sie haben uns nach Wien eingeladen, wo Daniela und Peiji Zhou die Hauptarbeit bei der Vorbereitung hatten. Birgit und Hubert haben durch Kommunikation und Moderation auch die offene, freundliche und professionelle Atmosphäre des Events bestimmt.
Das Wiener coscamp war für mich die die erste Veranstaltung zum Thema Content-Strategie, in der es keine Einführung dazu gab, was Content-Strategie ist. Ich schließe daraus nicht, dass Content-Strategie unter Kommunikatoren zu etwas Selbstverständlichem geworden ist. Aber wenigstens unter jungen Profis in einer Stadt wie Wien muss man das Wort wohl nicht mehr erklären. Content-Strategie wurde dabei übrigens nicht mit Content-Marketing verwechselt.
Die Sessions im coscamp (Plan hier) waren fast alle Praxis-orientiert. Einige Themen: Petra Köstinger leitete den Track mit der ersten Session optimal ein. Sie beschrieb die Herausforderungen, vor denen man heute als Content-Strategin in einer großen Organisation steht. Irene Michl — übrigens eine unserer neuen Studierenden — trug Erfahrungen mit Social Media Monitoring Tools zusammen. Confab Intensive. Am zweiten Tag lösten sich die einzelnen Camps auf, es ging um Crossover-Fragen. Ich habe vor allem die Sessions zur Bildsprache in der Bewegtbildkommunikation und zu den „neuen neuen Medien“, also den ephemeren Medien wie Snapchat und Periscope in Erinnerung behalten.

Professionalisierung und Vernetzung

Ich kann meine Eindrücke unter den Stichwörtern Professionalisierung und Vernetzung zusammenfassen.

  • Professionalisierung: Viele digital orientierte junge Kommunikationsleute sind damit unzufrieden, dass Unternehmen ihre Web-Inhalte den Zufällen von Unternehmensorganisationen und darin vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Vorkenntnissen überlassen. Sie bemühen sich um Professionalität und verstehen den User-orientierten Ansatz der Disziplin der Content-Strategie.
  • Vernetzung: Ich bin mehrfach gefragt worden, ob oder wie wir als Studiengang unser Wissen in die Branche vermitteln. Es gibt bei jüngeren Kommunikatoren offenbar ein erhebliches Interesse daran, dass wir als Studiengang Wissen über Content-Strategie bündeln und in die Branche vermitteln. Viele möchten unseren Studiengang als Wissens – und Kompetenzzentrum in Anspruch nehmen. Diese Aufgabe ergibt sich auch organisch aus den Anforderungen des Studiums. Dazu gehört, dass wir bald mit unserem eigenen Blog starten. In diesem Bereich gehören auch die Barcamps, die wir hier in Graz durchführen wollen, und die wir nun rechtzeitig publik machen müssen.

Todos für den Studiengang

Wie jedes BarCamp war auch das barcamp.digital ein Event zur Vernetzung. Aus unserer Grazer Perspektive ist natürlich vor allem die Vernetzung mit der Wiener Szene wichtig. Ich liste hier nuf einige auf, mit denen ich mich unterhalten habe, und hoffe, dass wir die Gespräche fortsetzen bzw. zusammen aktiv werden.
Josef Schrefel und ich haben schon vor über einem Jahr Wiener Content Strategie-Meetups angekündigt. Wir werden jetzt endlich damit beginnen, hoffentlich unterstützt von Studierenden unseres Studiengang. Ich hoffe, dass wir uns mit Petra Köstinger regelmäßig über ihre Erfahrungen bei Wien.at austauschen können und dass wir mit ihr und mit Cornelia Schuss — die als Content-Strategin bei der Stadt Leoben arbeitet — das Thema Webkommunikation von Städten und Gemeinden weitertreiben können. So wir Petra hat auch Olaf Nitz faktisch den Job eines Content-Strategen in einer Organisation. Es wäre schön, wenn er uns trotz seines vollen Kalenders dabei helfen könnte, unsere Ausbildung noch genauer mit den aktuellen Anforderungen in diesem Berufsfeld verknüpfen können. Ein anderer alter BarCamp-Bekannter, der hoffentlich bald in engerer Verbindung zu uns stehen wird, ist Christian Henner-Fehr. Wir können von seinen Erfahrungen im Kulturbereich, aber auch darüber hinaus profitieren. Schließlich hatten wir einen Austausch mit den Leuten vom DrupalCamp Vienna. Wir haben einen gemeinsamen Track beim Grazer Content-Strategie-Camp am 28. November vereinbart (internes Hashtag: screencamp). Für diesen Track wollen wir Microsofts Skype for Business nutzen — das bringt mich zu einem weiteren Todo, nämlich dem, Kooperationsmöglichkeiten mit Microsoft auszuloten.

BarCamps in Wien

Die Konzentration auf Content-Strategie ist nicht die einzige und schon gar nicht die richtige Perspektive auf das barcamp.digital. Es ging um viele andere Aspekte digitaler Kommunikation. Einen Überblick gibt es z.B. hier. Leas Fotos geben die Stimmung wider.
Übrigens: in der Anfangsphase gab es Kritik, dass dies gar kein richtiges BarCamp sei. Diese Kritik finde ich im Nachhinein abwegig. Die ganze Veranstaltung hat als Barcamp funktioniert. Das Format eines großen BarCamps mit mehreren Themencamps, das bei den Grazer BarCamps mehr oder weniger zufällig ergeben hat, hat sich beim barcamp.digital bewährt. Auch ich finde es nicht geschickt, ausgerechnet Günther Oettinger auf der Einladung zu zitieren. Es geht hier aber nicht um ihn als Person sondern um die Darstellung der Wichtigkeit der Thematik in einem politischen Kontext.
Noch eine Bemerkung zu Wien: Die Hauptstadtatmosphäre hat dem barcamp.digital gut getan. Die Leute, die zu diesem BarCamp kamen, stehen oft am Anfang ihrer Jobs. Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Professionalität und versuchen, sie mit den Anforderungen von großen Unternehmen und Behörden zu verknüpfen. Die Diskussionen bleiben dadurch fokussiert. Sie sind vielleicht weniger schräg als bei anderen BarCamps, aber sie gleiten auch nicht so leicht in Selbstdarstellung und den Austausch von Binsenweisheiten ab.

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