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Content first!—Kleine Leseliste

Die FH Joanneum will im kommenden Jahr mit einem neuen Auftritt ins Web gehen; wir sind intensiv bei den Vorbereitungen. Grundlegend ist eine Content-Strategie, für die vor allem Brigitte Alice Radl schon sehr viel gearbeitet hat (Präsentationen hier). Klar ist auch, dass wir der Devise Mobile first! folgen werden. Viel zu spät bin ich auf eine Linie im Webdesign gestoßen, die man am besten mit Content first! überschreiben kann. Contentstrategie und Priorität für das mobile Web kommen in ihr zusammen.

Aus den Texten, mit denen ich mir einen ersten Überblick verschafft habe, habe ich eine kleine Leseliste zusammengestellt (bei Readlists hier; dort können die Texte als E-Book heruntergeladen werden). Sie umfasst vor allem einführende und programmatische Texte. Zu den Details gibt es inzwischen erste Bücher.

Der Schlüssel zum Thema waren für mich die Session Notes for Jeffrey Zeldman’s Ten Commandments of Modern Web Design, die viele Links enthalten. Zeldmans Vortrag selbst kann man sich hier anschauen und anhören. Es geht darin um viele Themen, aber im Mittelpunkt stehen die Priorität für den Inhalt, das device-unabhängige Design und die Abkehr von dem Gedanken, dass in einer Website Inhalte in ein fixes Gerüst eingepasst werden, das eine komplizierte Navigation als Wegweiser braucht.

Zeldman selbst verweist auf A Richer Canvas von Mark Boulton als grundlegenden Text. Boulton fordert darin ein Design, dass nur von den Formaten der Inhalte ausgeht und sich völlig unabhängig von bestimmten Screengrößen macht. Man könnte auch sagen: Es geht um ein Design, dass die Orientierung an der Seite endgültig aufgibt. Es ist klar, dass ein solches Design es vor allem mit Typographie zu tun hat.

Content First von Jeremy Keith formuliert die Forderung nach dem Primat des Inhalts ausdrücklich als Programm und Devise. Das Wort Inhalt bezieht sich dabei nicht nur auf die semantische Ebene von Texten, Bildern und anderen Medien, sondern auf ihre visuelle Gestalt. Der Inhalt steuert die Container, in denen er präsentiert wird. Die User sollen so viel wie möglich mit den Inhalten zu tun haben, die sie auf Geräten mit einem Touch-Bildschirm direkt manipulieren können.

In die Tiefe geht der Dialog Designing Mobile Web Experiences zwischen Jared Spool und Luke Wroblewski. Hier wird explizit formuliert, dass bei einem Content first!-Design die Navigation eine sekundäre Rolle spielt. Die Interaktion mit Texten und anderen Inhalten soll so wenig wie möglich durch andere Interface-Elemente gestört werden.

Luke Wroblewski hat Jeffrey Zeldmans Keynote Content First knapp und thesenartig zusammengefasst. Eines der zentralen Statements:

How can we create designs that don’t get in the way of content but still communicate a personality? This is the challenge for designers working on the Web today.

Hier in Österreicht bekennt sich Jürgen Liechtenecker zu Content First statt Mobile First—bisher der einzige deutsche Text auf meiner Liste. Auch Jürgen stellt die Verbindung zur Content-Strategie her.

Wie sieht die Entwicklung einer größeren Website aus, wenn man der Devise Content first! folgt? Zwei Blogposts zeigen die Vor- und auch einige Nachteile aus der Sicht der Agenturpraxis: Designing With the Real Deal von Ross Berenson und Content-First Website Development: A Real World Experiment von Paul Chamberlain. Hier wird Content first zeitlich verstanden: Die Inhalte sind da, bevor der Designprozess beginnt. Beide Posts sind ermutigend.

Noch ein praktisches Beispiel: Media Query-less Design, Content-based Breakpoints & Tweakpoints von Dave Olsen. Olsen zeigt in einer sehr leicht nachvollziehbaren Weise, wie Content-basierte Stylesheets aussehen können. Olsen beschäftigt sich übrigens intensiv mit mobilen Strategien für Hochschulen.

Abschließend noch ein Hinweis auf das Buch Mobile First von Luke Wroblewski. Ich werde mich zunächst dort und bei Dave Olsen weiter zum Thema informieren.

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