Notizen zu Kinga Tóth

Gestern Nachmittag haben wir in der Off_gallery zu einen Tag der offenen Tür mit Kinga Tóth eingeladen. Zum Abschluss fand nach einer Performance von Kinga ein Künstlergespräch statt, bei dem ich ihr einige Fragen stellen konnte.

Ich verstehe ihre Arbeitsweise jetzt etwas besser, aber ich bin noch dabei ihr Werk kennenzulernen. Die Ausstellung bleibt bis April geöffnet, ich werde sie mir selbst noch oft anschauen—auch, weil sie mitbestimmt, was aus dem Raum wird, den wir dort gestalten.

Während des Gesprächs hat Kinga Tóth gesagt, dass wir uns in dem Raum, in dem ihre Arbeiten gerade ausgestellt sind, in einem Text aufhalten, selbst Teile eines Buchs sind. Sie arbeitet in der Tradition der konkreten Poesie (und der konkreten Musik) mit Material, aus dem eine ganz bestimmte, konkrete Konstellation wird, die nur einmal, in einem Raum möglich ist, und die gleichzeitig aus Spuren besteht, schriftlich ist, körperlich hergestellt worden ist und auf andere Räume und Situationen verweist. Dabei arbeitet sie zugleich in der räumlichen, schriftlichen und in der zeitlichen, stimmlichen Dimension. (Ich dachte an Mallarmés Coup de dés (pdf), mit dem diese Art zu schreiben beginnt.) Der Zufälligkeit der räumlichen Konstellation entspricht die einmalige stimmliche Improvisation.

Diese Form der poetischen Aktion erschließt oder übersetzt eine besondere Situationen, die Maschinenwelt, in die Kinga Tóth während eines Stipendiums bei der Bosch-Stiftung eindringen konnte. Dabei wurde es ihr aber verboten, diese Maschinen direkt in ihre Arbeit einzubeziehen, so dass ihre Arbeiten Spuren von etwas Untersagtem, Unzugänglichen sind. Ein Video dokumentiert Kinga Tóths Arbeit bei Bosch:

Kinga Tóth – Living Text Bodies
Kinga Tóth – Living Text Bodies

Diese Art der Recherche, des Notierens und Ausstellens einer komplexen Situation, zu der Objekte und Menschen gehören und zu der auch die in sie eindringende Akteurin als Objekt und Mensch gehört, kann vielleicht zum Thema oder Leitmotiv unserer Gallerie werden. Sie erinnert mich an ethnologische und ethnografische Recherchen—wie diese (pdf) von Bruno Latour—die etwas Unbekanntes nicht verstehen wollen, sondern es notieren und Schicht für Schicht in ein anderes Medium übersetzen.


Werke Kinga Tóths werden gerade auch in Paris in der Ausstellung La voix libérée gezeigt, die zusammen mit der Fondazione Bonotto entwickelt wurde.


Wir bauen eine Stadt ist eine Anspielung auf ein Stück von Palais Schaumburg.

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