Beim @elevatefestival bei der sehr interessanten Diskussion mit @gailbradbrook und @rushkoff:

Update, 6.4.2020: Das Video der Diskussion ist inzwischen online: Rebellion Or Extinction – Douglas Rushkoff & Gail Bradbrook.

Rebellion Or Extinction – Douglas Rushkoff & Gail Bradbrook >> Elevate Festival 2020 from Elevate Festival on Vimeo.

Bookmarked Rebellion or Extinction (Elevate Festival)

Zusammen mit zwei der spannendsten Denker*innen der Gegenwart werden wir uns einigen der entscheidenden Fragen unserer Zeit widmen. Extinction Rebellion Mitgründerin Gail Bradbrook und Bestsellerautor Douglas Rushkoff (laut MIT einer der 10 einflussreichsten Intellektuellen der Welt) werden…

"Man muss nicht nach Indien fahren um über das brennende Wasser zu schreiben." Bin im Literaturhaus bei John von Düffel/Elevate the campus http://www.literaturhaus-graz.at/veranstaltung/dueffel-der-brennende-see/
Heute und morgen in der Camera Austria bei Barricading the Ice Sheets.

Update, 6.4.2020: Unter der URL des Events wurden inzwischen die Videos der Veranstaltung publiziert.

Bookmarked Videos zur KonferenzBarricading the Ice Sheets (Camera Austria)

Die Klimabewegung ist heutzutage stärker als je zuvor. Höflicher Protest scheint der fernen Vergangenheit anzugehören. Aktivist*innen auf der ganzen Welt nutzen Taktiken massiven zivilen Ungehorsams, um klimazerstörerische Aktivitäten zu unterbrechen. Diese Konferenz bringt eine Gruppe international respektierter Protagonist*innen der Klimabewegung zusammen, die zwischen Kunst und Aktivismus arbeiten. Die Künstler*innen-Aktivist*innen werden aus der Perspektive jener Felder, […]

Positionen steirischer Kunst im Landesmuseum, letzter Tag

Bei der Verleihung des Architekturpreis des Landes Steiermark 2019 am 4. Dezember habe ich das Wort degrowth zum ersten Mal bei einer offiziellen Veranstaltung in der Steiermark gehört.

In diesem Jahr wurden drei sakrale Gebäude ausgezeichnet. Phineas Harper konnte als Kurator die Preise allein vergeben.

Die Verleihung des ersten Preises an Wolfgang Feyferlik und Susanne Fritzer für für das Projekt Basilika & Geistliches Haus Mariazell begründet Harper so:

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Dieter Gerten, Michael Tschauko, Sonja Edlinger und Lisa Mayr in der Diskussion nach dem Vortrag "Wie können wir innerhalb planetarer Grenzen leben?" (23.10.2019)

In der letzten Woche hat Dieter Gerten vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung in der katholischen Hochschulgemeinde einen Vortrag über das Leben innerhalb der planetaren Grenzen gehalten.

Ich habe mich für den Vortrage und den Vortragenden auch interessiert, weil das Potsdam-Institut für mich inzwischen zu einem wichtigen intellektuellen Orientierungspunkt geworden ist. Auf das Institut gestoßen bin ich durch eine Diskussion zwischen Bruno Latour und Hans Joachim Schellnhuber im letzten Jahr.

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Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser in Graz, 6.7.2019
Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser in Graz, 6.7.2019

Am Samstag hat Franz Karl Stanzel in der Buchhandlung Moser über James Joyce in Kakanien 1904 – 1915 gesprochen. Anlass dieses Literaturfrühstücks war das neuerschienene Buch James Joyce in Kakanien, in dem Stanzels Arbeiten zu diesem Thema gesammelt sind.

Stanzel hat nicht aus seinem Buch gelesen, sondern von Joyce und seiner Zeit in Triest erzählt—ohne zu erwarten, dass sein Publikum Joyce kennt. Einige Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßten Stanzel persönlich. Er hat Jahrzehnte Anglistik an der Karl Franzens Universität unterrichtet. Ich habe erst durch die Ankündigung der Veranstaltung entdeckt, dass Stanzel Grazer ist.

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Ich kenne David Abulafias Namen, weil mir Regina vor Jahren seine Biografie des Mittelmeers geschenkt hat. Ich habe in den letzten Wochen öfter an an das Buch gedacht und mir vorgenommen, es zuende zu lesen, wenn wir im Sommer auf Žirje sind. Das Abulafia in Graz liest, habe ich erst ein paar Stunden vor der Veranstaltung gesehen.

David Abulafia mit Dominik Berger und Steffen Schneider im Literaturhaus Graz
David Abulafia mit Dominik Berger (links) und Steffen Schneider (rechts) im Literaturhaus Graz, 16.5.2019

Der Abend begann sehr verhalten, und Abulafia las zuerst wie ein distanzierter Professor. Aber je mehr er zwischen den Leseabschnitten mit Steffen Schneider ins Gespräch kam, und noch mehr, als er auf Fragen der Zuschauer antwortete, hörte man ihm als einem Erzähler zu. Er macht die akademische Geschichtschreibung zum Medium des Erzählens und zeigt die erzählerischen Potenzen des wissenschaftlichen Vorgehens, er illustriert nicht im Nachhinein auf anderem Wege erschlossene, unanschauliche Fakten. Oder vielleicht, umgekehrt: Er macht die Erzählung zum Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Erschließung, bis dahin, dass er die Geschichte eines ganzen Meeres erzählt. In diese Geschichte verwoben ist die Geschichte seiner Familie. Er selbst sagte, dass ihm diese persönlichem Motive seiner Arbeit erst im Nachhinein bewusst geworden sind. Abulafia stammt aus einer sephardischen Familie, deren Mitglieder im Laufe der Jahrhunderte an vielen Orten des Mittelmeerraums gelebt haben.

Dass Erzählen und Darstellen für Abulafia nicht nachrangig ist, lässt mich jetzt auch seine Bemerkungen zu Fernand Braudel verstehen, dessen Werk zum Mittelmeer einen Intertext von Abulafias Buch bildet. Abulafia hat sich nicht methodisch oder theoretisch von Braudel abgesetzt, sondern gesagt, dass Braudels Mittel für ihn nicht ausreichten, um die Geschichte des Mittelmeers zu erzählen. Braudel, so habe ich es in Erinnerung, hätte das Mittelmeer zu sehr von den Landregionen her verstanden, die es umgeben. Vielleicht zielt auch die andere kritische Bemerkung Abulafias zu Braudel nicht nur auf ein falsches theoretisches Konzept, sondern auf einen Ansatz, der erzählerisch nicht funktioniert: Er habe sich zu wenig mit den Menschen beschäftigt. Für Abulafia selbst stehen die menschlichen Entscheidungen im Mittelpunkt. Menschliche Handlungen wie die Gründung Alexandrias nach einem Traum Alexanders des Großen könnten Folgen über Jahrtausende haben. Durch menschliche Entscheidungen könnten sich Situationen auch sehr schnell verändern, in viel kürzen Zeitspannen, als sie Braudel erfasst habe: Not all change is slow.

In der Diskussion sprach Abulafia vom Mittelmeer als einem open space. In diesem Raum ist nichts fix. Diese Nichtfixiertheit ist ein Leitthema Abulafias. Sie betrifft alle Entitäten, auch die sogenannten Völker. Abulafia schreibt über Schiffe, Menschen und Völker, die sich bewegen. Die Portugiesen, die in der frühen Neuzeit in Italien auftauchen, seien äußerlich konvertierte Juden aus Spanien gewesen, die sich dann in späteren Generationen in Holland angesiedelt und niederländisch gesprochen hätten. Für die mediterranen Städte, die Abulafia—mit Nostalgie—porträtierte, ist charakteristisch, dass in ihnen unterschiedliche Gruppen, wie Griechen, Juden, Armenier zusammenleben, dass sie sich nicht ethnisch verstanden. In Triest habe sich diese Vielfalt etwas besser erhalten als in vielen anderen der berühmten mediterranen Städte. In Smyrna und später in Alexandria habe sie der Nationalismus ausgelöscht.

Something very precious hast been lost and is very difficult to replace.

Ich habe Abulafia in der Diskussion nach den Besonderheiten Dubrovniks gefragt, und er ist sofort auf die multiple Identität dieser Stadt zu sprechen gekommen, auf die drei Sprachen (kroatisch, italienisch, dalmatinisch), die dort früher gesprochen wurden, und auch auf ihre Mittler-Position zwischen dem Meer und den Balkanländern. Zum Thema Abulafia als Erzähler gehört auch, dass das historische Wissen bei ihm persönliches Wissen ist, das er bei den Fragen, die ihm gestellt wurden, sofort abrufen kann, und dass er mit diesem Wissen ein bestimmtes Publikum oder auch einen einzelnen Fragesteller ansprechen und erreichen kann.

In der Diskussion erwähnte Abulafia mehrfach Katalonien und Barcelona, wo man die katalanische Identität nie ethnisch verstanden habe. Er zitierte Artur Mas, der davon geträumt habe, dass die Migranten aus Afrika den Keim einer neuen multikulturellen Gesellschaft in Barcelona bilden würden. Dass Abulafia die Beweglichkeit und Offenheit des Meers der Statik der Territorien gegenüberstellt, motiviert vielleicht auch sein Engagement für den Brexit, für den er als Sprecher der Historians For Britain eintritt.

Nach Kroatien möchte ich mir im Sommer Abulafias Mittelmeer-Buch mitnehmen, und dieses oder ein anderes mal auch einige andere Bücher, die ich an dem Abend im Literaturhaus kennengelernt habe: Abulafias spätere Geschichte der Ozeane The Boundless Sea, The Corrupting Sea von Peregrine Horden und Nicholas Purcell, ein anderes neueres klassisches Werk zu Geschichte des Mittelmeers, In Search of the Phoenicians, in dem Josephine Quinn die Phönizier als eine Fiktion der nationalistischen Geschichtsschreibung bezeichnet, und Texte von Amin Maalouf wie Les Identités meurtrières.

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Josef Winkler, Erwin Köstler und Andreas Leben stellen Ivan Cankar vor. Literaturhaus Graz, 29.4.2019

Von dem Abend im Literaturhaus zu Ivan Cankar möchte ich Cankar selbst in Erinnerung behalten, und auch einige Sätze Josef Winklers, der gestern seine Nacherzählung von Cankars Jernej der Knecht und sein Recht vorlas. Er interessiere sich eigentlich nur für die Sprache von Texten, kaum für die Inhalte, sagte Winkler. Die Sprache sei wie eine Katze oder ein Tiger, die sich elegant vorwärts bewegen, manchmal sei eine klappernde Blechdose an den Schwanz gebunden: der Inhalt. Ich dachte: Wie peinlich wäre es mir, wenn ich Winkler sagen müsste, dass ich an einem Studiengang für Content-Strategie arbeite, und ob es vielleicht erträglich wäre, von Inhaltsstrategie zu sprechen. Wir seien bei vielen Texten auf Übersetzungen angewiesen, sagte Winkler, als ihn eine Zuhörerin aufforderte, Slowenisch zu lernen. Jetzt seien gerade einige große Texte in neuen Übersetzungen erschienen—Romane von Dostojewskij, Tolstoi, Knut Hamsun, Melville. Die Übersetzungen und die Kritiken der Übersetzungen seien ein Anlass, wieder in diesen Büchern zu lesen, und nur diese großen Texte seien es Wert, gelesen zu werden, alles andere seien nur Seifenblasen. Er selbst sei auch nur eine Seifenblase, sagte Winkler, anders als viele Passagen Handkes, an dessen Beschreibung einer Igelfamilie er sich öfter erinnere als an die Igelfamilie, die er selbst vor einigen Jahren in Holland beobachtet habe. Er frage sich, wie ein Mensch überhaupt so schreiben könne.

Fast zwei Stunden lang haben Winkler, Erwin Köstler und Andreas Leben Ivan Cankars (und Josef Winklers) Sprache vorgestellt. Ich habe Cankar vorher nicht einmal dem Namen nach gekannt. Die Abschnitte, die ich gestern gehört habe, erinnern mich im Naturalismus und der Kritik an nationalistischer Provinzialität an Joyce und in der Insistenz und der Frage nach der Gerechtigkeit entfernt an Kafka. Einen Abend, bei dem die Sprache so unaufgeregt und konzentriert in den Mittelpunkt gestellt werden, habe ich auch im Grazer Literaturhaus nicht oft erlebt.

Viele Werke Cankars sind übersetzt im Drava-Verlag erschienen. Köstler und Leben notiere ich mir als Gewährsleute für slowenische Literatur.