Unsortiertes zum Facebook-Skandal

Gestern habe ich Der Facebook-Skandal, aber sortiert von Dennis Horn gelesen. Ich bin darauf durch einen Tweet von Klaus Eck gekommen:




Horn schreibt, und da fühle ich mich angesprochen:

Das ist jetzt ein bisschen persönliche Empirie, aber: Die größte Schnappatmung haben in meiner Wahrnehmung die Leute bekommen, die sich von Facebook eh schon lange genervt fühlten — und nun plötzlich den Grund dafür sahen, am besten ganz schnell die eigenen Auftritte zu löschen und es sich wieder auf der eigenen Website kuschelig zu machen und darauf zu warten, dass Nutzerinnen und Nutzer vorbeischauen.

Ich würde nicht einfach empfehlen, den eigenen Facebook-Auftritt zu löschen. Aber einer Gruppe von Kritikern vorzuwerfen, sie wollten es sich wieder auf der eigenen Website kuschelig zu machen und darauf zu warten, dass Nutzerinnen und Nutzer vorbeischauen, geht an der Sache vorbei. Man kann eine eigene Website kontrollieren und individuell gestalten—aber macht sie das kuschelig? Kuschelig ist doch wohl eher die endlose persönliche Selbstdarstellung auf Facebook. Und: Vielleicht muss man warten, bis Nutzer vorbeikommen—aber das kann mehr bringen, als sich den Ungewissheiten der Facebook-Politik auszusetzen.

Ich habe überhaupt den Eindruck, dass Dennis Horn die Krise, in die Facebook geraten ist, verharmlost. (Dabei schreibe ich als jemand, der für das Prinzip der eigenen Website und für dezentrale, föderierte Alternativen zu Facebook eintritt.) Horn schreibt:

Facebook verkauft keine Nutzerdaten, sondern nur den Zugang zu den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern. Die Datenweitergabe an App-Entwickler war und ist also eine potenzielle Gefahr für das eigene Geschäftsmodell.

Das ist, wörtlich verstanden, richtig. Aber:

Deshalb ist auch die Aussage Horns wenig tröstlich:

Zusammengefasst: Politisches Targeting dürfte funktionieren — aber vielleicht eher dann, wenn einem die Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die nur Facebook selbst besitzt. Wenn es um Cambridge Analytica geht, bleiben nach wie vor zu viele Fragen offen.

Facebook ist selbst ein Akteur bei Desinformationskampagnen. Dazu passt, dass Aleksandr Kogans Kollege Joseph Chancellor bei Facebook arbeitet. Facebook arbeitete offenbar mit der Trump-Kampagne so eng zusammen wie mit anderen großen Kunden:

The campaign had designated liaisons from both Facebook and Google working inside Parscale's San Antonio-based office, who were intimately involved in the inner workings of the digital and data team, according to Parscale's statement. They helped carry out an effort of great scale and sophistication. During the campaign, the Trump campaign ran up to 50,000 variants of its Facebook ads a day, learning which ones resonated best with voters. It also deployed so-called “dark posts,” non-public paid posts that only appear in the News Feeds of the people the advertiser chooses.

Did Trump's Data Team Help Russian Hackers? Facebook Might Have the Answer | WIRED

Ich bin nicht dafür, Facebook zu dämonisieren. Dennis Horn hat Recht, wenn er sich dagegen wendet und feststellt, dass die Berichterstattung über Facebook vielfach von Angst vor (ich würde ergänzen: dem Konkurrenten) Facebook bestimmt ist:

Wie sehr spielt bei einer Reihe von Journalistinnen und Journalisten eigentlich die Angst vor Facebook eine Rolle in der Berichterstattung über Facebook? Diese Frage stelle ich mir mittlerweile bei vielen Berichten, die ich sehe, höre oder lese — und aus denen das entsprechende Framing nur so herausplatzt.

Aber: Es kann keine Rückkehr zu einem business as usual mit Facebook geben. Facebook hat als Akteur zu dem politischen Schlamassel beigetragen, in den die USA (und andere Länder wie Österreich) geraten sind. Das hat die Führung von Facebook widerstrebend gelernt. Wir sollten uns nicht weiter zu Social Media-Experten erklären und uns bemühen, diesen Umbruch für Facebook nicht zu relativieren—gerade wenn wir, wie ich selbst, für den Social Media-Utopismus der Vor-Trump-Zeit anfällig waren.

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