Mehrfach habe ich Blogs unter dem Titel Lost and Found begonnen, und sie sind immer wieder eingeschlafen. Grund genug zu versuchen, mir selber und vielleicht auch dem einen oder anderen Leser klar zu machen, warum ich nun daran weiterschreibe. Sicher ist: meine Motive können sich verschieben, und sie haben nicht nur mit mir, sondern auch mit meinem Beruf zu tun. Ich werde also immer wieder an diesem Posting arbeiten.

E-Learning

Seit 2003 unterrichte ich Web-Publishing und Online-Journalismus an der Fachhochschule Joanneum in Graz. Ich muss Studenten in kurzer Zeit in ein unüberschaubares Wissensgebiet einführen, das sich rasant verändert. Dazu reichen die klassischen Lehrveranstaltungen nicht aus. Außerdem: Ein guter Online-Journalist weiß, dass seine Leser mehr wissen als er; ein guter Hochschullehrer sollte hoffen, dass seine Studenten mehr wissen als er. Ich möchte dieses Weblog in Zukunft als Instrument der Lehre und des Dialogs mit Studierenden und Kollegen verwenden; ich hoffe auf Kommentare und Kritik.

Zettelkasten

Zettelkästen faszinieren mich, vielleicht weil sie eine Ordnung versprechen, die der Autor nicht erzwingen muss, vielleicht auch, weil sie etwas Vorläufiges haben und man sie immer wieder neu sortieren kann. Autobiografien (Michel Leiris) und Sozialtheorien (Niklas Luhmann) sind aus Zettelkästen hervorgegangen. Ein Weblog mit seinen Kategorien und Tags ist ein webbasierter Zettelkasten. Ich notiere, was mir auffällt, und hoffe, dass sich daraus irgendwann andere Ordnungen ergeben als die Reihenfolge der Notizen.

I/O

I/O steht für Input/Output und auch für Information Overflow. Die Menge der Informationen, die ich täglich aufnehme, ist um Potenzen größer als die Menge der Informationen, die ich weitergebe. Ich lasse mich leichter durch neue Informationen irritieren als die bereits registrierten Informationen zu verarbeiten. Dieses Weblog soll der Hygiene dienen: Nur soviele Informationen aufnehmen, wie sich auch verarbeiten lassen, nicht mehr Zeit mit dem Suchen als mit dem Gefundenen verbringen!

Denkzwänge

Ein Letztes: Die Irritationen, die nicht verarbeitet werden, bewegen sich im Kopf weiter, sie schaffen es nicht bis zur Formulierung und machen die Wahrnehmung stumpf. Zu denken, während ich schreibe, erleichtert es, nicht zu denken, während ich beobachte. Ich möchte dieses Weblog also auch verwenden, um Gedanken ablegen und sie dann ruhig vergessen zu können…

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