Ich bin dabei meinen re:publica26-Besuch nachzubereiten. Die meisten Vorträge sind auf YouTube abrufbar. Beim zweiten Ansehen merke ich noch deutlicher, wie komplex die Fragen sind, die diskutiert wurden.
Ein zentraler Beitrag: Francesca Brias Vortrag über den Authoritarian Stack. Er geht auf ein umfangreiches Forschungsprojekt (Ergebnisse hier) zurück. Francesca Bria wird auch rhetorisch dem Ausmaß der Bedrohung der Demokratie durch die privatisierten autoritären Strukturen des US-Technofaschismus gerecht, und sie benennt die wichtigen Komponenten des neuen Machtsystems von der militärischen bis zur finanziellen Ebene.
Brias Vortrag lässt sich auch als Synthese oder Vernetzungsangebot für viele andere Ideen und Informationen verstehen, um die es auf der letzten re:publica ging – wobei sie alle in das Spannungsfeld von AI- und Dateninfrastruktur auf der einen Seite und neuem Faschismus auf der anderen gehören. Brias Präsentation zeigt, wie eng viele Themen, die in dieses Feld gehören, zusammenhängen, wie massiv die Entwicklungen sind, um die es hier geht, wie radikal sich die politischen Handlungsbedingungen verändert haben und verändern, und wie wichtig das Agieren der EU in dieser Situation ist. Brias Analyse macht deutlich, wie – um das Modewort zu benutzen – „unterkomplex“ das meiste ist, dass zur aktuellen politischen Situation in Europa gerade formuliert wird.
Für mich ist die wichtigste Schlussfolgerung: Europa muss schnellstmöglich eine Alternative zu den autoritären Strukturen verwirklichen, die drohen, es völlig zu verschlucken. Francesca Bria formuliert ihre Sicht dieser Alternative, wenn ich es richtig sehe, noch zu technikorientiert – oder: noch zu sehr an vor- und nichtbiologischen und an zentralisierten Techniken orientiert. Aber unabhängig davon macht sie sehr klar, dass nur eine Akteurin mit den Potenzialen der EU eine Chance hat, sich gegen die USA und China zu behaupten, und dass dazu eine alternative Infrastruktur nötig ist. Wie diese Infrastruktur aussehen und kontrolliert werden kann, und wie sichergestellt wird, dass sie im Kern Gemeingut oder Gemeineigentum ist, sollte das Hauptthema der politischen Debatten in Europa sein. Vieles von dem, was ich auf der re:publica mitbekommen habe, lässt sich als Beitrag zu dieser Debatte verstehen.