@Heinz @giesbert scheint kaum irgendwo besser zu passen als in dieser Hinsicht. Wir kennen die Prognosen, wir wissen, was zu ändern wäre, wir ändern _müssen_ – und: Nichts passiert. Ein wenig Kosmetik zur Gewissensberuhigung, ansonsten business as usual. Und wir müssten (noch!??) recht wenig ändern und das auf freiwilliger Basis, während uns die Zukunft Änderung brutal aufzwingen wird. Es ist verrückt – volle Kanne auf den Abgrund zu und ab und an noch lachend aufs Gas steigen. 3/3

May 4, 2026, 9:48 pm 0 boosts 0 favorites

@scheichsbeutel Danke für deine ausführliche Antwort! Gut zu wissen, dass es uns in vielem ähnlich geht.

Ich muss gestehen, dass ich im zweiten Teil der Schlafwandler stecken geblieben bin. Sie stehen aber in der Nähe meines Lesesessels und warten.

Ich versuche seit ein paar Jahren – seit mir die Tatsache der „Klimakrise“ bewusst geworden ist – zu verstehen, wie es zu ihr kommen konnte und vor allem dazu, dass sie beschleunigt statt gebremst wird.

Jetzt sehe ich sie als eine Folge des exponentiellen Wachstums der materiellen Infrastruktur, der Technosphäre, seit der Mitte des 20. Jahrhunderts – eigentlich schon seit dem Beginn des industriellen Kapitalismus. Diesen Prozess der Great Acceleration versuche ich im Sinne der ökologischen Ökonomie zu verstehen, also als Wachstum von materiellen Stocks und Flows, das auf Extraktion, vor allem auf Bergbau, beruht, und mit der Dissipation, also entropisch, endet. Das Wachstum ist dabei im Kapitalismus monetär gesteuert, es ist aus der Innensicht Akkumulation von Kapital.

Auf einer dritten Ebene, neben denen der großen Beschleunigung im Sinne der Erdsystemwissenschaften und des sozialen Metabolismus im Sinne der ökologischen Ökonomie – handelt es sich um räumliche und kontingente Prozesse, vor allem weil die Ressourcen, die für die Expansion der Technosphäre/die Akkumulation des Kapitals ausgebeutet werden, geografisch unterschiedlich verteilt sind (ein Zustand niedriger Entropie). Das Wachstum einer Wirtschaft, die vor allem auf mineralischen Ressourcen beruht, führt deshalb zugleich zum Übergewicht der Technosphäre und zu geopolitischen Konflikten. (Dazu lerne ich am meisten von Helen Thompson.)

Der Grund für das „Schlafwandeln“ liegt, glaube ich, darin, dass die Innen- und die Außensichten auf diese Prozesse bisher nicht zusammengebracht werden. Das Schlafwandeln besteht in einer Innensicht, nach der das Wachstum einer ökonomischen Logik folgt, die sich liberal oder sozialistisch verstehen lässt. Von außen gesehen handelt es sich um die Destruktion der Biosphäre und die exponentielle Beschleunigung der Herstellung von Entropie.

Entschuldige, dass ich so ausgreifend antworte – darauf hat mich das Bild des Schlafwandelns gebracht. To be continued … /c @giesbert

Ich überlege immer wieder, wie ich die vielen Links und Notizen zur Klimakrise und ihren Ursachen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe und weiter sammele, sinnvoll miteinander verbinden kann. Manchmal schwebt mir ein Buch mit dem Titel Fossile Expansion vor. Ich denke an eine Ordnung der vielen Informationsquellen und an eine Interpretation der Informationen aus der Perspektive eines Lesenden, nicht an den – größenwahnsinnigen – Versuch einer Synthese.

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Ich habe heute drei neuere Artikel von Helen Thompson gelesen: über die zweite Amtszeit Trumps (2025b), über Chinas Vorherrschaft bei seltenen Erden (2025c) und über den Niedergang der europäischen Auto-Industrie (2025a). In den drei Texten analysiert sie die aktuelle amerikanische und europäische Politik. Sie stellt dar, wie die Agierenden durch Zwänge, durch constraints bestimmt werden: durch constraints aufgrund der Verfügbarkeit von Ressourcen (fossile und erneuerbare Energien, seltene Erden), duch finanzielle constraints (Verschuldung der USA) und – in Verbindung mit diesen constraints – durch geopolitische Zwänge.

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