Als gründliche empirische Studie zu den Möglichkeiten einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen kenne ich bisher nur die Arbeit der Gruppe um Dominik Wiedenhofer und Helmut Haberl (2020, 2020). Spanische Forschende um Juan Infante Amate haben sich jetzt als Historiker ausführlich mit dem Zusammenhang von Emissionen und Wirtschaftswachstum seit den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung beschäftigt. Ihre Arbeit zeigt, wie unrealistisch die Annahme ist, dass sich die Begrenzung der globalen Erhitzung und weiteres Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen.

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Cover von Éric Pineault, A Social Ecology of Capital
Cover von Éric Pineault, A Social Ecology of Capital

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit Éric Pineaults Buch „A Social Ecology of Capital“ (Pineault, 2023). Ich suche – und finde – bei Pineault Antworten auf Fragen, die ich schon lange habe: Wie hängt das Funktionieren der Wirtschaft mit der Überschreitung der planetaren Grenzen und den ökologisch-sozialen Krisen zusammen, die sich aus dieser Überschreitung ergeben? Warum haben Klimawissenschaft, Klimabewegung und Klimapolitik nur minimale Erfolge gegen die globale Erhitzung erzielt? Warum setzt sich die fossile Expansion fast ungebremst fort, und warum gelingt es reaktionären Politikern in den USA, Russland und Europa, sie sogar noch zu beschleunigen? Und: Welcher Kapitalismusbegriff hilft dabei, die Ursachen für diese Prozesse und Niederlagen zu verstehen und sich gegen sie zu engagieren? In welchen Beziehungen stehen Wirtschaftskonzepte aus marxistischen und nichtmarxistischen Traditionen zur ökologischen Ökonomie? Wie zwingend ist die Forderung nach Degrowth als Antwort auf die Klimakatastrophe und die übrigen sozial-ökologischen Krisen?

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