Gestern hat mich Norbert Mayr gefragt, was ich von Ingolfur Blühdorns neuestem Vortrag halte. Ich habe mir das Video des Vortrags auf YouTube angeschaut. Viel mehr kenne ich von Blühdorn bisher nicht – allerdings genug um festzustellen, dass sich seine Ideen nicht auf diesen Vortrag reduzieren lassen. Blühdorns Thesen sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit den Gründen dessen, was er die „Nachhaltigkeit der Nichtnachhaltigkeit“ nennt. Dieser Hintergrund wird in dem einstündigen Vortrag nicht erwähnt.

Um es kurz zu sagen: Ich finde in Blühdorns Vortrag interessant, was man als Selbstkritik der ökologisch-emanzipatorischen Bewegung bezeichnen kann. Und ich kann vieles von dem nachvollziehen, was er über den grundsätzlichem Wandel zu einem Regime sagt, das er als „illiberale Moderne“ bezeichnet. Ich halte es aber für grundsätzlich problematisch, aus dem Versuch einer „Zeitdiagnose“ Prognosen und Handlungsanweisungen abzuleiten.

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Die New York Times erklärt in einem Artikel , was das Besondere an der neuen DeepSeek App und dem ihr zugrundeliegenden Large Language Model ist.

DeepSeek ist den bestehenden amerikanischen Anwendungen nicht nur zum Teil überlegen bzw. wenigstens gleichwertig. Vor allem wurde das zugrundeliegende Modell mit viel weniger Aufwand entwickelt. Hinzu kommt, dass es sich um eine Open Source-Entwicklung handelt, deren Grundsätze in einem Aufsatz publiziert wurden .

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Ich habe heute im neuen Falter mehrere Artikel zur blauschwarzen Regierungsbildung gelesen – nach Thurnhers Editorial (Thurnher, 2025) und dem Falter-Podcast zum selben Thema (Löw, 2025b) gestern. Der lange Bericht zum Abbruch der pink-rot-schwarzen Koalitionsgespräche (Horaczek et al., 2025) ist ein Stück Zeitgeschichtsschreibung.

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In den Nachrichten und Kommentaren zur Bildung einer blauschwarzen Regierung, die ich mitbekommen habe – vor allem im Standard und im ORF – spielen Klima und Ökologie kaum eine Rolle. Diese traditionelle Perspektive auf die FPÖ ist ein Ausdruck der noch immer üblichen Einschätzung der Klimapolitik als eines Sonderthemas unter vielen anderen. Sie entspricht aber nicht den Tatsachen.

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Mein Lektüretag hat angenehm begonnen – mit Armin Thurnhers Falter-Kolumne. Ich habe gelernt, dass „Turnerinnen und Turner“ nicht dasselbe ist, wie „Turnende“. Ich teile alle Wünsche Thurnhers. Ich würde einen Akzent anders setzen: Der digitale Überwachungskapitalismus und die Klimakatastrophe gehören für mich näher zusammen. Die Digitalisierung durch Monopole ist ein Aspekt der Akkumulation des Kapitals, die die Ressourcen der Erde erschöpft.

Fediverse Reactions

Geschäftsstelle der steirischen FPÖ in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße in Graz

Gestern wurde bekannt, dass die nächste steirische Landesregierung voraussichtlich aus FPÖ und ÖVP bestehen wird.

Eine grottenschlechte politische Nachricht mehr, sicher nicht die letzte. In den USA hat Trump gewonnen. In Österreich wird ein Kanzler Kickl immer wahrscheinlicher (vielleicht wird es auch Hofer oder ein anderer sogenannter hononoriger Blauer). In Frankreich regiert das Rassemblement National faktisch schon mit. Die Fratelli d’Italia gehören zur Koalition hinter der neuen EU-Kommission. Die Grünen werden auf allen Ebenen marginalisiert (gestern übrigens auch in Irland).

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Auf Seite 35 ihres ausgesprochen schmalen Wahlprogramms spricht die FPÖ Steiermark (oder Mario Kunasek; zwischen Partei und Vorsitzendem wird in diesem Dokument nicht so genau unterschieden) von dem

… derzeit von der Europäischen Union und der österreichischen schwarz-grünen Bundesregierung verfolgte[n] Kurs des „Klimakommunismus“, der heimische Jobs und den Wohlstand im Land gefährdet (FPÖ Steiermark, 2024).

Auf derselben Seite fordert sie die

Verankerung von Aufklärungsveranstaltungen über den Klima-Fanatismus in steirischen Schulen.

Das sind Stoßrichtung und Niveau der Partei, die gestern von 35% der wahlberechtigen Bevölkerung der Steiermark gewählt wurde und mit der sowohl ÖVP wie SPÖ koalieren wollen. Noch mehr als die Dumpfheit der Aussagen dieses Männerclubs stört mich die Selbstverständlichkeit, mit der der Blödsinn in der Öffentlichkeit akzeptiert wird. Der Landeshauptmann hat in der letzten Phase des Wahlkampfs versucht, sich bei Kickl, Kunasek und Volksgenossen regelrecht anzubiedern. Wir wundern uns, dass in den USA die Konservativen vor Trump zittern und sich zu seinen Erfüllungsgehilfen machen. Nichts anderes passiert gerade in der Steiermark.

Was die FPÖ hier macht, ist nicht einfach Ablehnung der Klimapolitik, zu der sich Österreich und die EU vertraglich verpflichtet haben. Hier – wie auch sonst – führt sie jede Debatte ad absurdum, indem sie beleidigende und menschenfeindliche Phantasien zu diskutablen Programmpunkten erklärt. Wer so etwas ernst nimmt, kann sich dann nicht mehr selbst ernst nehmen. Und darauf kommt es an.

FPÖ Steiermark. (2024). Bodenständig, mutig, steirisch. Wahlprogramm der FPÖ Steiermark für die Landtagswahl 2024. https://www.fpoe-stmk.at/files/content/blog/2024/2024-10-17WahlprogrammFP%C3%96SteiermarkLTW2024.pdf

Einige wichtige Accounts der einstigen österreichischen Twitteria haben Elon Musks Plattform verlassen und sind zu Bluesky gewechselt. Im Falter-Podcast diskutiert Raimund Löw darüber mit Armin Wolf, Florian Klenk und Barbara Tóth . Armin Wolf hat in einem Blogpost beschrieben, welche Erfahrungen er in den letzten beiden Jahren auf Twitter/X gemacht hat und warum er eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen zum Umstieg aufgerufen hat . Ingrid Brodnig erklärt in ihrem Blog, wie Twitter zu einem Desinformationsmedium wurde .

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