Gestern ist State of the Climate 2025 (2026) erschienen, der Bericht der World Meteorological Association über den Zustand des Klimas. Kern des Berichts sind knappe Darstellungen der Entwicklung von Schlüsselindikatoren wie der durchschnittlichen Oberflächentemperatur der Erde. In diesem Bericht ist ein wichtiger Schlüsselindikator zum ersten Mal enthalten: das Energieungleichgewicht der Erde, englisch: Earth’s Energy Imbalance. Der Wert dieses Indikators ist der Unterschied zwischen der Strahlungsenergie, die die Erde von der Sonne erreicht, und der wieder abgestrahlten Energie. Treibhausgase in der Atmosphäre und z.T. von ihnen ausgelöste Effekte sorgen schon lange dafür, dass die Erde weniger Energie abstrahlt, als sie aufnimmt. Die zusätzliche Energie wird als Wärme gespeichert, zum größten Teil in den Ozeanen.
Hier eine interaktive Darstellung Earth’s Energy Imbalance von dem auf der WMO-Website verlinkten Dashboard mit Key Climate Indicators:
Wenn man mit der Maus (oder mobil mit dem Finger) über die Linien fährt, sieht man die unterschiedlichen Quellen. Das Energieungleichgewicht lässt sich aus dem Wärmegehalt der Ozeane errechnen (blaue und violette Linie). Es lässt sich auch direkt mit den CERES-Instrumenten von Satelliten messen. Es ist seit 2000 dramatisch angewachsen, wobei die Satellitenmessungen noch höhere Werte ergeben als die Berechnungen. Das Dashboard stammt von John Kennedy (@micefearboggis), dem Lead-Redakteur des Berichts und einem der besten Fachleute für die Visualisierung von Klimadaten. Er ist für mich eine der Autoritäten auf diesem Gebiet. Eine der Kurven mit den errechneten Daten geht auf eine Forschungsgruppe um Karina von Schuckmannn zurück, für mich eine Schlüsselautorin, um mich über die Ozeanerhitzung und das Energieungleichgewicht der Erde zu orientieren.
In den Medien wird über diesen Indikator selten berichtet (eine Ausnahme ist Jonathan Watts Artikel gestern im Guardian, 2026). Der Wert dieses Indikators spielt eine zentrale Rolle bei den Diskussionen darüber, wie sehr sich die Erde weiter erhitzen wird. Ich selbst kann mir das Ausmaß der Veränderung des Erdsystems am ehesten vorstellen, wenn ich mir klarmache, dass inzwischen pro Quadratmeter der Erdoberfläche kontinuierlich über ein halbes Watt Energie aufgenommen wird und Ozeane, Kontinente und Eisschilde aufheizt.