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Eine Online-Journalistin hat mich neulich gefragt, ob ich Studien zur Wirkung von Bildern auf News-Sites kenne. Ich kannte keine. Inzwischen habe ich etwas recherchiert. Bisher bin ich aber noch nicht fündig geworden. Es gibt viel zum Bildjournalismus, auch im Netz, und es gibt unendlich viel zum Onlinejournalismus als solchem (wobei mir der Ausdruck Onlinejournalismus antiquiert vorkommt—als könne es einen Offlinejournalismus geben). Aber für die Kombination von Bild und Text im Journalismus scheint sich kaum jemand zu interessieren. Dabei kommen doch in der Regel beide Medien zusammen vor.

Auf der Suche bin ich auf Jakob Nielsens interessante Studie zur Wirkung von Fotos auf Webseiten gestoßen, die ich vorher nicht kannte. Nielsen hat mit Eyetracking gearbeitet. Das wichtigste und dabei keineswegs selbstverständlich Ergebnis lässt sich wohl so zusammenfassen: Dafür, ob Bilder wirken, ist ihr Informationsreichtum entscheidend. Die Benutzer decodieren offenbar sofort, ob ein Bild lediglich untermalenden Charakter hat, eine Stimmung vermitteln soll oder nur aus Layoutgründen eingefügt wurde, oder ob es etwas aussagt, das mit den Inhalten zusammenhängt, die man auf der Seite sucht. Also sollten z.B. Produktseiten tatsächlich die Produkte und ihre Besonderheiten zeigen. Bloße Imagebilder sind offenbar eher kontraproduktiv; sie werden wohl als ähnlich störend empfunden wie das übliche schlechte PR- und Firmengesülze.

Wenn man über Ereignisse berichtet, muss man also wohl im Bild tatsächlich das Ereignis zeigen, oder etwas, das das Ereignis erklärt. Das sind z.B. nicht die hier in der Steiermark beliebten in die Kamera grinsenden Politiker und C-Promis. Man muss sich überlegen, welche Funktion das Bild in Verbindung mit dem Text hat.

Unten ein paar willkürlich ausgesuchte Bilder von heute zu Mario Monti und der Regierungsbildung in Italien. Man sieht sofort, dass die beiden amerikanischen (New York Times und Washington Post) auf das offizielle Ereignis abzielen und die italienischen (Repubblica und Corriere della Sera, jeweils die Titelseiten) auf die Ambivalenz der Situation. (Ich zeige die Bilder klein und habe sie mit den Quellen verlinkt; ich hoffe, dass ich damit zitatrechtlich korrekt bin.)

Nyt_monti

Washington_post_monti

Repubblic_monti

Corriere_monti

Zur Wirkung von Bildern überhaupt als eye catcher hier noch eine eher ad hoc unternommene Studie; sie belegt die Erfahrung, dass Bilder die Aufmerksamkeit fast sofort auf sich ziehen.

Ich werde mich weiter mit der Wirkung von Bildern in Webtexten beschäftigen. Ich habe den Eindruck, dass es sich um ein stiefmütterlich behandeltes Gebiet handelt. Vielleicht habe ich aber nur Wichtiges nicht gefunden. Mein Kollege Heinz M. Fischer fordert schon lange, die Bildkommunikation intensiver zu thematisieren; das ist für Online-Publikationen sicher mindestens so wichtig wie für Print-Veröffentlichungen.

Da dieses Post nur der Anfang einer Materialsammlung ist, abschließend noch zwei Links zur Bildkommunikation in der PR: Dieter Herbst hat sich intensiv damit beschäftigt, unter anderem in diesem Aufsatz. Wegweisend für die Beschäftigung mit Online-Bilder jeder Art ist sicher die Leipziger Studie Bewegtbildkommunikation im Internet 2008.

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