Gestern hat Ana eine gute Einführung in das Thema #degrowth gefunden:

Degrowth – Kurze Einführung in Konzept und Bewegung – Matthias Schmelzer Hamburg 2016
Matthias Schmelzer: Degrowth–kurze Einführung in Konzept und Bewegung

Den Text von Matthias Schmelzers Vortrag gibt es als PDF.

Schmelzer beschreibt in einer halben Stunde die Motive der Wachstumskritik, die Geschichte der degrowth-Bewegung und ihre wichtigsten Themen, darunter die Kritik am Konzept eines grünen oder nachhaltigen Wachstums. Er argumentiert klar und unaufgeregt. Schmelzer hat viele andere Arbeiten zur Wachstumskritik verfasst, darunter ein einführendes Buch, das gerade erschienen ist. Gestern habe ich von ihm noch zwei Zeitungsartikel gelesen—einen in der FAZ (Postwachstumsgesellschaft und Degrowth: Neue Konzepte der Ökonomie), einem im Neuen Deutschland (Fridays for Future: Schüler politisieren die Zukunft).

Schmelzer spricht in der Einleitung seines Vortrags von drei Perspektiven der Wachstumskritik: einer sozialen, einer ökologischen und einer kapitalismuskritischen, in der die soziale und die ökologische zusammenlaufen. Für mich ist die ökologische Perspektive die entscheidende, auch wenn sie sich von kapitalismuskritischen nicht trennen lässt. Den wichtigsten Grund für ein Ende des Wachstums sehe ich in der Begrenztheit natürlicher Ressourcen oder natürlicher gemeinsamer Güter wie der Atmosphäre, der Biosphäre und der Biodiversität. (Dabei setzen schon Ausdücke wie Ressourcen und Güter eine ökonomische, am Nutzen orientierte Perspektive voraus. Diese ökonomische Perspektive, in der alle nichtmenschlichen Wesen nur Material sind, lässt sich auch als solche in Frage stellen. Von verschiedenen Ausgangspunkten aus geschieht das z.B. in den Werken von Philippe Descola und Bruno Latour.) Eine immer weitere Steigerung des Verbrauchs von Ressourcen ist selbst dann irrational, wenn sie möglich ist, weil sie die Zweck-Mittel-Relation verkehrt: Sie macht die Ökonomie von einem Mittel zum Zweck. In einer begrenzten Welt muss die Wirtschaft aber begrenzt werden, wenn sie sich nicht selbst zerstören soll.

Ich kenne selbst wachstumskritische Argumentationen aus den 70er Jahren, als ich zur Schule ging und studierte. Ich bin damals auf André Gorz gestoßen, und mich hat Bahros Alternative begeistert. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie Helmut Schmidt Erhard Eppler verhöhnt hat. Ich habe dann die Verbindung zu diesem Gedankengut verloren, wie wahrscheinlich viele in meiner Generation. Jetzt frage ich mich, was mich damals gehindert hat, diese Ideen ernster zu nehmen.

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