Das WWW ermöglicht es, in einem vor seiner Erfindung unvorstellbaren Ausmaß Informationen rekursiv weiterzuverarbeiten, also Informationen, die bereits prozessiert wurden, noch einmal auf einer neuen Stufe zu prozessieren, und zwar mit denselben Typen von Operationen. Es ist möglich, syndizierte Informationen wiederum zu syndizieren, katalogisierte Informationen wiederum zu katalogisieren, mit anderen Informationen kombinierte Informationen zu rekombinieren. Die Open Source-Bewegung verwendet dieses Verarbeitungsverfahren, um Code zu verbessern; Creative Commons oder Open Access ermöglichen es, wissenschaftlich und andere kulturelle Inhalte weiterzuverwenden.

Das Open Data Movement macht vorhandene große Datenbestände für das Weiterprozessieren im Netz zugänglich. Wichtig ist, dass sich nicht absehen lässt, was mit den Informationen geschieht. Offenheit ist hier nicht nur eine idealistische Forderung, sie ist die Voraussetzung dafür, die Potenziale der vorhandenen Informationen zu nutzen.

Ankündigung eines Vortrags von Matt Biddulph:

Following the success of open source, an open data movement is occurring online that seeks to gather, publish and enable the reuse of rich machine-readable datasets – like all programs ever broadcasted by the BBC.

By opening up these wellsprings of information, which were previously only accessible to large institutions, the open data movement has unleashed a new wave of creativity on the Web. Programmers, students, and companies are building mashups by overlaying photos, blog posts, and other objects to open datasets like the BBC Programme Catalogue, Wikipedia, Open Streetmap, and Thinglink.

[hackdiary: Talk in Helsinki this week: the Open Data Movement]

Eigenwerte sind nach Heinz von Foerster vergleichbar mit dem Symbol der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Gemeint ist damit, daß Resultate der Operationen eines Systems, wieder als Eingangsgrößen in das System eingeführt werden. Das Resultat einer Operation wird somit wieder als Ausgangspunkt für eine neue Operation benutzt usw. [Bazon Brock:Eigenwerte]

Wenn eine systemtheoretische Theorie von Webpublikationen oder des WWW möglich ist, dann könnten sich Eigenwerte identifizieren lassen, die durch Rekursionen zustandekommen. Das Web oder ein bestimmter Bereich des Web müsste sich immer wieder selbst verarbeiten, und in dieser selbstreferentiellen Aktivität würden so etwas wie feste Größen oder "Gegenstände" entstehen. Ein Netzwerk-Effekt (der Wikipedia-Artikel spricht dabei von Feedback), etwa die Verdoppelung der möglichen Beziehungen bei nur einem hinzukommenden Knoten, könnte zum Beispiel dazu führen, dass sich Communities, Dienste oder Unternehmen eines bestimmten Typs immer wieder etablieren. Vielleicht sind auch Basis-Technologien (Hypertext, Newsfeeds) Kandidaten für Eigenwerte.

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Links zum Thema Tagging, vom Schockwellenreiter gestohlen: A cognitive analysis of tagging,
Tips From Top Taggers, Taggen ist eine Kunst, Auf der Suche nach dem jüngsten TAG und The Structure of Collaborative Tagging Systems.

Tagging ist eines der interessantesten Themen für Ethnomethodologie und Konversationsanalyse im Netz. Vielleicht lassen sich hier die Ansätze von Autoren wie Garfinkel, Sacks und Schegloff am leichtesten “online-soziologisch” weiterführen.

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In ein paar Stunden habe ich in der letzten Woche Ulrich Becks “Was zur Wahl steht” gelesen. Das kleine Buch ist sehr gut geschrieben, nicht professoral, auch nicht “leitartikelnd”; in einer einfachen, unakademischen Sprache warnt Beck vor dem Irrglauben, es könne nationale Auswege aus den großen sozialen Problemen der Bundesrepublik geben. Allerdings wählt Beck für seine Betrachtung die Vogelperspektive; konkrete politische Empfehlungen gibt er nicht ab.
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