Ton Zijlstra beschreibt, wie er Lehrer in das vernetzte Lernen einführt. Wie immer bei Ton Zijlstras Präsentationen liegt die Wirkung fast mehr darin, wie er erzählt, als was er erzählt. Er berichtet in der Präsentation von einem Tag in seinem Leben, den verschiedenen Tools, die er dabei benutzt, und den sozialen Netzen, in denen er sich bewegt. Theoretischer Hintergrund ist der Konnektivismus, den George Siemens und andere entwickelt haben.

Er geht von drei technisch bedingten quantitativen Veränderungen aus, durch die sich das Verhalten der Menschen und vor allem der Jugendlichen heute verändert: die Zunahme von Verbindungen zwischen Menschen, die Zunahme der Geschwindigkeit, vor allem der Geschwindigkeit von Veränderungen, und die Zunahme des Informationsvolumens. Sie erfordern drei qualitative Antworten:

  1. eine pro-aktivere persönliche Rolle (als sense maker, als Produzent und Verbraucher, als pattern-hunter, aktives Teilen)
  2. eine neue Menge von Fähigkeiten im Umgang mit Infomation (Mustererkennung, soziales Filtern, Prüfungs- und Bewertungsfähigkeiten)
  3. eine neue Menge von Werkzeugen (web2.0, social software) und Arbeitsformen (open space, communities of practice, vernetzte Organisationen)

Es gibt viele Möglichkeiten, von hier aus weiterzudenken. Mit der Perspektive des PolitCamps, das im Mai in Graz stattfindet, interessiert mich, wie sich die qualitativen Antworten von denen Ton Zijlstra spricht, für politische Zusammenhänge übersetzen lassen. Anders formuliert: Auch die Politik sieht sich neuen sozialen Struktuen, viel schnelleren Veränderungen und einer nicht mehr zu verarbeitenden Menge von Informationen gegenüber: Mit welchen Werkzeugen und Kommunikationsformen kann sie darauf antworten, wie kann das vernetzte Lernen zum Werkzeug der Politik werden?

One thought on “Ton Zijlstra über vernetztes Lernen

  1. Sehr interessante Frage Heinz, bez. Politik.
    Vielleicht liegt die Antwort in die Richtung der Änderung der Metafern die die Politik für sich benutzt. Politischer Streit als Wettrennen, wäre so eine Metafer, wo es nur einen Gewinner geben kann. Wo in vernetzte Strukturen jeder das seine bringt, und Rollen immer wieder context-abhängig neu verteilt werden.
    Eine andere Metafer wäre die der Hierarchie. Wenigstens hier in NL erwarten die Politiker das Bevölkerungsgruppen ihr Anliegen in hierarchisch organisierte Strukturen vorbringen. Die Regierung versteht hier zu Lande kaum warum sie es nicht schafft richtig mit Migranten im Gespräch kommt: man wirft die Migranten vor nicht ‘richtig’ organisiert zu sein, so das es keine ‘ordentliche’ Gesprächspartner gibt für die Politik.
    Wo die Politik eher sagt: wo kämen wir denn hin wenn wir jeden einzeln überzeugen müssen, sagen die Netzwerke eher das sich das schon selber regeln wird wenn jeder seine Rolle im Netzwerk seriös nimmt.
    Nur so ein paar Gedanken.

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