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Warum ich auf Path bleibe

Ich habe auf Path 25 Freunde. Die Hälfte davon benutzt ihren Account, und weniger als 10 sind aktiv. Ich öffne Path viel seltener als Twitter, und ich verbringe damit auch weniger Zeit als mit Facebook. Warum benutze ich das Netzwerk trotzdem immer noch und sogar immer lieber?

Twitter interessiert mich, weil ich dort Nachrichten finde. Bei Facebook bekomme ich ausser vielen Links Informationen über Menschen, aber sie sind nicht an mich gerichtet und meist interessieren sie mich nicht. Die Botschaften auf Path dagegen verstehe ich als Mitteilungen, auch wenn dort jeder mit seinem besonderen Freundeskreis kommuniziert und ich nur die Schnittmenge der Kreise meiner Freunde bilde.

Ich empfinde die Fotos und die Gedanken dort als an mich adressiert, weil sie dort jeder nur an wenige richtet und weil sie eigentlich immer viel über den sagen, der sie schickt. Diese Atmosphäre hat Path seit seinem Launch aufrechterhalten. Bei Facebook, das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck, bin ich einer unter vielen, ein Bündel von statistischen Daten. Es ist zufällig, ob jemand die Nachrichten aus meinen Stream liest oder ob ich gerade etwas Interessantes finde. Facebook versucht alle und alles für alle zu sammeln. Bei Path schickt man persönlich wichtige Botschaften an wenige, persönlich ausgewählte Menschen.

Dazu passt, dass der Kontext meiner Posts bei Path mein Lebensweg, eben mein Path ist. Es handelt sich nicht um eine Chronik, die ja immer offiziell ist, also etwas verzeichnet. Der Path unterscheidet sich nur in Nuancen von einer Chronik. Aber diese Nuancen sind bei Path, anders als bei Facebook, wichtig.

Path ist ein intimes Medium. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie persönlich man dort werden kann, sollte oder darf. Die Antwort habe ich dann bei einem meiner Freunde auf Path gefunden. Bei Path könne man erzählen, was man Freunden bei einem Abendessen erzählt. Dort berichte man nicht von seinen sexuellen Vorlieben, aber man sage vieles, das man der Öffentlichkeit verschweigt. Das Bild des Abendessens trifft es.

Könnte ich das alles nicht auch bei Facebook oder Twitter haben? Vielleicht, aber dort wäre es mit ganz anderen Botschaften vermischt. Facebook und Twitter sind nicht Räume für Abendessen unter Freunden sondern Kantinen, in denen man immer wieder nachsehen muss, wo die eigenen Freunde geblieben sind. Wenn man an seine digitale Umgebung nicht deutlich weniger Ansprüche stellt als an seine analoge Umgebung, ist das wenig befriedigend.

Facebook ist ein universelles Werkzeug, so wie ein Messer, das viele verschiedene Klingen hat. Path ist ein Tool, mit dem man nur eine Sache gut tun kann, nämlich sein Leben mit Freunden zu teilen. Mir ist Software, die so durchdacht wie möglich eine bestimmte Aufgabe erledigt, immer sympathischer gewesen als die digitalen Küchenmaschinen. There should be one– and preferably only one –obvious way to do it.

Ich habe auch noch ganz andere Gründe auf Path zu bleiben. Ich glaube, dass Path ein zukunftsweisendes Konzept hat, und ich möchte aus der Nahe mitbekommen, wie es sich entwickelt. Dabei bestätigt mich, dass eine der ersten Apps für das Google Glass von Path kommt. Path passt in eine Welt persönlicher Appliances, in der Software das gesamte Leben begleitet. Wie eine solche Welt aussieht, kann man sich besser vorstellen, wenn man Anwendungen wie Path kennt.

Für mich ist Path die beste Umsetzung der Überlegungen, die Paul Adams in Grouped angestellt hat. In Path entwickelt sich ein Netzwerk um kleine Gruppen von Freunden herum, das unterschiedliche persönliche Distanzen nicht einebnet. Wenn Adams Recht hat, dann kann ein solches Netzwerk auch kommerziell erfolgreich sein, weil die Empfehlungen dieser nahen Freunde einen enormen Wert darstellen. Allerdings muss Path erst noch einen Weg finden, der kommerzielle Verwertbarkeit der Beziehungsnetze dort erlaubt, ohne ihnen ihren persönlichen Charakter zu nehmen.

Was mich wundert: Nur wenige meiner Bekannten verwenden Path, auch wenn viele von ihnen Facebook sehr kritisch sehen. Der Grund dafür könnte sein, dass soziale Medien für die meisten vor allem Plattformen für den öffentlichen Austausch, das Broadcasting und den Aufbau von Reputation bilden. Vielleicht zieht die Nichtprivatheit von Facebook die Nutzer vielmehr an, als sich viele eingestehen.

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