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Wo informiere ich mich über Klimafragen?

In der letzten Woche hat mich Martin Bredl gefragt, wie ich mich über Klimafragen, also die Klimakrise oder den Klimanotstand informiere. Es ist gar nicht einfach, die Frage zu beantworten. Für mich hängt sie eng mit verwandten Fragen zusammen. Wem traue ich am meisten? Welche Informationen sind für mich die wichtigsten?

Meine Informationskanäle zur Klimakrise

Kurze Antwort auf die Frage 1: Ich habe zwei primäre Informationsquellen, Twitter und den Guardian. Sekundäre Kanäle sind für mich Podcasts, RSS-Feeds, andere Zeitungen und Facebook.

  1. Twitter. Bei Twitter habe ich mir eine Liste Climate Change Research zusammengestellt. Inzwischen sind auf dieser Liste auch viele Aktivistinnen und Aktivisten, aber das Hauptgewicht liegt auf Leuten, die sich wissenschaftlich mit dem Klima oder mit Klimakommunikation beschäftigen. Da ich mit den Twitter-Accounts auf der Liste am meisten interagiere, zeigt Twitter viele von ihnen auch mit Priorität in meiner Timeline an.
  2. Guardian. Der Guardian hat sich bei mir zur wichtigsten Zeitung vor allem zu Themen der planetary boundaries herauskristallisiert—wahrscheinlich, weil er von den Zeitungen, die ich kenne, am umfassendsten informiert, sich am meisten an der Wissenschaft orientiert, einen europäischen Schwerpunkt und zugleich eine globale Perspektive hat und auch, weil er viel über Extinction Rebellion berichtet. George Monbiot, einer der Gründer von XR, schreibt für den Guardian.
  3. Podcasts. Ich habe keine Podcasts speziell zu Klima- und Umweltthemen abonniert, aber ich höre von den politischen und wissenschaftlichen Podcasts, die ich verfolge, fast immer die Folgen, in denen es um Klima- und Energiethemen geht. Das sind vor allem Beiträge aus den Daily-Podcasts des Deutschlandfunks und des Guardian, aus dem Falter-Radio (neulich auch von Doublecheck) und eher wissenschaftliche oder philosophische Beiträge von France Culture.
  4. RSS-Feeds: Ich habe eine Degrowth-Sammlung in meinem RSS-Reader. Die meisten dieser Feeds behandeln Klimathemen, hier folge ich u.a. auch dem Standard. Einiges überlappt sich, so bekomme ich auch die Environment-Beiträge des Guardian via RSS.
  5. Andere Zeitungen/Nachrichtenkanäle. So weit ich Zeit habe, verfolge ich, meist auf dem Handy, außer dem Guardian die Startseiten von Tagesschau, Standard, Libération und New York Times. Was sich auf Klimathemen bezieht, klicke ich meist an und speichere es in meinem Instapaper-Account—oft allerdings, ohne es zu lesen. Genauso verfahre ich mit Informationen aus meinem Facebook-Feed. Durch Links bekomme ich auch einiges aus anderen deutschen Zeitungen, vor allem von taz, Süddeutscher und Zeit mit.

Wie filtere ich Informationen zur Klimakrise?

Ich könnte meine Zeit fast vollständig mit dem Verfolgen dieser Nachrichtenkanäle verbringen, und ich muss auch zugeben, dass ich immer wieder zu ihnen zurückkehre. Ich finde das Thema so wichtig finde wie kein anderes, und mich faszinieren seine wissenschaftlichen Aspekte. Um die Informationsmenge sinnvoll zu begrenzen, orientiere ich mich an Quellen, die ich für besonders glaubwürdig halte. Das sind in erster Linie die Leute des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihnen verbunden sind, wie Will Steffen, Michael Mann und Naomi Oreskes. Außerdem versuche ich mitzubekommen, welche wichtige Studien und Stellungnahmen veröffentlicht werden, vor allem vom IPCC und ähnlichen internationalen wissenschaftlichen Gremien.

Bis vor einem Jahr habe ich mich vor allem mit Internet-, Social-Media- und Content-Strategie-Themen beschäft. Auch dabei hatte ich immer das Problem, relevante Informationen herauszufinden, und ich habe mich auch dort vor allem an vertrauenswürdigen Quellen orientiert. Der große Unterschied bei Klimathemen liegt in der Orientierung an wissenschaftlicher Forschung. Ich muss nicht nur ständig Neues zur Kenntnis nehmen, ich kann es auf Wissen zum Erdsystem beziehen und Verweisketten folgen, die nicht vor allem on vMarketing- und Aufmerksamkeitsökonmie gesteuert sind. So gesehen ist es, trotz der apokalyptischen Dimension der Klimakrise, befriedigender, sich mit ihr zu beschäftigen. Ich merke, dass ich letztlich nichts wirklich Wichtiges verpasse, weil es einen wissenschaftlichen Diskurs zu diesen Themen gibt, und dass ich um so mehr verstehe, desto länger ich mich mich mit diesem Diskurs beschäftige.

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